szmtag
LTE vor dem Start

Der Abschied von der Telefondose in der Wand

Im April werden neue Mobilfunk-Frequenzen versteigert, und so langsam könnte der Abschied von der herkömmlichen Telefondose, sprich, dem Festnetz, tatsächlich drohen. Denn die neue Technik gilt nicht nur als schneller, sondern auch als zuverlässiger im Vergleich zu ihren Vorgängern.

Telefon© M.Jenkins / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Es herrschte eine wahre Goldgräberstimmung im Sommer 2000, als die UMTS-Frequenzen für schnelles Internet über Mobilfunk versteigert wurden. Doch schnell folgte die Ernüchterung: Es dauerte Jahre, ehe die ersten UMTS-Netze den Betrieb aufnahmen - und die Geschwindigkeit war lange nicht so hoch wie die Erwartungen. Im April steht eine neue Auktion an: Die Frequenzen für das Mobilfunknetz der vierten Generation (4G) werden vergeben. Wie das die Kommunikation revolutionieren soll, wollen die Mobilfunkfirmen auf ihrer Branchenschau Mobile World Congress in Barcelona demonstrieren.

Der Rummel um die UMTS-Frequenzen zahlte sich damals vor allem für die Bundesregierung aus: Sie nahm bei der Versteigerung rund 100 Milliarden D-Mark ein. Das dürfte diesmal anders sein, die Mobilfunker gehen die Sache deutlich nüchterner an. Dafür besteht aber eine sehr viel größere Chance, dass die neue Technik nach der Versteigerung zügig zum Einsatz kommt.

Schnelle Datenübertragung

Zu vergeben ist bei der Auktion im April die sogenannte digitale Dividende: Nachdem das Antennenfernsehen in Deutschland in den vergangenen Jahren auf Digitaltechnik umgestellt wurde - das sogenannte DVB-T - brauchen die Fernsehsignale nur noch ein Viertel des bisherigen Platzes in der Luft. Die restlichen drei Viertel werden jetzt neu vergeben. Unterkommen in der Lücke sollen die 4G-Netze.

Die Long Term Evolution (LTE), also langfristige Entwicklung genannte Technik stellt einen wirklich neuen Schritt dar, denn erstmals steht beim Mobilfunk nicht mehr das Telefonieren im Mittelpunkt. Ausgerichtet ist die Technik für die Datenübertragung - die bis zu 100 Mal so schnell sein soll wie bisherige DSL-Internetanschlüsse. Auch das Telefonieren läuft dann über das Internet, es wird keine Sprache mehr übertragen, sondern Datenpakete.

Die Vorteile der neuen Technik

Die neuen Frequenzen aus der digitalen Dividende haben für Verbraucher und Unternehmen große Vorteile: Mit einem Sendemast lassen sich deutlich größere Bereiche abdecken. Das macht den Netzaufbau billiger, und ländliche Gebiete können einfacher und besser mit schnellem Internet versorgt werden. Das strebt auch die Bundesregierung an: Der Veranstalter der Auktion, die Bundesnetzagentur, schreibt den Gewinnern der Auktion vor, als erstes die weißen Flecken in Deutschland zu berücksichtigen - also die Orte zu versorgen, die bislang überhaupt keinen schnellen Zugang zum Internet haben.

Doch auch in den großen Städten und Ballungsräumen dürfte die neue Mobilfunk-Generation nicht lange auf sich warten lassen. Denn ohne einen Ausbau der Netze dort dürfte sich die Investition für die Mobilfunker nicht lohnen. Mit diesem Schritt könnte LTE den Telekommunikations- und Internetmarkt dann revolutionieren: "Mit LTE werden Mobilfunknetzwerke eine echte Alternative zu DSL oder Kabelanschluss", sagt Herbert Merz, Mitglied im Hauptvorstand des Branchenverbandes Bitkom.

Für zu Hause und für unterwegs

Dazu dürfte beitragen, dass die neue Technik nicht nur als schnell, sondern auch als deutlich stabiler als bisherige Handynetze gilt. Und da Beobachter mit einem Preiskampf um die Kunden rechnen, dürfte sich für diese bald die Frage stellen, ob die Kosten für den Anschluss in der Wand sich zusätzlich zum Handyanschluss wirklich noch lohnen. Der Unterschied in der Kommunikation zwischen zu Hause und unterwegs dürfte dann endgültig aufgehoben sein.

Damit stellt sich nur noch die Frage, wie schnell es LTE geben wird. Die Chancen für einen schnellen Start stehen aber gut. In Stockholm und Oslo gibt es erste LTE-Testnetze, auch in Innsbruck probierte T-Mobile die Technik schon aus. Und auch an der Hardware sollte es nicht scheitern: LTE-Surfsticks für die Internetanbindung von Computern gibt es schon heute, und Ende des Jahres seien die auch zu vernünftigen Preisen zu haben, sagt Merz voraus. Dann soll LTE auch in Deutschland starten.

Diese News empfehlen
Das könnte Sie auch interessieren