EU will automatisch gesetzte Häkchen verbieten
Bei Internetverkäufen soll es künftig untersagt sein, Kunden mit automatisch vor Extraangebote gesetzten Kreuzchen zu ködern. Auch sollen geografische Barrieren abgeschafft werden, mit denen Anbieter verhindern, dass auf die günstigeren Auslandsangebote zugegriffen wird.
Frankfurt am Main/Düsseldorf (AFP/ddp/cm) - Eine entsprechende europäische gesetzliche Regelung kündigte EU-Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe) an. "Niemand soll mehr irgendwelche Abonnements oder Zusatzversicherungen abschließen, nur weil er vergessen hat, ein Kreuz zu löschen", sagte sie. Kuneva kritisierte insbesondere die Praxis, die Buchung von Flügen im Internet mit dem Abschluss von Reiserücktrittsversicherungen zu koppeln. Ihr Vorschlag ist Bestandteil eines Gesetzespakets zu Verbraucherrechten, das die Kommission am 8. Oktober vorlegen soll.
Die Anbieter schotten sich ab
Es sei inakzeptabel, dass den Bürgern die Vorteile des europäischen Binnenmarkts im Internet oft verwehrt blieben, sagte Kuneva dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe). Als Beispiel nannte sie die geografischen Barrieren vieler Internetseiten, mit denen Anbieter verhindern, dass ihre Produkte billiger im Ausland gekauft werden können. Kuneva kündigte an, sie wolle gesetzlich gegen diese Praxis vorgehen.
Den Vorwurf hoher Hürden besonders beim grenzüberschreitenden Internethandel belegte die Kommissarin mit Zahlen aus Deutschland. Danach kaufen heute 40 Prozent der Deutschen online ein; das sind zehn Prozent mehr als noch 2005. Aber nur sechs Prozent erwerben Waren und Dienstleistungen auch von ausländischen Internetseiten, obwohl die gleichen Produkte dort oft billiger sind.
Gesetzentwurf soll nächstes Jahr kommen
Ein Grund dafür ist die Strategie vieler Anbieter, ihre Märkte national abzuschotten. So kann ein Kunde mit einer deutschen Kreditkarte häufig nicht ein für andere Länder wie Großbritannien oder Frankreich bestimmtes Angebot wahrnehmen, weil die Zahlung nicht akzeptiert wird. Statt dessen wird er automatisch auf die deutsche Seite zurückgeleitet.
"Viele Verbraucher ärgern sich über diese Praxis, und das zu Recht", sagte Kuneva. Sie stellte für kommendes Jahr einen Gesetzentwurf in Aussicht, der die territorialen Barrieren im Internet-Handel unterbinden soll.
23.09.2008

