Überblick

Handytarife für Flüchtlinge: Welche eignen sich wirklich?

Welche Handytarife eignen sich für Flüchtlinge? Sind die Tarife der Ethnodiscounter das Richtige oder gibt es andere Alternativen? Dieser Ratgeber soll Helfern und Betreuern einen Überblick geben und Hinweise, worauf man achten sollte.

Handytarife© Michael Nivelet / Fotolia.com

Das Handy oder Smartphone ist für viele Menschen ein nicht nur alltäglicher, sondern ständiger Begleiter. Nicht anders ergeht es den Flüchtlingen, die in Deutschland eintreffen. Für sie ist das Mobiltelefon das wichtigste Gerät, um mit Freunden und Verwandten in Kontakt zu bleiben, die noch im Heimatland oder anderswo unterwegs sind.

Welche besonderen Bedürfnisse haben Flüchtlinge an einen Handytarif?

Handytarife, die sich für Flüchtlinge eignen, bieten optimalerweise günstige Konditionen sowohl für Gespräche ins Heimatland als auch für solche innerhalb Deutschlands. Dabei sollte man im Blick haben, dass bei Menschen, die sich noch nicht lange in Deutschland aufhalten, sprachliche Hürden bestehen. Auf Migranten spezialisierte Anbieter können vielleicht nicht mit Arabisch, aber mit Englisch oder Französisch als zusätzlicher Sprache für den Online-Auftritt punkten. Auch haben viele Flüchtlinge eine ungewisse Zukunft. Selbst wenn sie könnten, würden sie sich wahrscheinlich keinen Handyvertrag für zwei Jahre ans Bein binden. Nicht nur deshalb sollte ein Prepaid-Tarif die erste Wahl sein.

Übersicht:

    Besser Prepaid als Vertrag

    Ein großer Vorteil von Prepaid-Tarifen ist, dass man sich jederzeit für einen anderen Anbieter entscheiden kann. Prepaid-Tarife bieten eine Kostenkontrolle und man benötigt bei einigen nicht einmal ein Bankkonto, sondern kann das Guthaben auch an der Supermarktkasse oder der Tankstelle aufladen. Eine gewisse Vorsicht ist dennoch geboten. Beim sogenannten "unechten Prepaid" wird zwar auch Guthaben aufgeladen, jedoch wird per Lastschrift oder Einzugsermächtigung bezahlt. Kommt dann noch eine automatische Aufladung hinzu, sobald das Guthaben unter einen bestimmten Wert sinkt, können ungewollte Kosten entstehen.

    Handytarife mit günstigen Preisen ins Ausland

    Es gibt schon lange Tarife, die sich an Nutzer mit Migrationshintergrund oder mit Freunden und Bekannten im Ausland richten. Diese so genannten "Ethnotarife" setzen ihren Schwerpunkt häufig auf Länder wie Türkei, Polen oder Russland. Aber auch für Anrufe in andere Länder bieten diese Tarife günstigere Konditionen als die übrigen Mobilfunker ohne "Ethno"-Schwerpunkt. Bei diesen zahlt man für Anrufe in die "restliche Welt" (außerhalb Europas und Nordamerikas) oft rund einen Euro pro Minute. Grundsätzlich sind die Angebote der "Spezialisten" also durchaus auch passend für Asylsuchende. Besonderes Augenmerk sollte man aber auf das Kleingedruckte und die AGB legen, die laut Stiftung Warentest oft unverständlich sind.

    Ins Ausland: Prepaid-Tarife der "Ethno-Discounter"

    Schauen wir uns einmal die Preise einiger typischer Ethno-Tarife an. Wir haben uns exemplarisch für Tarife in die Länder Syrien, Irak und Afghanistan entschieden. Aus diesen Staaten stammen die meisten der Asylsuchenden, die im Oktober 2015 im EASY-System (Erstverteilung von Asylbegehrenden; Angaben laut BAMF) registriert wurden.

