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Netzneutralität: Gleichbehandlung bei der Datenübertragung

Netzneutralität bedeutet, dass Internet-Anbieter alle Daten in gleicher Geschwindigkeit übertragen und nicht etwa die Ihre eigenen Dienste bevorzugt behandeln sollen. Das Thema Netzneutralität spielt insbesondere bei Drosselung von Internet-Zugängen eine Rolle, wenn Anbieter Ihre eigenen Dienste von der Drosselung ausschließen.

Unter Netzneutralität versteht man allgemein eine wertneutrale Datenübertragung. Egal von wo und wohin die Daten transportiert werden sollen - alle Datenpakete müssen mit gleicher Priorität behandelt und versendet werden. Der Internetanbieter darf nicht nach Inhalt, Absender, Empfänger oder der gebuchten Dienstgüte klassifizieren. In Deutschland ist die Netzneutralität nicht gesetzlich festgelegt und der Begriff nicht klar definiert. Über eine Klausel im Telekommunikationsgesetz, so fordern manche, könnte verhindert werden, dass ein Netzbetreiber seine Dienste willkürlich verschlechtert oder den Verkehr der Daten behindert.

Größer werdende Datenmengen

Der Datenverkehr im Internet wird immer mehr und die Anbieter müssen darauf reagieren. Im Grundsatz gibt es zwei Möglichkeiten, wie der Internetanbieter den Fluss der Daten bewältigen kann. Die erste Möglichkeit ist die des Netzausbaus. So können alle Daten gleichberechtigt transportiert werden und die Netzneutralität bleibt weiterhin gewährleistet.

Die andere Möglichkeit wäre eine, die die Anbieter wohl günstiger käme. Daten werden unterschiedlich schnell und in unterschiedlicher Qualität verarbeitet. Diese Art der Verwaltung sei eine gute Möglichkeit, Datenstaus zu verhindern und bei wichtigen Daten eine gewisse Übertragungsqualität zu sichern, so die Ansicht der Betreiber. So sei beispielsweise bei einem Telefongespräch die Verzögerungsrate wichtig, bei einem Videoabruf jedoch die Datenrate. Dieses Modell würde es erlauben, für besondere Dienste höhere Kosten in Rechnung zu stellen oder bestimmte Inhalte von einer etwaigen Volumenbegrenzung auszunehmen.

Telekom contra Netzneutralität?

Ein Aufschrei ging durch Medien und Bevölkerung, als die Telekom eine Geschwindigkeitsdrosselung ab einem bestimmten Internetvolumen einführen wollte. Dies stelle man sich so vor, wie es bereits bei Handy-Tarifen gängig ist: Tarife, die ein gewisses Inklusivvolumen beinhalten. Ist dieses aufgebraucht, muss mehr zugebucht oder gedrosselt weitergesurft werden. Ein weiteres Problem ergibt sich dadurch, dass die Telekom gedenkt, ihre zahlungspflichtigen Zusatzdienste wie Entertain und Spotify aus dem Datenlimit auszuklammern. An diesem Punkt gäbe es Probleme mit der Netzneutralität.

Wahrung der Netzneutralität

Viel Wiederspruch wurde auf die Pläne der Telekom hin laut und die Politik gedenkt zugunsten der Internetneutralität einzuschreiten. So soll eine Verordnung erlassen werden, die Internetanbieter dazu verpflichtet, alle Inhalte unabhängig von ihrer Herkunft zu verarbeiten. Somit dürfte die Telekom nicht mehr, wie bisher geplant, ihre kostenpflichtigen Dienste am Datenzähler vorbeischleusen. Auch das Kartellamt ist im diesem Fall mit im Boot. Hier wird befürchtet, dass die angedachte Möglichkeit für Inhalteanbieter, sich von der Datendrosselung freikaufen zu können, den Wettbewerb beeinträchtigen könnte. Da die Telekom erhebliche Marktanteile in ihrer Branche besitzt, könnten auf diesem Weg Nachteile für kleinere Unternehmen entstehen.

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