Messstation im Auge

Google baut Kontaktlinsen für Diabetiker

Googles geheime Forschungsabteilung Google X hat ihre nächste Erfindung öffentlich gemacht. Es ist eine digitale Kontaktlinse für Diabetiker, die Blutzucker-Werte kontrolliert. Google X soll für den Internet-Konzern die Grenzen des Möglichen austesten.

Google

Mountain View/Berlin (dpa/red) - Die Entwickler aus dem Forschungslabor Google X testen laut einem Blogeintrag Prototypen einer Kontaktlinse, bei der zwischen zwei Schichten ein Sensor sowie ein Miniatur-Funkchip integriert sind. Die Linse messe die Glucose-Werte in der Tränen-Flüssigkeit jede Sekunde.

Linse funkt Daten ans Smartphone

Der Prototyp sei in mehreren klinischen Forschungsstudien erprobt worden. Die Kontaktlinse solle die Daten an eine begleitende Smartphone-App funken. Chip und Sensor seien so winzig wie Glitzer-Partikel und die Antenne dünner als das menschliche Haar. Er werde auch erwogen, für Warnsignale Mikro-LEDs direkt in die Linse zu integrieren, hieß es.

Es sei noch viel Arbeit zu tun bis die Kontaktlinse als fertiges Produkt auf den Markt komme, schränkten die Entwickler ein. Google wolle sich dafür in dem Bereich erfahrene Partner suchen, die Zugang zu der Technologie bekämen.

An dem Projekt arbeitet federführend der Forscher Babak Parviz mit, der schon an den Anfängen der Datenbrille Google Glass stand. Er hatte bereits 2009 demonstriert, wie man Kontaktlinsen mit LEDs versehen kann.

Google X forscht für die Zukunft

Bei Google X forschen Wissenschaftler nach Technologien für die Zukunft. Neben Google Glass stammt aus den Labors zum Beispiel ein Projekt für den Internet-Zugang in abgelegenen Regionen mit Hilfe großer Ballons. Der Konzern engagierte für den Bereich unter anderem die die frühere Chefin der US-Militärforschungsagentur DARPA, Regina Dugan. Google forscht auch seit Jahren an selbstfahrenden Autos und startete im vergangenen Jahr ein groß angelegtes Roboter-Projekt.

Fraunhofer-Institut forscht an ähnlichem Projekt

In Deutschland arbeiten Forscher an einem ähnlichen Projekt. Das Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systemen (IMS) in Duisburg hat zusammen mit einer niederländischen Firma einen winzigen Biosensor für Glukose entwickelt.

"Die Konzentration von Blutzucker ist in der Tränenflüssigkeit etwa 50-mal geringer als im Blut", erläuterte IMS-Geschäftsfeldleiter Tom Zimmermann. Zudem träten Änderungen dort mit sieben Minuten Zeitverzögerung auf. Dennoch funktioniere der Biosensor. Der Patient könne sich ihn selbst ins Auge legen, wo er eine Woche in der Tränenflüssigkeit schwimmen könne.

Der Sensor sende Daten auf ein Gerät "so groß wie ein kleines Handy", das zugleich drahtlos Energie für die Messung liefere, ergänzte Zimmermann. In dem Biosensor wandele ein Enzym den Zucker Glukose unter anderem in Wasserstoffperoxid um. Der Sensor könne dieses messen, und die Daten weiterleiten. Ein Chip von 0,7 mal 10 Millimeter Größe enthalte das gesamte Diagnosesystem. Es gebe jedoch Einschränkungen: Menschen mit sehr trockenen oder gerade tränenden Augen sollten nicht messen.

Wettlauf mit Google

Die Fraunhofer-Forscher arbeiten bei dem Projekt mit der niederländischen Firma Noviosense in Nijmegen zusammen. Das Gerät solle in zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen, möglichst vor dem von Google, sagte Noviosense-Generaldirektor Christopher Wilson. Es gebe bereits erste kleine Versuche mit Menschen. "Wir sind froh über die Konkurrenz, denn dies zeigt, dass die Idee gut ist." Sie sei im Gemeinschaftsprojekt mit Fraunhofer-Institut entstanden.

Quelle: DPA

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