Türkei

Erdogan lässt Zugang zu Twitter sperren

Die Regierung des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan hat in der Nacht auf Freitag den Kurznachrichtendienst Twitter sperren lassen. Viele Vorwürfe gegen die Regierung wurden über das Online-Netzwerk verbreitet.

Twitter© Twitter

Istanbul/Berlin (dpa/AFP/red) - Die türkische Telekombehörde BTK hat am Freitag die Sperre des Kurznachrichtendienstes Twitter im Land bestätigt. Ein Gericht habe dies verfügt, weil der Dienst Rechte und die Privatsphäre türkischer Staatsbürger verletzt habe, teilte die Aufsichtsbehörde mit. Twitter habe sich geweigert, Entscheidungen türkischer Gerichte zu befolgen. Deswegen müssten weitere Rechtsverstöße verhindert werden.

Twitter "mit der Wurzel ausreißen"

Am Vorabend hatte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan seine Drohungen gegen soziale Medien drastisch verschärft und angekündigt, Twitter "mit der Wurzel" ausreißen zu wollen. Die Regierung von Erdogan hatte den Zugang zu Twitter in der Türkei in der Nacht sperren lassen und dies mit der Weigerung des Unternehmens begründet, von türkischen Gerichten beanstandete Beiträge zu löschen. Hintergrund sind anhaltende Korruptionsvorwürfe gegen Erdogan und seine Regierung. Viele dieser Vorwürfe wurden per Twitter verbreitet. Für Gegner Erdogans sind Online-Netzwerke die wichtigsten Kommunikationsmittel.

Staatschef verurteilt Twitter-Sperre

Der türkische Staatschef Abdullah Gül hat das Verbot des Kurzbotschaftendiensts Twitter in seinem Land verurteilt. Der Präsident setzte sich am Freitag über das in der Nacht erlassene Verbot hinweg und erklärte über seinen Twitter-Account, der Bann sei inakzeptabel. Technisch sei es ohnehin nicht möglich, weltweit tätige Plattformen wie Twitter gänzlich zu verbieten, erklärte Gül. Sollten per Twitter begangene Straftaten vorliegen, könnten nur individuelle Beiträge auf Gerichtsbeschlüsse hin gelöscht werden. Er hoffe, dass das Verbot nicht lange in Kraft bleiben werde.

Wie kann man die Sperre umgehen?

Twitter selbst rät den Nutzern in der Türkei aktuell, ihre Tweets per SMS abzusetzen. Über VPN-Zugänge oder Anonymisierungsdienste wie TOR können Nutzer zudem ihren Standort verbergen. Dadurch ist nicht mehr erkennbar, ob sie sich aus einem bestimmten Land, etwa der Türkei, oder von außerhalb einwählen. Die Sperre greift dann nicht mehr. Man kann aber auch auf einen anderen DNS-Server, etwa von OpenDNS oder Google ausweichen, der nicht manipuliert wurde. Die Nutzer legen damit praktisch zusätzliche Adressbücher an.

Quelle: AFP, DPA

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