Stellungnahme

Unitymedia macht Kundenrouter automatisch zum Hotspot

Unitymedia richtet auf den WLAN-Routern seiner Internetkunden einen WifiSpot ein. Über dieses öffentliche WLAN-Gastnetzwerk können andere Unitymedia-Kunden im Internet surfen. Umstritten ist allerdings die automatische Einrichtung.

Unitymedia WifiSpots  Logo© Unitymedia GmbH

Köln - Im vergangenen Monat hatte der Kabelnetzbetreiber Unitymedia (www.unitymedia.de) den Start der sogenannten WifiSpots für den Sommer angekündigt. Die WLAN-Router der Unitymedia-Kunden werden in öffentliche WLAN-Hotspots umgewandelt bzw. jeweils um ein Gastnetzwerk ergänzt, das dann auch anderen Internetkunden des Kölner Anbieters in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg kostenlosen Internetzugang per WLAN ermöglichen soll. Bis zum Jahresende will Unitymedia schrittweise rund 1,5 Millionen neue WifiSpots realisiert haben. Doch in dieser Woche kam Kritik an der Vorgehensweise von Unitymedia auf. Verbraucherschützer werfen dem Unternehmen vor, dass die WifiSpots über die WLAN-Router automatisch ohne Zustimmung der Kunden eingerichtet würden. Laut Bericht von golem.de will nun zudem auch die Bundesnetzagentur den Rollout der WLAN-Hotspots prüfen. Wir haben bei Unitymedia nachgehakt. Offenbar kommt der Kabelnetzbetreiber den Kunden in einigen Punkten entgegen.

Widerspruch auch nach Ablauf der Frist von vier Wochen möglich

Aktuell informiert Unitymedia die betroffenen Kunden per Infoschreiben über die Einführung der WifiSpots. Demnach wird der WifiSpot in der Tat automatisch auf dem WLAN-Router des Kunden eingerichtet. Eine gesonderte Zustimmung der Kunden wird nicht eingeholt, Widerspruch kann allerdings innerhalb einer Frist von vier Wochen eingelegt werden - und darüber hinaus. "Wir sind der Auffassung, dass es keiner Zustimmung des Kunden zur Freischaltung des zweiten Wifi-Signals auf unseren Routern bedarf. Dennoch haben wir dem Kunden die Möglichkeit eingeräumt, der Freischaltung einer zweiten SSID auf unserem - dem Kunden zur Verfügung gestellten - Router auch nach Ablauf einer vierwöchigen Widerspruchsfrist noch jederzeit zu widersprechen", erläutert ein Unitymedia-Sprecher gegenüber unserer Redaktion. Konkret bedeutet dies, dass man die WifiSpot-Nutzung des Routers zu einem beliebigen Zeitpunkt auch wieder deaktivieren kann. "Das geht jederzeit telefonisch bei unserem Kundenservice oder im Online-Kundencenter. Möchte ein Kunde seinen WifiSpot später wieder aktivieren, kann er das ebenfalls im Kundencenter", so die Antwort von Unitymedia. So verfährt Vodafone (www.vodafone.de/kabel) mit seinen HomeSpots bereits seit 2013. Die Einstellung zum Hotspot findet sich im Online-Kundencenter von Unitymedia unter "Meine Produkte / Internet / WifiSpot sperren". Laut Unitymedia sei die erneute Aktivierung des WifiSpots frühestens 72 Stunden nach der Deaktivierung möglich.

Die AGB von Unitymedia würden durch die Einführung der WifiSpots nach Unternehmensangaben nicht geändert. "Die Rahmenbedingungen der WifiSpot-Nutzung werden in ergänzenden, Besonderen Geschäftsbedingungen geregelt, die wir den Kunden zugeschickt haben", erklärt der Sprecher des Kölner Kabelnetzbetreibers.

