Zehnjahresplan

Facebook: Zuckerberg kündigt Reihe von Innovationen an

Bei Facebook wird es auch in den kommenden Jahren reichlich neue Funktionen geben. Dabei stehen zunächst Pläne für den Messenger im Fokus: Nutzer sollen künftig etwa darüber einkaufen können. Unternehmen könnten sich über Chatbots mit ihren Kunden unterhalten.

Mark Zuckberg FacebookFacebook-Chef Mark Zuckerberg stellte bei der Entwicklerkonferenz F8 Neuheiten vor.© Facebook

San Francisco - Mit einem groß angelegten Zehnjahresplan will Facebook seine Stellung als führende Kommunikationsplattform ausbauen. Facebook führt Innovationen ein, die seine 1,6 Milliarden Nutzer noch länger auf der Plattform des Online-Netzwerks halten sollen. Live-Videos können künftig auch direkt von vernetzten Kameras zum Beispiel auf Drohnen übertragen werden.

Messenger wird für Unternehmen geöffnet

Als erster Schritt soll der Messenger von Facebook für Unternehmen geöffnet werden, damit die User darüber einkaufen und bezahlen können. Facebook gibt Unternehmen die Möglichkeit, mit ihren Kunden über den Kurzmitteilungsdienst Messenger zu chatten. Facebook-Chef Mark Zuckerberg demonstrierte am Dienstag zum Auftakt der Facebook Entwicklerkonferenz F8 in San Francisco, wie man in einem Dialog Blumen bestellen oder Nachrichten von CNN abrufen kann. Wie erwartet startet das Online-Netzwerk dafür eine Plattform, über die Unternehmen sogenannte Chatbots für den Messenger aufsetzen können. So wird Software genannt, die sich mit Menschen unterhalten kann.

Mit dem Messenger einkaufen und bezahlen

Messenger-Chef David Marcus spielte danach im Detail durch, wie man im Messenger zum Beispiel Schuhe kaufen kann. Der Chatbot eines Online-Händlers fragte zunächst nach der Art des Schuhs, dann nach der Preisspanne und danach wurde eine Galerie von Modellen zur Auswahl angezeigt. Auch bezahlt wird, ohne den Messenger zu verlassen. "Sie werden mehr Geld ausgeben als Ihnen lieb ist", scherzte Marcus.

Der Messenger überschritt jüngst die Marke von 900 Millionen Nutzern. Zu Facebook gehört auch der Kurzmitteilungsdienst WhatsApp, der über eine Milliarde Nutzer hat. Über beide zusammen würden pro Tag mehr als 60 Milliarden Nachrichten umgeschlagen, bei der SMS seien es in der Spitze insgesamt nur 20 Milliarden täglich gewesen. Facebook hatte bereits angekündigt, dass die Kurzmitteilungsdienste mit Dienstleistungen für Unternehmen Geld verdienen sollen.

Hardware-Konzept einer 360-Grad-Kamera

Eine weitere Ankündigung war das Konzept einer 360-Grad-Kamera, die zwei Stunden Video in hoher Qualität aufzeichnen kann. Facebook wolle nicht selbst Kamerahersteller werden, sondern werde die Hardware-Pläne für das rund 30 000 Dollar teure Gerät und die nötige Software kostenlos veröffentlichen, sagte Produktchef Chris Cox. Außerdem wird eine Schnittstelle geöffnet, über die auch Geräte wie Drohnen oder Webcams Live-Video auf die Facebook-Plattform übertragen können.

Zuckerberg setzt groß auf 360-Grad-Videos und virtuelle Realität. Er ist überzeugt, dass in einigen Jahren auf diese Weise auch private Videos gedreht und über Facebook geteilt werden. Er kaufte für zwei Milliarden Dollar die Firma Oculus, einen Pionier bei Brillen, mit denen man in virtuelle Welten eintauchen kann. Die erste Brille Oculus Rift wird seit kurzem ausgeliefert, wegen Engpässen bei Bauteilen zeichnen sich aber zum Teil monatelange Verzögerungen ab.

Anmeldung in App per E-Mail-Adresse oder Telefonnummer

Als eine weitere Neuerung bekommen App-Entwickler die Möglichkeit, in ihre Anwendungen eine Anmeldung über Facebook ohne Eingabe eines Passworts einzubauen. Nötig ist lediglich eine E-Mail-Adresse oder eine Telefonnummern, an die ein Code geschickt wird. Facebook experimentiert schon lange mit solchen Funktionen, von denen nicht alle auch angenommen werden. Außerdem gibt es künftig direkt bei Facebook eine Speicherfunktion für Inhalte, die man sich später noch einmal ansehen will - ähnlich wie sie Dienste wie Pocket, Evernote oder Instapaper anbieten.

Zuckerberg will Menschen helfen, Brücken zu errichten

Zuckerberg begann seinen Auftritt mit politischen Botschaften. Er kritisierte Versuche, sich mit Mauern und Zäunen abzugrenzen, die er in verschiedenen Regionen der Welt gesehen habe. "Es erfordert Mut, Hoffnung statt Angst zu wählen", sagte Zuckerberg. "Anstelle Mauern zu bauen, können wir Menschen helfen, Brücken zu errichten." In den USA interpretierten viele die Äußerungen auch als eine Breitseite gegen den umstrittenen Präsidentschafts-Anwärter Donald Trump.

Quelle: DPA

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