Kompromiss

Vectoring: Netzagentur will für die Telekom entscheiden

Die Netzagentur will der Telekom den Einsatz von Vectoring im Nahbereich erlauben - Wettbewerber könnten damit unter bestimmten Bedingungen vom Zugang zur letzten Meile ausgeschlossen werden. Betroffene können sich nun zum Entscheidungsentwurf äußern.

Bundesnetzagentur Die Bundesnetzagentur hat den mit Spannung erwarteten Entscheidungsentwurf zum Vectoring-Antrag der Deutschen Telekom vorgelegt.© Bundesnetzagentur

Bonn - Die Bundesnetzagentur will der Deutschen Telekom (www.telekom.de/dsl) den umstrittenen Einsatz der Vectoring-Technik im sogenannten Nahbereich erlauben. Laut einem Entscheidungsentwurf soll es dem ehemaligen Staatsmonopolisten damit möglich werden, Wettbewerber unter bestimmten Bedingungen vom Zugang zur sogenannten letzten Meile der Anschlussleitung auszuschließen, wie die Regulierungsbehörde am Montag in Bonn mitteilte. Konkret handelt es sich um den Nahbereich im Umfeld von Hauptverteilern, in dem die Telekom ihr Netz mit der schnelleren Vectoring-Technik aufrüsten will.

Bundesnetzagentur: "Fairer Kompromiss"

In einem Konsultationsverfahren können sich Betroffene noch zu dem Entwurf äußern. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, bezeichnete den Entwurf angesichts der Kritik von Wettbewerbern als "fairen Kompromiss". "Inhaltlich geht es uns darum, dass der Breitbandausbau vorangetrieben wird", sagte er laut Mitteilung. Auch künftig solle zudem ein chancengleicher Wettbewerb zum Nutzen der Verbraucher sichergestellt bleiben. Alle Unternehmen sollten faire und verlässliche Rahmenbedingungen für ihre Investitionen vorfinden. Das Vorhaben der Telekom hatte für heftige Kritik von Konkurrenten gesorgt.

Wettbewerber der Telekom können auch künftig weiter Zugang zur "letzten Meile" im Nahbereich erhalten, wenn sie sich dort bisher stärker als die Telekom bei der Erschließung von Schaltkästen mit DSL engagiert haben. Bei von der Telekom betriebenen Netzbereichen wären sie aber auf ein Vorleistungsprodukt des Bonner Dax-Konzerns angewiesen.

Telekom will bis 2018 rund sechs Millionen Haushalte ausbauen

Mit der Vectoring-Technik sind auf den Kupferleitungen der Telekom durch eine Kanalbündelung schnellere Datenübertragungsgeschwindigkeiten als bei DSL und VDSL möglich. Eine technische Voraussetzung dafür ist jedoch, dass nur ein Anbieter die entsprechenden Leitungen betreibt. Die Telekom hatte für die Genehmigung ihres Antrags mit einer Ausbauverpflichtung von weiteren rund sechs Millionen Haushalten bis 2018 geworben. Telekom-Chef Tim Höttges will dafür eine Milliarde Euro zusätzlich investieren. Im August 2013 hatte die Bundesnetzagentur bereits grünes Licht für den Vectoring-Einsatz der Telekom an Kabelverzweigern außerhalb des Nahbereichs gegeben.

Die Technik ist auch im Hinblick auf den durch die Bundesregierung beschlossenen Breitbandausbau umstritten - Kritiker und Wettbewerber der Telekom sehen in der Glasfaser die Zukunft des Breitbandanschlusses in Deutschland. Diese macht noch deutliche schnellere Datenübertragungen möglich als Vectoring, allerdings ist ihr flächendeckender Ausbau teuer. Vectoring gilt als Übergangstechnik, mit der die Ausbauziele der Bundesregierung schneller und günstiger zu erreichen sind. Diese sehen flächendeckende Internetgeschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) bis 2018 vor.

Quelle: DPA

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