Breitbandstudie

Breko: 170 Mbit/s werden bis 2020 Standard

Wo heute Breitband-Geschwindigkeiten von 10 bis 30 Mbit/s im Download erreicht werden, rechnet der Breko für das Jahr mit 170 Mbit/s. Um der steigenden Datennutzung gerecht zu werden, seien besonders die Glasfasernetze wichtig.

Internet-Geschwindigkeit© Dominic Ziegler / Fotolia.com

Berlin (red) - Die Nachfrage nach hohen Internet-Bandbreiten wird laut der Breitbandstudie 2015, die der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) am Dienstag in Berlin vorgestellt hat, in den kommenden Jahren rasant ansteigen. Laut der aktuellen Marktanalyse, die unter anderem auf einer Befragung von allen im Breko organisierten Netzbetreibern basiert, rechnet der Verband bereits für das Jahr 2020 mit einem Anstieg der Standard-Downstream-Bandbreiten auf mindestens 170 Mbit/s. Derzeit liegt die Surfgeschwindigkeit laut Breko-Geschäftsführer Stephan Albers zwischen 10 und 30 Mbit/s. Drastisch mehr Tempo soll bis 2020 auch beim Upstream zum Standard werden: Mit 105 Mbit/s sollen sich Daten ins Internet hochladen lassen.

Genutztes Datenvolumen im Festnetz steigt

Weiter aufwärts geht es auch mit Blick auf das übertragene Datenvolumen im Festnetz. Wurde 2013 noch ein Datenvolumen von 8,8 Milliarden Gigabyte (GB) ermittelt, stieg die Menge der übertragenen Daten 2014 um fast ein Viertel auf 10,9 Milliarden GB an. Auch das durchschnittlich monatlich übertragene Datenvolumen eines Internet-Nutzers legte auf aktuell rund 27 GB zu. In diesem Jahr rechnet der Breko mit einem weiteren Anstieg auf 35 GB pro Monat.

Die Zahl der Breitbandanschlüsse in Festnetzen lag Ende 2014 bei 29,6 Millionen, ein Zuwachs um rund 900.000 Anschlüsse. Die Zahl der schnellen Internetanschlüsse von mindestens 30 Mbit/s legte von 16 Prozent (2013) auf 21 Prozent (2014) zu. Dennoch lag die Zahl der Breitbandanschlüsse mit Download-Bandbreiten von über 100 Mbit/s im vergangenen Jahr erst bei 5 Prozent. Der Löwenanteil der Breitbandanschlüsse in Deutschland bot dagegen Ende 2014 weniger als 10 Mbit/s (43 Prozent) bzw. 10 bis 30 Mbit/s (36 Prozent).

Alternative Netzbetreiber treiben Glasfaserausbau voran

Smartphones und Tablets sind inzwischen weit verbreitet, genutzt werden sie aber häufig auf dem heimischen Sofa per WLAN-Verbindung. Den Trend zur stärkeren mobilen Nutzung über WLAN-Netze sowie Hotspots stellte auch der Breko fest. Umso wichtiger seien schnelle Glasfasernetze als Basis für die Anbindung der WLAN-Zugangspunkte.

Der Glasfaserausbau in Deutschland werde vor allem durch die alternativen Netzbetreiber vorangetrieben – ein Großteil davon seien Mitglieder im Breko. Laut dem Verband würden 76 Prozent des Ausbaus mit schnellen Glasfaseranschlüssen bis zum Gebäude (FTTB) oder bis direkt in die Wohnung (FTTH) durch lokale und regionale Carrier erfolgen. Eine "hervorragende Botschaft für den Glasfaserausbau" sieht der Breko in der Treue der Deutschen zu ihrem Festnetzanschluss: 83 Prozent der Bevölkerung wolle ihren Anschluss behalten und nicht komplett auf Mobilfunk umsteigen.

Die Telekom-Wettbewerber hätten im vergangenen Jahr einen Anteil von 57 Prozent an den Investitionen in den deutschen TK-Markt gehabt, ihre Investitionen seien auf insgesamt 4,2 Milliarden Euro gestiegen. "Die diesjährigen Ergebnisse unserer Breitbandstudie bestätigen erneut: Breitband ist ganz klar Standortfaktor Nummer Eins. Unsere Mitgliedsunternehmen haben im vergangenen Jahr fast drei Mal so viel von ihrem Gewinn investiert wie die Deutsche Telekom", kommentiert Breko-Vizepräsident Johannes Pruchnow die Ergebnisse der Breitbandstudie.

Telekom will Wettbewerber bei Vectoring aussperren

Telekommunikationsexperte Karl-Heinz Neumann, stellvertretender Vorsitzender des Breko-Beitrats, betonte, dass die Deutsche Telekom trotz der von ihr kritisierten Regulierung die größten Margen im deutschen Heimatmarkt erziele (seit Jahren konstant bei Werten um 40 Prozent). Weiterhin marktbeherrschend mit einem Anteil von 84 Prozent sei die Telekom bei den Telefonanschlüssen. Neumann kritisierte, dass die Deutsche Telekom mit ihrer Vectoring-Strategie eine Re-Monopolisierung des Netzes anstrebe. Mit dem Antrag auf exklusive Nutzung von Vectoring im Nahbereich um die bundesweit rund 7.900 Hauptverteiler zeige die Telekom klar ihr Ziel: "Sie will ihre Mitbewerber aussperren", so Neumann.

Lobend verwies der Experte dagegen auf das Bundesland Schleswig-Holstein, das als Glasfaser-Musterland gelte. Bis 2025 wolle Schleswig-Holstein mindestens 90 Prozent der Haushalte und bis 2030 sogar alle Haushalte mit einem Glasfaseranschluss versorgen. Schleswig-Holstein steht dank eines eigenen Breitband-Kompetenzzentrums, günstigen Finanzierungskonditionen und gezielter Förderung schon heute mit einem Anteil von 23 Prozent schnellen Glasfaseranschlüssen gut da im bundesweiten Vergleich: Der Bundesdurchschnitt liegt nur bei mageren 4,5 Prozent.

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