Router darf kurzzeitig ausgeschaltet werden

Im Hinblick auf die Befürchtung, dass Kunden den Router gar nicht mehr vom Strom nehmen dürfen, gibt Unitymedia ein wenig Entwarnung. "Natürlich kann der WLAN-Router ohne weiteres kurzzeitig ausgeschaltet werden. Grundsätzlich ist es im Interesse aller WifiSpot-Nutzer, dass möglichst viele WLAN-Router für den Internetzugang über WifiSpot zur Verfügung stehen. Dieses Interesse wollen wir durch die entsprechenden Klauseln in den BesGB schützen", erläutert der Unternehmenssprecher. Derzeit findet sich dort unter Punkt 6.5 der Passus "Der Kunde hat es zu unterlassen, die Nutzung seines Homespots zu beeinträchtigen oder zu unterbinden." Und in Punkt 6.7 werden die Folgen angegeben, wenn Kunden den WLAN-Zugang länger ausschalten: "Wenn der Kunde die ihm obliegenden Pflichten erheblich und anhaltend verletzt, ist der Anbieter berechtigt, den Zugang des Kunden zu WifiSpot umgehend zu sperren, insbesondere, wenn der Kunde die Nutzung seines Homespots nicht nur kurzfristig, z. B. zum Neustart des Routers, beeinträchtigt oder unterbricht." Unitymedia ist nach der Kritik der vergangenen Tage aber offenbar bewusst geworden, dass diese strikte Regelung Kunden verärgern und von einer Teilnahme am WifiSpot-Projekt abhalten könnte. "Wir haben hier den Community-Gedanken aufgegriffen, aber eine zu scharfe Formulierung gewählt", gibt Unitymedia zu. "Hier werden wir möglicherweise nachsteuern, um weiteren Irritationen vorzubeugen".

Router während des Urlaubs ausschalten? - Zusätzlicher Stromverbrauch durch Gastnetzwerk ist geringfügig

Was bedeutet dies nun etwa während der Urlaubszeit? Muss der Router auch dann aktiv bleiben, wenn man mehrere Wochen verreist ist? "Mit Blick auf den Community-Gedanken (Geben und Nehmen) des WifiSpot-Netzes wäre das zwar wünschenswert. Jedoch gibt es natürlich berechtigte Gründe (z.B. die Sorge vor Überspannungsschäden durch Blitzschlag), seinen Router bei längeren Abwesenheiten auszuschalten", betont Unitymedia. Somit dürfte ein Ausschalten des Routers im Urlaub offenbar möglich sein, wenngleich aus Sicht des Unternehmens nicht unbedingt erwünscht. Hier gilt es aber, die oben genannte eventuelle "Nachsteuerung" in den Besonderen Geschäftsbedingungen abzuwarten. Alternativ sollte es Kunden aber möglich sein, den WifiSpot während des Urlaubs zu deaktivieren und nach der Rückkehr wieder zu aktivieren.

Sorgen vor einem erheblich höheren Stromverbrauch durch die WifiSpot-Nutzung zerstreut Unitymedia: "Das bloße Aussenden einer zweiten SSID verursacht keinen Mehrverbrauch. Der Mehrbedarf an Strom ist geringfügig, er liegt pro Monat im niedrigen Cent-Bereich – wenn denn das WLAN genutzt wird. Es macht also energetisch kaum einen Unterschied, ob nur der Routerbesitzer das WLAN nutzt oder auch noch andere."

Gebuchte Internetbandbreite wird nicht beeinträchtigt

Unitymedia verspricht den Kunden zudem, dass die Internet-Bandbreite durch Bereitstellung des öffentlichen WLAN-Netzes nicht beeinträchtigt werde. "Die für den WifiSpot vorgesehene Bandbreite von 10Mbit/s im Download und 1 MBit/s im Upload wird dem Anschluss als separater Service Flow zugewiesen. Die vom Kunden gebuchte Bandbreite wird dadurch nicht beeinflusst." Negativ auswirken auf die WLAN-Performance könnte sich jedoch ein anderer Aspekt. Insbesondere in Mehrfamilienhäusern mit mehreren Unitymedia-Kunden kann sich die Zahl der WLAN-Netzwerke durch die WifiSpots erheblich erhöhen. Je mehr WLAN-Netzwerke in unmittelbarer Nähe, umso stärker können diese als Störsignale die eigene WLAN-Leistung beeinträchtigen. Zu diesem Punkt werden wir den Anbieter noch einmal nachträglich befragen.

Keine Gefahr für Daten und Heimnetzwerk - Unitymedia übernimmt Störerhaftung

Doch wie steht es um die Sicherheit des Heimnetzwerks des Kunden, wenn andere Unitymedia-Kunden über ein WLAN-Gastnetzwerk auf den Router zugreifen können? "Von der zweiten SSID geht keine Gefahr für Daten und Heimnetzwerk des Kunden aus", betont Unitymedia. Die Daten und das Heimnetzwerk sind technisch von dem Gastnetzwerk getrennt. Ein Kunde, der unterwegs einen WifiSpot eines anderen Unitymedia-Kunden nutzt, müsse jedoch selber für die Sicherheit seines Gerätes sorgen. "Dieser sollte zusätzliche Sicherheits-Vorkehrungen treffen, bevor er sensible Datenkommunikation (etwa Online-Banking) über das WifiSpot-Netzwerk betreibt", so der Rat von Unitymedia an die Kunden. In den besonderen Geschäftsbedingungen für die WifiSpots wird für solche Fälle beispielsweise der Einsatz von VPN-Software empfohlen.

