Opt-in in der Kritik

Unitymedia verteidigt automatische Einrichtung von Hotspots

Unitymedia hat das Verfahren bei der Einrichtung von Hotspots an Kundenroutern verteidigt. Diese müssen aktiv widersprechen, wenn sie nicht am WiFiSpot-Netz mitwirken wollen. Jedoch will Unitymedia die Geschäftsbedingungen für die Hotspots anpassen.

Unitymedia WifiSpots  Logo© Unitymedia GmbH

Köln – Der Kölner Kabelnetzbetreiber Unitymedia (www.unitymedia.de) will ab dem Sommer ein großes WLAN-Netz mit rund 1,5 Millionen Hotspots aufbauen. Zu diesem Zweck sollen die WLAN-Router der Internetkunden in für andere Unitymedia-Kunden zugängliche WifiSpots umgewandelt werden. Auf dem Router der Kunden wird ein zweites, separates WLAN-Gastnetzwerk errichtet. Unitymedia hatte die Kunden allerdings über diesen Schritt lediglich informiert, ohne eine Zustimmung einzuholen. Die WifiSpot-Einrichtung geschehe automatisch durch Aufspielung eines Software-Updates auf den Router. Die Verbraucherzentrale NRW hatte Unitymedia daher wegen dieses Vorgehens und bestimmter Formulierungen in den "Besonderen Geschäftsbedingungen WifiSpot" abgemahnt, der Kabelnetzbetreiber hat inzwischen eine Unterlassungserklärung unterschrieben und zeigt sich bereit, auf die geäußerte Kritik einzugehen. In einem Interview mit der "c't" nahm Dieter Vorbeck, CTO bei Unitymedia, ausführlich Stellung zu den Vorwürfen und den geplanten Änderungen.

Vorbeck: Haben missverständliche Formulierungen benutzt

Vorbeck gibt zu, "dass wir bei der Einführung der "WifiSpots für Unitymedia-Kunden" nicht alles richtig gemacht haben" und einige Kunden verunsichert seien. "Offenbar ist es uns nicht gelungen, unsere Absichten und Ziele des Projekts zu vermitteln", so Vorbeck. In den "Besonderen Geschäftsbedingungen WifiSpot" seien Formulierungen benutzt worden, "die missverständlich und nie so negativ gemeint waren, wie sie jetzt in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden." Man sei hier über das Ziel hinausgeschossen.

Nachbesserungen bei kritisierten WifiSpot-Geschäftsbedingungen - Routerabschaltung im Urlaub erlaubt

Nicht deutlich genug kommuniziert worden sei auch das jederzeit mögliche Widerspruchsrecht der Kunden. In der Unterlassungserklärung gegenüber der Verbraucherzentrale NRW, die Unitymedia am 20. Mai abgegeben habe, verpflichtet sich der Kabelnetzbetreiber, sich nicht mehr auf die "Besonderen Geschäftsbedingungen WifiSpot" in der an die Bestandskunden per Anschreiben übermittelten Form zu berufen. Stattdessen sollen die kritisierten Punkte in den WifiSpot-Geschäftsbedingungen überarbeitet werden. Wichtiger Punkt hierbei: "In den angepassten Regelungen werden wir insbesondere klarstellen, dass nur eine dauerhafte Beeinträchtigung oder Unterbrechung des HomeSpots bewirkt, dass der Kunde dann seinerseits andere WifiSpots nicht nutzen kann. Ein vorübergehendes Abschalten des Routers, etwa während des Urlaubs, ist für den Kunden natürlich jederzeit möglich", betont der Unitymedia-CTO.

Kunden haben jederzeitiges Widerspruchsrecht

Das Ziel von Unitymedia sei es gewesen, mit den WifiSpots für Kunden des Kabelnetzbetreibers "etwas Positives zu tun" und ein großes WLAN-Netz aufbauen. "Will der Kunde nicht teilnehmen, muss er das natürlich nicht", so Vorbeck. Zeitlich unbegrenzt können sich Kunden gegen die Freischaltung des WifiSpots entscheiden. Es genüge ein Anruf bei der Hotline oder eine Deaktivierung über das Online-Kundencenter. Allerdings weist Vorbeck darauf hin, dass Unitymedia daran festhalten werde, die WifiSpots ab dem Sommer automatisch auf den Routern der Kunden einzurichten. Dadurch könnten die Kunden erleben, "welchen Nutzen sie gleichzeitig stiften und selbst bekommen".