    Lebara Best Lycamobile Spar Ortel Mobile
    Syrien
    Festnetz/ mobil/ SMS
    9 Ct. / 5 Ct. / 15 Ct.
    15 Cent VG*
    9 Ct. / 4 Ct. / 15 Ct.
    15 Cent VG*
    12 Ct. / 9 Ct. / 15 Ct.
    15 Cent VG*
    Irak
    Festnetz/ mobil/ SMS
    12 Ct. / 5 Ct. / 15 Ct.
    15 Cent VG*
    15 Ct. / 9 Ct. / 15 Ct.
    15 Cent VG*
    12 Ct. / 9 Ct. / 15 Ct.
    15 Cent VG*
    Afghanistan
    Festnetz/ mobil/ SMS
    15 Ct. / 9 Ct. / 15 Ct.
    15 Cent VG*
    24 Ct. / 9 Ct. / 15 Ct.
    15 Cent VG*
    12 Ct. / 9 Ct. / 15 Ct.
    15 Cent VG*
    Deutschland
    Festnetz/ mobil/ SMS
    1-9 Ct. / 9 Ct. / 15 Ct.
    15 Cent VG*
    3 Ct. / 9 Ct. / 15 Ct.
    15 Cent VG*
    9 Ct. / 9 Ct. / 15 Ct.
    9 Cent VG*
    Optionen (Bsp.) Allnet 1 GB: 19,99 Euro All Net Flat (5000 Min.+ 1 GB): 19,99 Euro Smart 500 (500 Min. + 500 MB): 19,90 Euro

    * Verbindungsgebühr (VG) für Anrufe nach Deutschland und ins Ausland.

    Es fällt auf, dass stets eine Verbindungsgebühr pro Gespräch fällig wird, auch bei Anrufen innerhalb Deutschlands. Wer oft kurze Gespräche führt, zahlt hier verhältnismäßig viel. Bei längeren Gesprächen relativiert sich die Einwahlgebühr; dann ist auch der Preis für Inlandsgespräche in Ordnung. Es werden auch Optionspakete für Auslandsgespräche angeboten, diese beinhalten aber nicht die Haupt-Herkunftsländer der Flüchtlinge und werden deshalb hier nicht berücksichtigt.

    In Deutschland: Günstige Minutenpreise mit Prepaid-Abrechnung

    Für Anrufe innerhalb Deutschlands gibt es andere Prepaid-Anbieter mit günstigeren Minutenpreisen: Interessant für Familien oder Freunde ist beispielsweise das Angebot von Aldi Talk. Hier zahlt man zwar elf Cent pro Minute in die deutschen Netze, aber nur drei Cent zu anderen Aldi-Talk-Kunden. Sehr günstige Preise innerhalb Deutschlands bieten auch die Prepaid-Tarife von n-tv go! und Galeria mobil. Für Anrufe ins Nicht-EU-Ausland eignen sich diese Tarife wiederum nicht.

    Aldi Talk Galeria mobil n-tv go!
    Gespräche in die deutschen Netze 11 Ct.
    (3 Ct. zu Aldi)
    5 Ct. 6 Ct.
    SMS 11 Ct.
    (3 Ct. zu Aldi)
    5 Ct. 6 Ct.
    Optionen (Bsp.) Paket 300 (300 Einheiten, 300 MB, Aldi-Flat): 7,99 Euro Flat M (Telefon-Flat, SMS-Flat, 1 GB): 15,95 Euro Flat S (Telefon-Flat, 500 MB): 12,99 Euro

    Nutzung von Sparvorwahlen über Callthrough

    Die Nutzung von Sparvorwahlen ist auch vom Handy aus möglich. Das funktioniert ähnlich wie das Call-by-Call-Verfahren für Telekom-Kunden. Man wählt eine bestimmte Nummer vor der gewünschten Rufnummer und kann so deutlich günstiger telefonieren. Für einige Dienste ist eine Anmeldung nötig, man lädt dann ein Guthaben auf, das man abtelefonieren kann, ähnlich wie bei einem Prepaid-Tarif. Achten sollte man insbesondere auf eine Tarifansage und darauf, dass man eine normale Ortsrufnummer zum Einwahl bekommt und keine Sonderrufnummer. Einige Callthrough-Anbieter haben auch Apps für ihren Dienst aufgelegt.

