Einschätzung

Erster Schritt zur Abschaffung der Roamingkosten

Ein erster Schritt in Richtung Abschaffung der Roamingkosten innerhalb der EU ist getan: Mobilfunker blau.de hat sein neues Preiskonzept für Auslandstelefonie vorgestellt. Was steckt dahinter, wie sinnvoll ist das Angebot und können wir in Zukunft mehr in dieser Richtung erwarten?

blau Mobilfunk© blau Mobilfunk

Linden (red) - Hohe Roaming-Kosten schrecken trotz aller Regulierung noch immer etliche Urlauber davon ab, aus dem Ausland nach Hause zu telefonieren. Mit der neuen Tarifstruktur will blau.de (www.blau.de) dem zumindest innerhalb der EU ein Ende setzen.

Wie sieht das Angebot von blau.de konkret aus?

Prepaid-Kunden bezahlen nur noch neun Cent pro Minute für Gespräche in die EU-Länder oder wenn sie aus den EU-Ländern nach Deutschland telefonieren, ganz wie bei innerdeutschen Gesprächen. Inkludiert ist auch die Schweiz. SMS kosten ebenfalls einheitlich neun Cent. Dabei ist es egal, ob man ins Festnetz oder in die Mobilfunknetze eines Landes telefoniert, der Preis bleibt immer der gleiche. Es auch kein Zubuchen einer Option nötig, Neu- und Bestandskunden telefonieren automatisch zu den neuen Preisen.

Haken und Einschränkungen

Der Anbieter konzentriert sich dabei ganz auf die "Kernfunktion" des Telefons, die Telefonie eben. SMS kosten zwar auch neun Cent, die immer wichtiger werdende Datenverbindung hat man aber noch außen vor gelassen. Außerdem können nur Prepaid-Kunden von den neuen Konditionen profitieren. Wer eine Allnet-Flatrate gebucht hat oder die Postpaid-Abrechnung bevorzugt, telefoniert weiter zu den gewohnten Bedingungen ins und im EU-Ausland. Wer aus einem EU-Land nicht in Deutschland, sondern in einem anderen EU-Land anrufen will, zahlt ebenfalls die im EU-Tarif festgelegten 28 Cent.

Wird das Modell sich tragen?

Das wird sich zeigen müssen, gibt selbst blau.de zu. Wie bei der Vorstellung des neuen Preismodells gezeigt, würden laut einer Umfrage 66 Prozent der Befragten mehr im Ausland telefonieren, wenn dafür nicht die hohen Roaming-Kosten anfallen würden. Vorerst will man aber einen Testdurchlauf machen, der bis Ende des Jahres gehen soll. Danach will man entscheiden, ob das Angebot in gleicher Weise weitergeführt wird oder ob etwas geändert oder eventuell auch ausgebaut wird. Der Anbieter ist sich bewusst, dass die günstigeren Tarife sich nur dann lohnen, wenn die Kunden auch entsprechend mehr im Ausland telefonieren. Tun sie das nicht, könnte es auch ein Verlustgeschäft werden. Ganz einstellen will man das Angebot aber nicht wieder.

Gibt es bereits vergleichbare Angebote?

In Grenzen. Einige Anbieter, beispielsweise Tchibo, nahmen bereits zuvor neun Cent pro Minute in die Festnetze der EU-Länder. Dass der günstige Preis auch in Mobilfunknetze gilt, ist selten. Bei einigen der sogenannten Ethno-Discounter sind sehr günstige Gespräche in bestimmte Länder möglich, hier kann man in die Festnetze oft noch deutlich billiger telefonieren. Bei diesen Möglichkeiten ist aber das Roaming nicht berücksichtigt.

In die andere Richtung geht simquadrat, eine Marke des VoIP-Anbieters sipgate. Auch bei simquadrat telefoniert man ohne Roamingkosten aus dem EU-Ausland nach Deutschland und zahlt neun Cent die Minute. Erst bei einem Auslandsaufenthalt von mehr als vier Wochen zahlt man wieder die regulären Gebühren. Die Kosten für eingehendes Roaming fallen sogar komplett weg – hier zahlt man bei blau.de noch acht Cent. Der Nachteil: Datenroaming geht bislang noch gar nicht, auch mit SMS scheint es noch Probleme zu geben.

Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung

Die Kombination von günstigen Gesprächen ins Ausland und im Ausland ist in dieser Form neu. Andere Angebote konzentrieren sich auf eines von beiden oder auf ganz bestimmte Länder. Beim Angebot von blau.de ist auch die Einfachheit ein Pluspunkt: Ein Preis nach Deutschland und aus Deutschland, egal ob ins Festnetz oder in die Mobilfunknetze.

Gerade in den letzten Jahren waren es schon öfter die E-Plus-Discounter, die auf den Mobilfunkmarkt einen Stein ins Rollen gebracht haben. Vielleicht ist übertrieben, in diesem Fall von einer Revolution zu sprechen, und man kann auch bemängeln, dass der sehr wichtige Punkt der Datennutzung noch nicht angegangen wurde. Auch hat es seine Berechtigung, dass Beschwerden kommen, Vertragskunden gingen leer aus. Aber ein erster Schritt ist gemacht und dazu ein wichtiger.

Spätestens, wenn die EU die Roaming-Gebühren, wie ja bereits geplant, ganz abschafft, werden andere Anbieter nachziehen müssen, es ist aber wahrscheinlich, dass dies schon früher geschieht. Wie wichtig den Kunden das ist, wird sich bei blau.de zeigen.

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