Freiheit contra Risiko

Was bringen Jailbreak und Root auf dem Handy?

Wer ein Smartphone besitzt, ist in der Regel einer Reihe von Einschränkungen unterworfen. Gerade technikbegeisterte Handynutzer wollen aber frei entscheiden, welche Software sie auf ihrem Mobiltelefon haben wollen. Dazu muss man es "rooten" oder "jailbreaken".

Mobiltelefon© svort / Fotolia.com

Linden (red) - Ein iPhone-Besitzer bekommt Zusatzanwendungen nur aus dem iTunes-Store, ein Windows-Phone-Nutzer kann Apps nur aus dem Windows Marketplace laden. Dagegen kann man vorinstallierte Apps nicht entfernen und auch bei der Anpassung der Benutzeroberfläche sind Handynutzern Grenzen gesetzt.

Der Android Market und iTunes haben zwar eine große Auswahl an Apps, zudem genügen die Funktionen des Handys den meisten Nutzern. Für die, die ihr Gerät aber persönlich anpassen wollen, gibt es den "Jailbreak" oder "Root".

Jailbreak oder Root - Was ist das?

Meist spricht man von "rooten", wenn es um Smartphones mit dem Android-Betriebssystem geht, der Begriff "Jailbreak" (Gefängnisausbruch) ist auf Apple-Geräte wie iPhone und iPad gemünzt. Aber auch beispielsweise für Windows Phone-Handys sind bereits Roots gelungen. Ein Root ist gleichzusetzen mit einem Administrator oder Super-User. Man bekommt Administratorrechte auf seinem Smartphone und kann damit Anpassungen vornehmen, die der Hersteller eigentlich für den Nutzer gesperrt hat. Letzteres ist durchaus sinnvoll, da sonst eventuell notwendige Bestandteile des Systems gelöscht werden. Möchte man Berechtigungen für diese Anpassungen, muss man das Handy rooten und damit den Administratorstatus erhalten.

Wie geht es?

Zum Rooten von Smartphones gibt es spezielle Software und Anleitungen, die sich im Internet durch Googeln finden lassen. Je nachdem, welches Smartphone von welchem Hersteller man rooten möchte, kann der Vorgang unterschiedlich ablaufen. Das Tool SuperOneClick beispielsweise kann eine Vielzahl von Android-Modellen rooten. Eine andere Möglichkeit nennt sich unrevoked. Auf den Herstellerseiten finden sich meist Listen der unterstützten Modelle. Auch für den iPhone-Jailbreak gibt es, je nach Modell, verschiedene Software. Hier wird zwischen Tethered und Untethered Jailbreak unterschieden. Beim Tethered Jailbreak wird ein Zusatzprogramm benötigt, damit das Gerät booten kann, beim Untethered Jailbreak geht es ohne.

Man kann einen Root oder einen Jailbreak auch wieder rückgängig machen, indem man das Handy flasht (das Original-Betriebssystem neu aufspielt). Dann ist es quasi wieder im Ursprungszustand, eventuelle Änderungen gehen allerdings verloren.

Welche Vorteile hat man?

Es gibt beispielsweise eine Reihe von Apps, die sich nur verwenden lassen, wenn man ein gerootetes Gerät hat. Damit lassen sich Funktionen nachrüsten, die das Handy von Haus aus nicht hat, etwa die Möglichkeit, es als Hotspot zu verwenden. Auch Modifizierungen der Benutzeroberfläche sind möglich, beispielsweise das Einrichten einer neuen Schriftart oder das Aufspielen sogenannter Custom ROMs, modifizierter Versionen des Betriebssystems. Da der Android-Quellcode öffentlich zugänglich ist, können Entwickler hier Anpassungen vornehmen. Ältere Handys, die kein Update auf eine neuere Android-Version mehr bekommen, können mit einer Custom ROM bespielt werden, die öfter aktualisiert wird.

Unerwünschte Anwendungen, die man nicht benötigt, die aber beim Kauf bereits fest auf dem Handy installiert waren, lassen sich von einem gerooteten Modell entfernen. Auch die Taktung des Prozessors kann geändert werden. Hierbei gilt es aber, Vorsicht walten zu lassen, denn eine Übertaktung kann den Prozessor auch schädigen. Ein weiterer Vorteil ist der freie Zugriff auf die gespeicherten Daten und die Möglichkeit, ein komplettes Back-up zu machen.

Welche Risiken gibt es?

Illegal ist es nicht, einen Root-Zugriff auf einem Handy einzurichten, welches im eigenen Besitz ist. 2010 legalisierte ein Gericht auch in den USA die Aushebelung der Software-Sperre auf dem Telefon. Das Risiko bei Rooten liegt darin, dass ein eventueller Garantie- und Gewährleistungsanspruch erlischt, wenn man das Gerät derart modifiziert. Der Hersteller gibt in der Regel keine Garantie auf ein gerootetes Smartphone. Hier soll Apple besonders strikt sein, bei anderen Herstellern hat man auch schon von Kulanzfällen gehört. Verlassen sollte man sich darauf jedoch nicht.

Ebenso kann es sein, dass das Gerät durch den Root selber zu Schaden kommt. Im schlimmsten Fall macht man sich sein teures Smartphone kaputt und bleibt dann auch noch auf dem Schaden sitzen. Dies kommt wohl nicht allzu oft vor, dennoch sollte man ohne technisches Verständnis lieber die Finger von einem Root lassen. Noch ein Nachteil: Bei einem regulären Update des Betriebssystems gehen die Root-Rechte wieder verloren, Änderungen damit ebenfalls.

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