    Zum Callthrough-Vergleich

    Callthrough-Preise der günstigsten gelisteten Anbieter (Nov. 2015):

    Mit Anmeldung Ohne Anmeldung
    Syrien
    Festnetz/mobil
    8 Ct. / 11 Ct. 14 Ct. / 14 Ct.
    Afghanistan
    Festnetz/mobil
    18 Ct. / 18 Ct. -
    Irak
    Festnetz/mobil
    6 Ct. / 15 Ct. 9 Ct. / 14 Ct.
    Deutschland
    Festnetz/mobil
    1 Ct. / 3,5 Ct. 4 Ct. / 9 Ct.

    Telefonie übers Internet (VoIP)

    Internettelefonie bietet sich überall da an, wo WLAN zur Verfügung steht, was in einigen Erstaufnahmeeinrichtungen und Unterkünften der Fall ist. Man benötigt eine App und kann dann mit Kunden des gleichen Dienstes sogar kostenlos telefonieren. Der bekannteste Anbieter ist sicher Skype. Weitere Möglichkeiten der Kommunikation sind Chat-Dienste wie WhatsApp, über die man ebenfalls bei Bedarf Anrufe starten kann.

    Die folgenden Preise gelten für Anrufe, die über das Guthabenkonto des jeweiligen Anbieters bezahlt werden (bei Skype gibt es auch Abonnements). Die Aufladung ist per Überweisung möglich.

    Skype Peterzahlt Ventengo
    Syrien
    Festnetz/mobil
    35,2 Ct.
    6,6 Cent VG*
    14 Ct. / 20,9 Ct. 19,8 Ct. / 21,1 Ct.
    Afghanistan
    Festnetz/mobil
    33,4 Ct.
    6,6 Cent VG*
    25 Ct. / 29,4 Ct. 24,8 Ct.
    Irak
    Festnetz/mobil
    35,2 Ct.
    6,6 Cent VG*
    26 Ct. / 28,8 Ct. 5,59 Ct. / 13,9 Ct.

    * Verbindungsgebühr (VG) für Anrufe ins Ausland.

    Wie man sieht, lohnt sich die Nutzung solcher VoIP-Dienste eher in Ausnahmefällen, wenn man nur selten telefoniert oder natürlich, wenn der Gesprächspartner den gleichen Service nutzt und man kostenlos anrufen kann. Für reguläre Anrufe ins Mobilfunk- oder Festnetz sind die Tarife vergleichsweise teuer.

    Fazit: Passende Handytarife für Flüchtlinge

    Pauschal einen bestimmten Handytarif für Flüchtlinge zu empfehlen ist schwer. Die üblichen Prepaid-Anbieter sind ins Ausland viel zu teuer; bei Anrufen innerhalb Deutschlands schneiden die spezialisierten Anbieter schlechter ab. Wichtig bei der Auswahl ist also vor allem, wohin man hauptsächlich telefonieren möchte. Für gelegentliche Anrufe zu Zielen, für die der gewählte Mobilfunker zu teuer ist, kann man auf Callthrough zurückgreifen. VoIP dagegen lohnt sich nur, wenn auch der Gesprächspartner den gleichen Dienst nutzt.

    Tipp: Wer ein Dual-SIM-Handy besitzt, kann die Vorteiler zweier Tarife verbinden. Er kann für Anrufe ins Ausland eine "Ethno"-Karte benutzen, für Verbindungen innerhalb Deutschlands eine weitere Prepaid-Karte. Auch die Anschaffung eines Zweithandys kann eine Lösung sein, wenn man die SIM-Karte nicht dauernd wechseln möchte. Einfach-Handys gibt es schon für um die 20 Euro.

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