Kriminelle immer professioneller
Computerkriminelle gehen nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) immer professioneller vor. Zugleich nutzten grundsätzlich immer mehr Kriminelle Computer und Internet für ihre Taten, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Dienstag in Berlin. Für Verbraucher gehe derzeit die größte Gefahr von Programmen aus, die den Computer ausspähen.
(AFP) - Es gebe "kaum Kriminalitätsbereiche, in denen sich die Täter nicht ausgefeilter und modernster Technik bedienen und das Internet als Tatmittel nutzen", sagte Ziercke. 2007 seien in der Polizeilichen Kriminalstatistik rund 180.000 Fälle mit dem Tatmittel Internet registriert worden - ein Plus von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr, sagte Ziercke. Die Zahl der Angriffe mit moderner Kommunikationstechnik oder auf diese Technik stieg demnach sogar um 17 Prozent.
Die Gefahr gehe dabei nicht mehr von einzelnen jugendlichen Tätern, sondern von der organisierten Kriminalität aus, hob er hervor. Dabei seien die Täter sehr innovativ und passten sich schnell an neue Techniken an. Eine Verbesserung der Sicherheit beim Onlinebanking habe die Fälle in diesem Bereich zwar zunächst zurückgehen lassen. Inzwischen hätten die Täter ihre Strategien aber angepasst - die Zahl der Delikte steige daher wieder.
Die größte Gefahr für Verbraucher geht nach Ansicht Zierckes derzeit von Trojanern aus. Diese kleinen Programme, die Computer ausspähen, würden dabei meist nicht mehr wie früher über Spam-E-Mails verschickt. Kriminelle manipulierten hingegen zunehmend Internetseiten, von denen sich die Trojaner auf den PC der Nutzer herunterladen. Sie können dann etwa Zugangsdaten zu Internetdiensten ausspähen und selbst moderne Sicherheitstechniken beim Onlinebanking umgehen.
Als "Kriminalitätsform der Zukunft" bezeichnete Ziercke sogenannte Bot-Netze. Hierbei infizieren Kriminelle Computer von Internetnutzern mit einem Virus und setzen die Rechner dann als Teil eines riesigen Computernetzwerkes ein. Damit können sie etwa große Rechner von Unternehmen oder Behörden angreifen.
Nach Einschätzung des BKA-Präsidenten werden in Deutschland täglich bis zu einer halben Million Rechner infiziert und dann als Teil von Botnetzen genutzt. Zudem bieten nach Ansicht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik zunehmend Handys Angriffspunkte: Die modernen Handybetriebssysteme bieten ähnliche Funktionen wie Computer, sie haben aber oft auch die gleichen Schwachstellen.
20.01.2009

