Handy-Discounter: Mobiles Internet zweiter Klasse
Wer billig fliegt, muss mit wenig Beinfreiheit leben - wer billig mobil surft, bisweilen mit niedrigen Surf-Geschwindigkeiten. Die Handy Discounter drücken beim mobilen Internet schon mal auf die Bremse, obwohl netztechnisch mehr Bandbreite drin wäre.
Trend zum mobilen Internet zweiter Klasse
Die Tendenz bei den Discountern scheint zum mobilen Internet zweiter Klasse zu gehen – das zeichnet sich bei der Telekom, Vodafone und o2 ab. E-Plus hielt seine Discountmarken ebenfalls lange an der kurzen Leine, vor allem wohl aus Mangel an verfügbaren Netzkapazitäten. Inzwischen hat E-Plus sein Netz soweit ausgebaut, das Surf-Geschwindigkeiten von bis zu 3,6 Mbit/s drin sind. Diese Bandbreite gilt für die Kunden aller Marken im E-Plus-Netz, also auch für die von simyo, blau oder Aldi.
Mobiles Internet - Tarife für Surfstick, Netbook & Co.o2 bremst Handy-Discounter auf 3,6 Mbit/s runter
Bei den Billiganbietern im Netz von o2 ist man ebenfalls nicht viel besser aufgehoben. Obwohl die Münchner über ein recht gut ausgebautes Netz mit Übertragungsgeschwindigkeiten von 7,2 Mbit/s im Download und bis zu 2 MBit/s im Upload verfügen, bei den Partnermarken wird mobiles Internet auf 3,6 Mbit/s runtergebremst. Das trifft Kunden von Lidl Mobile, Tchibo Mobil und Schlecker Prepaid. Der kleine, aber feine Unterschied bei den Handy Discountern im E-Netz macht die UMTS Netzabdeckung aus – und da hat o2 die Nase vorn.
Mobiles Internet über UMTS bei Vodafone-Discountern
Vodafone hat neben der Telekom eines der besten Mobilfunknetze. So kann man mobiles Internet weitgehend in DSL Geschwindigkeit mit bis zu 7,2 Mbit/s genießen. Das schnelle mobile Internet steht theoretisch auch den Kunden der Handy Discounter im Vodafone-Netz zur Verfügung. Die Billiganbieter aber kommunizieren recht unterschiedliche Bandbreiten. Bei Bildmobil und Allmobil etwa sind von bis zu 7,2 Mbit/s die Rede, während Edeka Mobil nur maximal 3,6 Mbit/s bietet. Hier lohnt es sich, nochmal bei den einzelnen Anbietern explizit nachzufragen. So seien etwa bei McSim volle 7,2 Mbit/s verfügbar, versichert der Anbieter - zumindest bis Januar, dann könnten Neukunden ausgebremst werden. Unterschiede in Sachen Speed kann es insbesondere in kombinierten Daten- und Sprachtarifen geben; reine Datentarife sind meistens besser ausgestattet, was sowohl für Discounter als auch für Netzbetreiber gilt.
In seinen eigenen Datentarifen drosselt Vodafone übrigens auch schon mal gerne. Bei Prepaid-Kunden wird durch Hinzubuchen der Datenoption Mobile Internet Handy die Geschwindigkeit auf maximal 384 kbit/s begrenzt. Auch beim Mobile Connect Tagespaket wird der Surfspeed auf 3,6 Mbit/s gebremst.
Telekom bremst eigene Billigmarke congstar aus
Ein uneinheitliches Bild bietet sich auch bei den Handy Discountern, die im Netz der Telekom versammelt sind. So erlauben etwa Billiganbieter wie BigSim, discoSurf oder Simply mobiles Surfen mit bis zu 7,2 Mbit/s. Die eigene Billigmarke Congstar bietet momentan nur 3,6 Mbit/s, bei den eigenen Xtra-Kunden sogar schon bei 384 kbit/s. Für die Prepaid-Kunden des Discounters Penny Mobil gibt es ebenfalls nur 384 kbit/s bei Ja! Mobil immerhin noch 1,8 Mbit/s.
Ähnlich wie bei Vodafone und o2 gibt es also auch bei der Telekom eine Einschränkung der Bandbreite bei den Billiganbietern. Grund hierfür ist, dass die Handy Discounter ihre Angebote teilweise mit Datenoptionen kombinieren, so dass unterschiedliche Übertragungsraten erreicht werden.
Schnelles mobiles Internet künftig unerlässlich
Mit den immer populärer werdenden Smartphones, Internetsticks und Tablet-PCs wie dem iPad von Apple, wird auch die Nutzung des mobilen Internet weiter steigen. Das macht schnelle Übertragungsraten unerlässlich. Die Begrenzung der Bandbreite bei den Discountanbietern wird so künftig wohl eine Frage der Netzkapazität – sie öffnet den Netzbetreibern allerdings auch einen Weg, sich gegen die Billig-Konkurrenz beim mobilen Internet zu wappnen. Wer seine Kunden künftig ausbremst und wer nicht, bleibt also abzuwarten. Das Zwei-Klassen-Netz könnte auch anbieterübergreifend kommen und beileibe nicht nur Discounter-Kunden treffen.

