Datensammelwut

Was passiert mit meinen Daten im Internet?

Jeder, der sich im Internet bewegt, hinterlässt Spuren – und persönliche Daten und Nutzerprofile sind gefragt. Sie werden von den verschiedensten Unternehmen fürs Marketing und andere Zwecke genutzt. Was passiert mit meinen Daten und woher kommt die Datensammelwut?

Tablet© goodluz / Fotolia.com

Ein Geburtstag steht an und man hat seine Geschenke online gekauft. Am nächsten Abend schaut man dem baldigen Geburtstagskind am PC über die Schulter und sieht am Rand jeder besuchten Website die Werbung für das zuvor gekaufte Geschenk. Dumm, wenn der Beschenkte dies bemerkt und einen Verdacht fasst.

Was ist passiert? Man hat beim Shoppen im Internet diverse Verkaufsportale besucht, die sich allesamt gemerkt haben, was man sich angesehen hat. Nun wird gezielt auf den Nutzer zugeschnittene Werbung geschaltet.

Amazon weiß, was du kaufen willst

Wie weit das gehen kann, demonstriert zum Beispiel Amazon immer wieder: Da alle auf dem Markt etablierten Methoden des maschinellen Lernens nicht ausreichten, baute der Internetriese einfach ein eigenes System, das gewaltige Datenmengen verarbeiten kann, aber trotzdem schon nach wenigen Klicks weiß, was Sie als nächstes kaufen. Das reicht dem Onlinehändler aber noch nicht. Eine der Zukunftsvisionen, die man bei Amazon entwickelt hat, ist, Lieferungen auf den Weg zu schicken, bevor der Kunde überhaupt weiß, dass er etwas kaufen will.

An diesem Beispiel lässt sich aber auch sehr schön ablesen, warum Unternehmen auf der ganzen Welt massiv Daten sammeln und auswerten. Wer heute nicht den Kunden jeden Wunsch von den Augen abliest, der hat im harten Online-Wettbewerb schon verloren.

Woher kommen die Daten?

Die Eckdaten liefern dabei so gut wie alle Kunden freiwillig. Bei einer Bestellung im Internet registriert man sich mit Namen, Adresse und im Zweifel sogar Kontodaten. In sozialen Netzwerken breitet man das eigene Leben aus und persönliche Daten liegen wie selbstverständlich in der Cloud. Oftmals fällt es sogar Laien leicht, Daten über ihre Mitmenschen zu finden, die diese lieber geheimgehalten hätten. Von dem, was Ihr Chef über Sie erfährt, ganz zu schweigen.

DatensicherheitSich anonym im Netz zu bewegen ist schwer.© DX / Fotolia.com

Sieht man von diesen offensichtlichen Datenquellen ab, muss man aber trotzdem eines festhalten: Es ist nahezu unmöglich, sich anonym im Internet zu bewegen. Wer schon einmal eine eigene Website gebastelt hat, kennt vielleicht die Statistiken, die Google Analytics generieren kann. Mithilfe von Cookies merkt sich der Dienst nicht nur, wie oft ein Nutzer die Seite besucht hat, sondern auch wie lange man dort war und sogar, welche Sprache der eigene Browser spricht oder ob man mit dem Handy oder Tablet online war. Dabei werden die Daten anonymisiert – eine Praxis, die zum Beispiel beim Datenhandel oft vernachlässigt wird.

Wege in die Anonymität: Was kann man tun?

Wer bewusster mit seinen Daten umgeht, hat vielleicht Browser-Plugins installiert, die Cookies blocken, oder nutzt eine anonyme Suchmaschine. Das solche Vorkehrungen helfen, lässt sich nicht leugnen. Dennoch findet der durchschnittliche Internetnutzer auch so keine Anonymität, den meist lässt sich über Browser-Fingerprints (sprich: digitale Fingerabdrücke) sehr einfach herausfinden, zu wem ein Browser gehört. Das Zusammenpuzzlen eigentlich anonymer Profile ist danach bloß Fleißarbeit seitens der Webseitenbetreiber.

