Spähaffäre

Bericht: NSA überwacht Netze der Telekom

Die Spähaffäre rund um die NSA macht bereits seit über einem Jahr durch immer wieder neu auftauchende Berichte Schlagzeile. Laut "Spiegel" sollen auch geheime Zugänge zu den Netzen der Deutschen Telekom und Netcologne bestehen.

Computer Spionage© Sergey Nivens / Fotolia.com

Hamburg (AFP/red) - In der seit mehr als einem Jahr anhaltenden Spähaffäre gibt es erneut Berichte über weitgehende Geheimdienst-Eingriffe auch in Deutschland: Wie das Magazin "Spiegel" am Wochenende berichtete, verfügen die Geheimdienste der USA und Großbritanniens über verdeckte Zugänge in die Netze der Deutschen Telekom und des Kölner Anbieters Netcologne. Das Magazin beruft sich auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden.

In von einem NSA-Programm namens "Treasure Map" erstellten Grafiken seien die Telekom und Netcologne namentlich aufgeführt und mit roten Punkten markiert, berichtete der "Spiegel". In einer Bildlegende heiße es dazu erklärend, die rote Markierung bedeute, dass es "innerhalb" dieser Netze "Zugangspunkte" für die technische Überwachung gebe.

Treasure Map für Computerattacken

Das Treasure-Map-Programm hat dem Bericht zur Folge das Ziel, "das komplette Internet zu kartografieren". Mit der Anwendung könnten sogar Endgeräte wie Computer, Smartphones und Tablets visualisiert werden, sofern sie mit dem Internet verbunden seien. Das Programm diene unter anderem der "Planung von Computerattacken" und der "Netzwerk-Spionage", heißt es laut "Spiegel" in einer Präsentation der Anwendung.

Gesetzeswidriger Eingriff

Neben der Telekom und Netcologne sind demnach auch die drei deutschen Teleport-Anbieter Stellar, Cetel und IABG mit roten Kernen markiert. Ein GCHQ-Dokument liste Mitarbeiter namentlich als Zielpersonen auf und enthalte auch Kennworte für die Server von Stellar-Kunden. Es handele sich um "Geschäftsgeheimnisse und sensible Informationen", sagte Stellar-IT-Chef Ali Fares dem "Spiegel". Geschäftsführer Christian Steffen betonte: "Ein solcher Cyberangriff ist nach deutschem Recht eindeutig strafbar."

Sachverhalt wird überprüft

Telekom und Netcologne konnten nach "Spiegel"-Angaben bislang keine verdächtigen Vorrichtungen oder Datenübermittlungen feststellen. "Der Zugriff ausländischer Geheimdienste auf unser Netz wäre völlig inakzeptabel", sagte Telekom-Sicherheitschef Thomas Tschersich.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bestätigte am Sonntag, dass es über den im "Spiegel" dargestellten Sachverhalt "unterrichtet" sei und diesen gemeinsam mit anderen Behörden analysiere. Weitere Auskünfte wollte das Amt zunächst nicht geben.

Vorwurf der Mitverantwortlichkeit

Die Opposition warf der Bundesregierung Mitverantwortung vor. Wenn die Geheimdienste noch heute ungehindert Zugriff auf die deutsche Telekommunikationsinfrastruktur haben, offenbare dies, dass die Netzsicherheit von der großen Koalition "ganz klein geschrieben" werde, erklärte Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz in Berlin.

Der Linken-Abgeordnete Jan Korte kündigte an, "diese weitere Umdrehung im unendlichen Überwachungsskandal" auf die Tagesordnung des Innenausschusses zu setzen. Die Bundesregierung, deren Geheimdienste einen engen Datenaustausch mit NSA und GCHQ pflegten, verletze "permanent ihren Amtseid, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden".

NSA-Affäre belastet deutsch-amerikanisches Verhältnis

Die Spähaffäre belastet seit mehr als einem Jahr das US-deutsche Verhältnis. Für weitere Irritation sorgte im Sommer die Enttarnung zweier Behördenmitarbeiter, die mutmaßlich für die USA in Deutschland spionierten.

An der technischen Ausrüstung des im Juli enttarnten CIA-Spions Markus R. beißen sich die Ermittler nach einem Bericht des "Spiegels" die Zähne aus: BSI-Fachleuten sei es bislang nicht gelungen, dessen "hochprofessionell" gesicherten Laptop zu entschlüsseln. Das habe Generalbundesanwalt Harald Range vergangene Woche den Obleuten des NSA-Untersuchungsausschusses berichtet.

Quelle: AFP

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