Timeline-Pflicht

Den Facebook-Account für die "Chronik" fit machen

Die Timeline, auf deutsch Chronik, listet den gesamten digitalen Lebenslauf eines Facebook-Nutzers und wird jetzt für alle Pflicht. Daher sollten User bereits jetzt ihren Account prüfen und eventuell von Altlasten befreien, denn diese tauchen sonst in der Chronik wieder auf. Wie man am besten vorgeht, erfahren Sie hier.

Internetnutzung© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Die Verpflichtung aller Nutzer zum "digitalen Lebenslauf", der sogenannten Chronik, ist in Deutschland umstritten. Nach Ansicht des Sprechers von Verbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner (CSU) ist das Ganze "ein weiterer Schritt zum gläsernen Nutzer". Facebook will bald alle Nutzerseiten auf die Facebook-Chronik umstellen. Sie soll sämtliche Eintragungen der Nutzer chronologisch auflisten. Dadurch werden ältere Inhalte für andere leichter auffindbar, vor allem solche, die man als Nutzer oft selbst längst vergessen hatte.

Ist die Facebook Chronik das Ende der Privatheit?

Aus Sicht von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der bereits "das Ende der Privatheit" ausgerufen hat, ist die Einführung der Chronik nur konsequent. Die Facebook-User werden den neuen Dienst wohl weitgehend widerspruchslos akzeptieren. Seinen Account sollte man aber auf alle Fälle überprüfen, bevor die Chronik startet und gegebenenfalls mit ein paar einfachen Handgriffen auf Vordermann bringen, indem man beispielsweise alte Bilder oder Einträge löscht. Die Stiftung Warentest hat hierfür ein paar Tipps für Verbraucher zusammengestellt, anhand derer man sein Facebook-Konto "chroniksicher" machen kann:

Für die Umstellung des Profils unbedingt Zeit einplanen

Wichtig ist, dass man sich für die Anpassung seines Profils ausreichend Zeit nimmt, denn nachdem man die Chronik aktiviert hat, hat man insgesamt nur 7 Tage, bis diese im Netz sichtbar ist. Wer das Gefühl hat, sein Profil vor der Umstellung nicht mehr mit der ausreichenden Zeit bearbeiten zu können, sollte seinen Zugang vorübergehend besser deaktivieren und die Umstellung zu einem späteren Zeitpunkt in aller Ruhe vornehmen. Alternativ kann man das Profil auch ganz löschen und so einen kompletten Facebook-Neustart wagen. Das ist vor allem ratsam, wenn man es sich nicht zutraut oder weder Zeit noch Muße hat, seinen alten Account für die Umstellung fit zu machen. Sein Profil kann man bei Facebook unter: www.facebook.com/help/contact.php?show_form=delete_account löschen.

Aufpassen, wen man als Freund akzeptiert

Wer sein Profil auf die Chronik umstellt, sollte dabei immer im Kopf haben, dass beim großen sozialen Netzwerk alle Daten gesammelt werden, denn das Unternehmen verdient sein Geld unter anderem damit, den Nutzern Werbung zu präsentieren, die auf ihre persönlichen Bedürfnisse und Vorlieben zugeschnitten ist.

Vorsicht sollte man vor allem bei Bildern walten lassen, die man hochgeladen hat oder noch hochlädt, denn gerade hier kann schnell die ein oder andere Peinlichkeit ins Netz gelangen, die man dann nur schwer wieder gelöscht bekommt. Wer Facebook demnächst mit der Chronik nutzt, sollte sich noch genauer als bisher überlegen, wen er seinem Profil als Freund hinzufügt. Das gilt insbesondere auch im Bezug auf Arbeitskollegen, den Chef oder flüchtige Bekannte, denn Daten aus dem eigenen Profil können auch von Facebook-Freunden weitergegeben werden und sind dann nicht mehr zurückzurufen.

