Zusammenschluss

E-Plus und o2: Das Wichtigste zur Netzfusion

Mit dem Zusammenschluss von o2 und E-Plus entsteht das größte deutsche Handynetz. Welche Auswirkungen hat die Zusammenlegung der Netze für die Kunden? Die fünf wichtigsten Fakten zur Netzfusion von E-Plus und o2.

Zusammenschluss O2 e-plus© Telefónica Germany GmbH & Co. OHG / Montage: i12 GmbH

Heidelberg (red) - Durch die Zusammenlegung der Mobilfunknetze von E-Plus und o2 entsteht derzeit das größte deutsche Handynetz. Über 40 Millionen Kunden sind unmittelbar betroffen. Welche Auswirkungen die Fusion auf das Preisniveau, die Erreichbarkeit der Kunden und die Zahl der Partnerunternehmen hat, erklärt das unabhängige Verbraucherportal Verivox zusammen mit einem Verbraucheranwalt.

Abnehmender Wettbewerb - steigende Preise?

Künftig wird es mit der Telekom, Vodafone und dem o2-Mutterkonzern Telefónica nur noch drei Netzbetreiber geben. Experten erwarten tendenziell steigende Preise, da ein wichtiger Wettbewerber fehlt. "In Österreich hatte eine ähnliche Entwicklung nach Jahren mit stetig sinkenden Preisen die Tarife um bis zu 30 Prozent verteuert", sagt Sven Ehrmann, Telekommunikationsexperte und Mitglied der Geschäftsleitung bei Verivox. Ob das niedrige Preisniveau in Deutschland gehalten werden kann, hält Ehrmann für fraglich: "Insbesondere die Marke E-Plus stand mit ihren vielen Discounttöchtern wie Simyo, Base oder Aldi Talk bisher für günstige Preise und intensiven Wettbewerb. Doch in der Branche gilt es als sicher, dass Telefónica bald die Vermarktung einiger Marken einstellen wird."

Zum Start zwei Vorteile für die Kunden

Unmittelbare Zusatzkosten entstehen Verbrauchern jedoch nicht. Kunden von E-Plus und o2 können das jeweils andere Netz bald automatisch mitnutzen, ohne sich dafür anzumelden oder zusätzliche Gebühren zu zahlen. Dieses "nationale Roaming" soll ab Mitte April deutschlandweit möglich sein. Die Aktivierung des Roamings erkennen Nutzer an der neuen Netzbezeichnung im Display. Danach ist ein Neustart des Handys empfehlenswert, um alle notwendigen Netzinformationen zu laden.

Zusammenschaltung erfolgt in zwei Stufen

Die Netzzusammenlegung soll vor allem die Versorgung mit mobilem Internet verbessern, davon profitieren auch Kunden der Discounttöchter. Zunächst werden aber nur die UMTS-Netze verknüpft, die schnelleren LTE-Netze von E-Plus und o2 folgen erst 2016. Bei den richtig schnellen Verbindungen können Verbraucher also noch nicht zwischen beiden Netzen hin- und herwechseln. Grundsätzlich wird den Kunden automatisch das schnellste am Standort verfügbare Netz geboten, das gilt für alle Netzbetreiber.

Auswirkungen auf die Netzqualität

Weil o2 eher in städtischen, E-Plus aber in ländlichen Regionen stärker vertreten war, ergänzen sich beide Netze. Ob die quantitative Verbesserung auch eine qualitative bedeutet, muss sich erst zeigen: Bislang wurde die Netzqualität beider Anbieter regelmäßig schlechter bewertet als die der Wettbewerber. Unklar ist, ob die angekündigte Abschaltung Tausender Funkmasten auch Störungen im Netzbetrieb zur Folge haben wird. Das gesamte Projekt ist indes auf mehrere Jahre terminiert: Die komplette Integration der beiden Netzinfrastrukturen soll noch bis 2020 dauern.

Welche Rechte Kunden bei Netzproblemen haben

Was können Kunden tun, wenn es am Wohnort plötzlich zu Versorgungseinschränkungen kommt? Für Verivox nimmt Verbraucheranwalt Thomas Hollweck Stellung zu den Rechten von Mobilfunkkunden: "Käme es durch den Zusammenschluss von o2 und E-Plus beispielsweise zu einem dreimonatigen Ausfall des Empfangs in den für den Kunden relevanten Gebieten, so ist meiner rechtlichen Ansicht nach ein außerordentliches Kündigungsrecht gegeben." Der Kunde müsse sich darauf verlassen können, dass die für ihn wichtigen Empfangsgebiete dauerhaft versorgt bleiben, wenn sie das auch bei Vertragsabschluss waren. "Er muss nicht damit rechnen, plötzlich völlig ohne Empfang dazustehen", sagt Anwalt Hollweck.

Gleichwohl sei bei einer außerordentlichen Kündigung wegen fehlender Netzabdeckung jeder Fall individuell zu betrachten; nicht jede Versorgungslücke rechtfertige eine Auflösung des Vertrags. Tipp des Anwalts: Als Kompromiss könnte im Rahmen einer Kulanzregelung vereinbart werden, dass der Kunde in der Zeit der fehlenden Netzabdeckung zumindest keine Grundgebühr zahlen muss.

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