Neue Portale für Chat mit Politikern
Ein innovativer Internetdienst, entwickelt von Brandenburger und Berliner Studenten, stellt den kurzen Draht zwischen Bürgern und Politikern her.
(AFP) - Christiane Dornecker beklagt sich bei der Kanzlerin über die "Zweiklassengesellschaft" im Gesundheitswesen. Enno Lenze schildert ihr seine Sorgen um die Sicherheit von Wahlcomputern. Und Sarah Simbad beschwert sich bei Angela Merkel über das "ungerechte" Steuersystem in Deutschland. Möglich macht das Ganze ein neuer Dienst im Internet. Die Kanzlerin macht mit, ebenso wie Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU), Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) oder der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD).
Zum Erfolg des Dienstes hat niemand Geringeres als Barack Obama beigetragen. Der künftige US-Präsident nutzte für seine Wahlkampagne das Konzept des jungen deutschen Web-Unternehmens "direktzu", um den direkten Dialog mit den Wählern zu pflegen. Und nachdem Obama eindrucksvoll gezeigt hat, wie sich die modernsten Kommunikationsformen des Internets für einen erfolgreichen Wahlkampf nutzen lassen, ist zu erwarten, dass im deutschen Superwahljahr 2009 noch mehr Politiker hierzulande die Portale von direktzu für ihre Zwecke entdecken.
Die Webseiten sind einfach strukturiert, was wohl ein Teil des Erfolgsrezepts ist: Bürger können ihr Anliegen schildern, eine offene Community registrierter Seitennutzer stimmt über die Qualität der Beiträge ab, und der angesprochene Politiker beantwortet jene Anfragen mit den höchsten Punktzahlen. "Many to one" (viele an einen) beschreibt Caveh Zonooz, Geschäftsführer und einer der Mitbegründer von direktzu, das Prinzip. Das Echo ist überwältigend: Fragen und Antworten auf den deutschen direktzu-Seiten haben bis zu mehrere zehntausend Leser.
Die Anfänge waren schwierig, wie Zonooz schildert. Als sich die Studenten erstmals per Mail an Merkel wandten, um sie für das Mitmachen zu gewinnen, kam nur eine automatisch generierte Absagemail zurück. Doch die Softwareentwickler ließen nicht locker und programmierten ohne Absprache mit dem Kanzleramt das Portal direktzurkanzlerin.de. Und tatsächlich weckte das Portal dann die Aufmerksamkeit der Kanzlerin, die sich zur Mitarbeit bereiterklärte - das war vor zweieinhalb Jahren der Durchbruch für direktzu. Bei den jüngsten US-Wahlen arbeiteten die Jungunternehmer nicht nur mit Obama, sondern auch mit anderen Kandidaten zusammen, womit die Firma weiter mächtig an Prestige gewann.
Links:
www.direktzurkanzlerin.de www.direktzu.de/vonderleyen direktzu.de/bundestagspraesident straightto.com/barackobama
05.01.2009