Nach Ansicht Vorbecks würde dies mit einem Opt-in-System kaum funktionieren, wenn der einzelne Nutzer also aktiv den WifiSpot aktivieren müsste. "Wir sind uns bewusst, dass das von uns gewählte Opt-out-Verfahren in Deutschland im Allgemeinen kritisch beäugt werde", erläutert der Unitymedia-Manager. Bereits 2013 hätte aber Kabel Deutschland auf den Routern seiner Kunden analog zum Vorgehen von Unitymedia ein zweites WLAN-Signal aufgeschaltet.

Unitymedia: Kunden entstehen durch WifiSpots keine Nachteile

Unitymedia betont zudem, dass dem Kunden durch den WifiSpot keine Nachteile entstehen. Das zusätzliche WLAN-Signal auf dem Router sei technisch durch einen SoftGRE-Tunnel vom privaten Netzwerk des Kunden getrennt. Es gebe auch keine relevanten Steigerungen beim Stromverbrauch oder bei der Stärke der WLAN-Abstrahlung. "Erst wenn über das WifiSpot-Netz ein Datentransfer stattfindet, fließt Strom. Grundsätzlich ist die maximale Sendeleistung des Routers reguliert und verändert sich durch Ausstrahlung weiterer WLAN-Signale nicht", erklärt Vorbeck.

Separate Bandbreite für WifiSpot - Unitymedia übernimmt Haftung bei Missbrauch

Die vertraglich gebuchten Leistungen seien für den Kunden weiter verfügbar, der WifiSpot gehe nicht zulasten der Bandbreite seines Tarifs. Für die öffentliche WifiSpot-Nutzung stellt Unitymedia separate Bandbreite zur Verfügung. Bei missbräuchlicher Nutzung des WifiSpots übernehme zudem Unitymedia die Haftung. "Sein Vertragsverhältnis und seine vertraglich vereinbarte Leistung wird also nicht beeinträchtigt und bleibt unberührt. Deshalb ist aus unserer Sicht die rein faktische Freischaltung ohne ausdrückliche Zustimmung unserer Kunden rechtlich möglich", erläutert Vorbeck.

Bislang offenbar nur geringe Zahl von Widersprüchen eingegangen

Unitymedia-Kunden, die einer Einrichtung eines WifiSpots auf ihrem von Unitymedia bereitgestellten WLAN-Router nicht widersprechen, würden von Vorteilen profitieren. An öffentlichen Unitymedia-Hotspots etwa in Unitymedia-Shops, Cafés etc. könnten sie mit bis zu 150 Mbit/s ohne Begrenzung des Datenvolumens surfen. An den WifiSpots lässt sich mit bis zu 10 Mbit/s drahtlos in Internet gehen. Gegenüber unserer Redaktion wies ein Unitymedia-Sprecher darauf hin, dass die Zahl der gleichzeitigen Nutzer eines WifiSpots auf fünf begrenzt ist. Auch in dicht besiedelten Gebieten dürfte es somit nicht zu einem Massenansturm auf den Router eines Kunden kommen. Ein weiterer Vorteil sei die automatische Anmeldung an einem WifiSpot, wenn Kunden sich einmal registriert haben. Vorbeck zeigt sich optimistisch, dass Kunden sich von den Vorteilen überzeugen lassen. "Das zeigt auch die geringe Zahl der bisher eingegangen Widersprüche – trotz der öffentlichen Kritik", so der Unitymedia-CTO.

Keine WifiSpot-Nutzung auf nicht Unitymedia-eigenen Routern ab 1. August

Und was geschieht ab dem 1. August, wenn Internetkunden ihren Router frei wählen können? "Auf den uns nicht gehörenden Geräten werden wir dann natürlich keinen WifiSpot einrichten – das ist allein schon technisch nicht möglich", erläutert Vorbeck. Es würden ohnehin nur Router nutzbar sein, die den ab dem 1. August geltenden Schnittstellenbeschreibungen von Unitymedia entsprechen. Noch sei nicht geklärt, wie man diesen Kunden eine Teilnahme an den WifiSpots ermöglichen werde.

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