Rundgang hilft beim Erstellen der Chronik

Wer die Chronik jetzt installieren will, kann das Ganze über einen Button auf der Facebook-Seite tun. Hat man den Button einmal gedrückt, bleiben noch maximal sieben Tage, bis das eigene Profil auf die neue Ansicht umgestellt wird. Wer auf "jetzt veröffentlichen" klickt, ändert die Ansicht schon früher. Über die Funktion "Rundgang beginnen" kann man sich in die Chronik einführen lassen. Der Rundgang dient auch dazu, Nutzer durch alle wichtigen Einrichtungsschritte des neuen Profils zu führen und diese Schritte auch zu erklären. Hat man alle Punkte durchgearbeitet, sollte man sich die Daten noch mal in Ruhe ansehen, denn auch lange zurückliegende Einträge sind in der Chronik jetzt von anderen Nutzern leicht einsehbar.

Bilder im Vorfeld sorgfältig prüfen

Wer seinen digitalen Lebenslauf mit der Chronik gestaltet, hat zunächst einmal die Möglichkeit, ein Großbild, das quasi als Präsentationsrahmen für die eigene Chronik dient, auszuwählen. Hier kann man entweder ein neues Bild einfügen oder ein Bild, das man bereits bei Facebook eingestellt hat, auswählen. Was man besser nicht machen sollte, ist ein fremdes Bild aus dem Internet herunterzuladen, denn das kann leicht zu Ärger wegen einer Verletzung des Urheberrechts führen.

Bei allen Bildern, die man einstellt, sollte man daran denken, dass Facebook die Benutzerfotos auswertet und biometrische Daten, die eine Gesichtserkennung ermöglichen, abspeichert. Anhand biometrischer Daten kann man Personen, beispielsweise mit Überwachungskameras, automatisch identifizieren. Zwar versichern die Verantwortlichen des sozialen Netzwerkes, dass sie die Daten nur nutzen würden, um ihren Usern die Bedienung zu erleichtern, doch ob die Daten wirklich auf Dauer vor dem Zugriff, beispielsweise durch Behörden, sicher sind, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Daher sollte man auf biometrisch verwertbare Bilder möglichst verzichten.

Alte Beiträge einfach löschen

Wer seinen Account aufräumen will, kann alles, sprich Meldungen, Beiträge und Ähnliches, mit einem Klick entfernen. Dazu muss man bei den Beiträgen nur auf die Schaltstelle rechts oben gehen. Alles, was einem inzwischen unangenehm ist oder was man aus anderen Gründen nicht mehr in seinem Profil haben möchte, lässt sich so entfernen. Anderen Aktionen, wie beispielsweise Klicks auf "Gefällt-Mir-Buttons" oder Aktivitätsprotokolle können in der Chronik unsichtbar gemacht werden. Auf der anderen Seite hat man aber auch die Möglichkeit, solche Aktionen besonders hervorzuheben. Mit der Chronik führt Facebook auch eine neue Funktion ein: "Lebensereignisse" nennt sich das Tool. Hier können Nutzer Begebenheiten und Ereignisse, die in ihrem Leben eine besondere Bedeutung haben oder hatten, entsprechend prominent darstellen.

Wie man verhindert, dass Facebook überall hin folgt

Eine weitere Möglichkeit, im Rahmen der Umstellung auf die Chronik auf Nummer sicher zu gehen, findet sich in den Form Privatsphäre-Einstellungen. Mit einem Klick lässt sich so die Sichtbarkeit für alle alten Beiträge einschränken. Einzelne Beiträge können später auch wieder sichtbar gemacht werden, allerdings nicht alle auf einmal. Wer Facebook nutzt, sollte sich ständig der lockeren Auffassung des Konzerns zum Thema Datenschutz bewusst sein.

Auf Facebook werden im Prinzip alle Aktivitäten des jeweiligen Nutzers gespeichert. Zudem registrieren die Server des Unternehmens jeden Besuch auf Seiten, die einen "Gefällt-Mir-Button" anbieten - auch wenn man diesen gar nicht anklickt. Um eine solche dauerhafte Registrierung zu vermeiden, muss man sich entweder förmlich vom Netzwerk abmelden oder man nimmt bestimmte Einstellungen im jeweiligen Browser vor, die verhindern, dass Cookies von Drittanbietern zugelassen werden.

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