Um die sogenannte Störerhaftung bei missbräuchlicher Nutzung des WLAN-Zugangs müssen sich Unitymedia-Kunden nicht sorgen. "Unitymedia übernimmt die Störerhaftung. Dies ist in den BesGB auch ausdrücklich so niedergelegt (Ziffer 4.3)" stellt das Unternehmen klar.

Nur bestimmte von Unitymedia bereitgestellte Router unterstützen WifiSpots

Werden Kunden trotz des für den ab August 2016 anstehenden Wegfall des Routerzwangs wegen der WifiSpots auf bestimmte von Unitymedia bereitgestellte Router angewiesen sein? "WifiSpots können Stand heute nur auf von Unitymedia gestellten Routern eingerichtet werden. Der Kunde wird aber natürlich nicht eingeschränkt, sich für einen anderen Router zu entscheiden", erklärt der Unitymedia-Sprecher. "Es gibt darüber hinaus keinen Zusammenhang zwischen dem Gesetz und der Einführung unserer 'WifiSpots für Unitymedia-Kunden'. Das entsprechende Projekt startete bereits lange vor Bekanntwerden der Pläne für diese Gesetzesänderung", betont der Sprecher des Kabelnetzbetreibers.

Fazit: WifiSpots sind faires Angebot

Im Vorfeld der Freischaltung eines öffentlichen WLAN-Zugangs auf den WLAN-Routern von Unitymedia-Kunden geäußerte Befürchtungen sind meist unbegründet. Die Störerhaftung wird von Unitymedia übernommen, die Daten und das Heimnetzwerk sind vom öffentlichen WifiSpot zudem strikt getrennt. Kunden können die WifiSpot-Nutzung jederzeit deaktivieren. Möchte der Kunden keinen fremden Zugriff auf ein öffentliches Gastnetzwerk auf seinem Router, muss er dazu allerdings aktiv werden und der Einrichtung widersprechen. Hier kann man durchaus geteilter Meinung sein, ob eine aktive Freischaltung eines WifiSpots seitens des Kunden vielleicht der bessere Weg gewesen wäre statt der automatischen Einrichtung. Durch die automatische Freischaltung einer zweiten SSID auf den WLAN-Routern dürfte Unitymedia die Zahl seiner WLAN-Zugangspunkte aber innerhalb von wenigen Monaten erheblich vergrößern können.

Kosten entstehen Kunden durch die Einrichtung der WifiSpots nicht, diese werden fester Bestandteil der meisten Internettarife des Anbieters. Allerdings kann ein Kunde nur dann WifiSpots anderer Kunden nutzen, wenn er auch selbst seinen Router als WifiSpot zur Verfügung stellt. Unitymedia bezeichnet dies als Geben und Nehmen - das Prinzip hat sich auch bei anderen Anbietern bewährt. In Städten dürfte sich dadurch ein relativ dichtes WifiSpot-Netz ergeben. Wer direkt an einem viel besuchten Platz im Zentrum wohnt, wird häufiger Besuch auf seinem Router bekommen als etwa Kunden in ländlichen Regionen, wo die Verfügbarkeit solcher HotSpots erheblich lückenhafter sein dürfte. Zumal die Reichweite der Router ohnehin eingeschränkt ist und in der Regel je nach verwendetem Modell bei rund 100 Metern liegt. Letztlich sollte jeder Kunde selbst entscheiden, ob er seinen WLAN-Router anderen Kunden zur Verfügung stellt und bei Bedarf unterwegs auf die WifiSpots zugreifen möchte.

Vor- und Nachteile der WifiSpots von Unitymedia
Pro Contra
  • Kostenloser WLAN-Zugriff auf rund 1,5 Millionen WifiSpots
  • Unterwegs ohne Datenlimit mit bis zu 10 Mbit/s surfen
  • WifiSpot lässt sich jederzeit deaktivieren
  • Gebuchte Internetbandbreite wird nicht beeinträchtigt
  • Unitymedia übernimmt die Störerhaftung
  • Daten und Heimnetzwerk sind geschützt
  • automatische Freischaltung eines öffentlichen Gastnetzwerks
  • Kunde muss für Widerspruch aktiv werden
  • nur bestimmte Unitymedia-Router unterstützen WifiSpots
  • Routerbetrieb darf nur kurzzeitig unterbrochen werden
  • geringfügig höherer Stromverbrauch
Günstige Internet-Tarife finden
Top