Vectoring-Entscheidungsentwurf

Brüssel gibt deutsche Vectoring-Pläne unter Auflagen frei

Die EU-Kommission hat den Vectoring-Entscheidungsentwuf der Bundesnetzagentur genehmigt, allerdings mit Auflagen versehen. Die Branchenverbände BREKO, BUGLAS und VATM zeigen sich wegen des Verzichts auf ein "Phase-II-Verfahren" enttäuscht.

EU© jarma / Fotolia.com

Brüssel - Der Ausbau schneller Internet-Verbindungen mit Hilfe der umstrittenen Vectoring-Technologie in Deutschland kann demnächst beginnen. Die EU-Kommission gab am Dienstag grundsätzlich grünes Licht für den nachgebesserten Plan der Bundesnetzagentur. Zugleich mahnte sie in Details weiteres Entgegenkommen der deutschen Behörde an und erwartet ihre Vorschläge dazu nach der Sommerpause. Dabei geht es vor allem um die Bedingungen für Telekom-Wettbewerber.

Wettbewerber: Vectoring entzieht Glasfaserausbau die wirtschaftliche Grundlage

Beim Vectoring können in herkömmlichen Kupferkabel-Leitungen Download-Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde erreicht werden. Die Telekom-Wettbewerber kritisierten, dass damit in den betroffenen Bereichen die wirtschaftliche Grundlage für einen Ausbau deutlich schnellerer Glasfaserleitungen wegfalle.

Zudem ist es technisch aktuell so, dass nur ein Anbieter Vectoring in einem Nahbereich ausbauen kann. Konkurrenten kritisierten, dass nach den ursprünglichen Auswahl-Kriterien die Telekom bessere Chancen hätte, den Zuschlag zu bekommen. Auch die Kommission schätzte, dass an sie 90 Prozent der Nahbereiche gehen könnten. Nach den im Mai eingeforderten Änderungen könnten die Wettbewerber in 30 Prozent mehr Nahbereichen zum Zuge kommen, zeigt sich die Brüsseler Behörde überzeugt. Jetzt will sie unter anderem die Konditionen im Auge behalten, zu denen andere Anbieter in die Vectoring-Netze dürfen.

Der Kommission zufolge bekommen durch Vectoring 1,4 Millionen Haushalte in Deutschland zum ersten Mal Zugang zu Internet-Anschlüssen mit Geschwindigkeiten von mehr als 50 Megabit pro Sekunde.

Reaktionen von Bundesnetzagentur und Telekom

Die Bundesnetzagentur bezeichnete die Entscheidung der Kommission als "wesentlichen Schritt" für den Einsatz von Vectoring im Nahbereich. Zu den Anmerkungen der Kommission hieß es, die Behörde werde sich damit in der endgültigen Entscheidung auseinandersetzen.

Auch die Deutsche Telekom (www.telekom.de/dsl) begrüßte, dass die Kommission auf eine erneute vertiefte Prüfung verzichtete. "Ohne Details zu kennen müssen wir allerdings prüfen, welche Auswirkungen die von der EU-Kommission ins Spiel gebrachte Verknüpfung von Nahbereich-Vectoring mit einem bestimmten Vorleistungsprodukt hat", schränkte ein Sprecher ein.

Branchenverbände bedauern Verzicht auf detailliertes "Phase-II-Verfahren"

In einer gemeinsamen Stellungnahme bedauerten die Branchenverbände BREKO, BUGLAS und VATM die Entscheidung von EU-Kommissar Günther Oettinger, kein so genanntes "Phase-II-Verfahren" einzuleiten, das eine eingehende Prüfung ermöglicht hätte. "Der gewählte Verfahrensweg hat die EU-Kommission in eine schwierige Lage gebracht und erheblich unter Druck gesetzt, so dass letztlich offenbar kein Spielraum mehr für einen Ausweg bestand“, kommentieren BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers, BUGLAS-Geschäftsführer Wolfgang Heer und VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner die Entscheidung aus Brüssel. Ein Fünkchen Hoffnung haben die Wettbewerber aber: "Dennoch setzen wir darauf, dass die durchaus kritischen Kommentare der EU-Kommission doch noch Berücksichtigung im finalen Beschluss der Bundesnetzagentur finden werden." Die deutsche Politik habe nun nach Angaben der Branchenverbände die letzte Chance zum Eingreifen.

Quelle: DPA

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