An dieser Stelle hat man als Nutzer noch eine weitere Möglichkeit, aufzurüsten: Dienste wie das TOR-Netzwerk, mit dessen Hilfe man sich anonym im sogenannten Darknet bewegen kann, wurden ursprünglich für Enthüllungsjournalisten und unterdrückte Minderheiten gebaut, Gruppen also, deren Leben bei Entdeckung akut in Gefahr ist. Nutzt man solche Werkzeuge, kann man als Privatanwender wirklich anonym bleiben, oder? Hoffentlich. Denn inzwischen analysieren große Firmen sogar die Art, wie man sich im Internet bewegt. Wie wandert die Maus, zögert man vor dem Klicken, welchen Links folgt man? Auch mit solchen Informationen lassen sich Profile von Nutzern erstellen.

Das Problem: Immer mehr Daten!

Nebenbei sollte man nicht vergessen, dass nicht nur der PC und das Smartphone sich im Internet aufhalten. Smartwatches sind immer mehr im Trend, sodass die eigene Position jederzeit getrackt werden kann. Intelligente Systeme im Haushalt kommunizieren immer häufiger mit dem Internet. Gleichzeitig werden unsere Straßen vernetzt, sodass die Internetanbindung im Auto heute keine Seltenheit mehr ist. Folglich finden unsere Daten immer neue Wege, auf Wanderschaft zu gehen.

Komfort vs. Sicherheit

So sehr man auch über die Datensammelwut der Unternehmen besorgt ist, kann man trotzdem nicht leugnen, dass ein Großteil des Komforts, der mit dem Internet einhergeht, durch diese Daten erst möglich gemacht wird. Innovation und Nutzerfreundlichkeit sind direkte Konsequenzen aus dem heutigen Wettbewerbsdruck, angefeuert durch tiefgehende Analysen von Big Data. Beschließt man also, dass es okay ist, wenn das ein oder andere Unternehmen die eigenen Daten verwaltet, kommt ein zweites großes Thema auf den Tisch: Datenschutz.

DatenklauJe mehr Daten im Netz unterwegs sind, desto wichtiger wird das Thema Datenschutz.© seen / Fotolia.com

Ein einprägsames Beispiel bezüglich Datensicherheit sind die "Yahoo Hacks": In den Jahren 2013 und 2014 wurden bei Yahoo insgesamt eineinhalb Milliarden Nutzeraccounts entwendet, inklusive E-Mails, Geburtsdaten und allem, was man sonst noch angibt. Neben dem Absichern des eigenen Rechners gegen Viren und andere Übeltäter muss man sich also immer fragen, wie sehr man Anbietern vertraut, die eigenen Daten auch zu verteidigen.

Auch der Staat zeigt Interesse

Bisher ging es hauptsächlich um Unternehmen, aber natürlich haben auch Staaten an persönlichen Daten Interesse, wie zum Beispiel die Diskussion zur Vorratsdatenspeicherung in Deutschland oder die NSA-Affäre zeigen. Die Idee, Big Data zu nutzen, um beispielsweise Verbrechen zu verhindern, ist an sich nobel, jedoch hat auch das eine Kehrseite. Ihren Bürgern weniger gut gesinnte Staaten könnten mit diesen Daten genauso gut Freidenker unterdrücken oder Regimes ihre Macht festigen. Aus diesen Gründen sind Datenschutz und Datenspeicherung auch Themen von politischem Interesse.

Internet nicht ohne Datensammler

Eine Antwort, auf die Frage, was mit Ihren Daten passiert, könnte sein: "Das wollen Sie gar nicht wissen..." Den Kopf in den Sand zu stecken nutzt in diesem Fall aber keinem etwas. Stattdessen kann man versuchen, wieder etwas Kontrolle über die eigenen Daten zum bekommen, sie nur dorthin zu geben, wo Missbrauch unwahrscheinlich ist. Am Ende geht es dabei auch darum, wie wir uns die digitale Gesellschaft der Zukunft vorstellen und wünschen.

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