Telefonzelle© Martina Berg / Fotolia.com

Von der Telefonzelle zur MultimediaStation

Sie hat zwar für viele Menschen an Bedeutung eingebüßt, aber es gibt sie noch - an Flughäfen, Bahnhöfen, Einkaufzonen oder einfach am Straßenrand: die Telefonzelle. Während die alten Zellen nach und nach verschwinden, gibt es auch moderne Telefonhäuschen mit Internetanbindung.

In der Ära von Mobiltelefonen, Flatrates und Internetcafés verschwindet sie immer mehr aus dem Stadtbild, aber es gibt sie noch - die Telefonzelle. An Flughäfen, Bahnhöfen, Poststellen und in Einkaufzonen stehen vielerorts noch Telefonhäuschen. Ihrer bedient man sich, wenn man das Mobiltelefon zu Hause vergessen hat, der Akku schlappgemacht hat oder kein Netz verfügbar ist.

Post-Gelb sind dabei nur noch ein paar vergessene Relikte, die meisten der 30.000 öffentlichen Telefonzellen erstrahlen heute im Magenta-Grau der Deutschen Telekom; über ein Fernsprechhäuschen verfügt knapp die Hälfte.

Telefonzelle – ein Häuschen schreibt Geschichte

Die Telefonzelle ist in Relikt aus den Anfängen der Telefongeschichte. Die ersten Apparate sind bereits vor mehr als einem Jahrhundert ans Netz gegangen, genauer gesagt in Berlin im Jahr 1881. Die ersten öffentlichen Telefonzellen mit Münzeinwurf kamen dann rund zwei Jahrzehnte später auf. Seit 1990 werden diese vermehrt durch Kartentelefone verdrängt, bei denen man ganz bargeldlos telefonieren kann. Im Wandel der Zeit haben sich die Telefonapparate der mobilen Kultur angepasst. So kann man an den Stationen nun mancherorts auch SMS verschicken oder im Internet surfen.

Einheiten und Tarife in der Telefonzelle

Für die erste Minute eines Gesprächs fällt ein Festpreis an. Für Ferngespräche 50 Cent, für Gespräche zu Mobilfunkzielen 80 Cent, Auslandsgespräche kosten zwischen einem und zwei Euro in der ersten Minute. Danach wird nach verschiedenen Tarifeinheiten abgerechnet. Pro Einheit werden zehn Cent berechnet, wobei die Länge der Tarifeinheiten variiert: Für zehn Cent kann man im Festnetz 60 Sekunden telefonieren, während eine Einheit im Mobilfunknetz 15 Sekunden (40 Cent/Minute) dauert. Bei Auslandsgesprächen variiert eine Einheit zwischen 10 (60 Cent/Minute) und drei Sekunden (200 Cent/Minute). Der SMS-Versand von öffentlichen Telefonen kostet 15 Cent.

Die Telefone sind mit Telefonkarten, Calling Cards, Geld- oder Kreditkarten bedienbar; man kann sie aber auch mit Münzen – Euro oder D-Mark – füttern. Einige öffentliche Telefone nehmen noch D-Mark Münzen zwischen 10 Pfennig und 5 Mark. Zahlt man mit Kreditkarte, wird ein Einmalbetrag von einem Euro fällig.

Selbst wenn man weder (Telefon-)Karten noch Münzen bei sich hat, kann man von einer öffentlichen Telefonzelle aus einen Anruf tätigen: Beim sogenannten R-Gespräch kann der Angerufene entscheiden, ob er das Gespräch entgegennimmt und damit für die Kosten aufkommt.

Die Telefonzelle der jüngsten Generation

Die neuesten Modelle der Telekom, die sogenannten TeleStationen oder MultimediaStationen, können weit mehr als telefonieren und SMS versenden: An den TeleStationen kann man sich über die Fahrpläne öffentlicher Verkehrsmittel informieren; Fahrscheine lösen, die in Sekundenschnelle ans Mobiltelefon gesendet werden; Parkscheine verlängern und Handyporto zahlen. Dabei erhält man statt einer Briefmarke einen 12-stelligen Code, welcher die Marke ersetzt. Die MultimediaStationen verfügen über einen Internetzugang und eignen sich daher als Werbeplattformen und Informationspunkte. Was diesen Telefonzellen jedoch fehlt, ist ein Häuschen.

News zum Thema
  • Telefonzelle
    Ab 300 Euro

    Telekom verkauft ausrangierte Telefonzellen

    Wer sich eine alte Telefonzelle in den Garten stellen möchte, wird in der Nähe von Potsdam fündig. Dort ist das einzige Lager dieser Art in Deutschland. Die Zellen werden zu Preisen zwischen 300 und 400 Euro verkauft.

    weiter
  • Telekom
    Pilotversuch

    Kein Festnetz mehr für kleine Neubaugebiete (Upd.)

    Die Telekom will in kleinen oder abgelegenen Neubaugebieten künftig möglicherweise keine Festnetz-Anschlüsse mehr anbieten. Weil das Verlegen von Kupferkabeln zu teuer sei, wolle man auf drahtlose Lösungen ausweichen, hieß es. Später wurde teilweise zurückgerudert.

    weiter
  • Handymast
    Funk-DSL

    Blaue Telefonzelle schickt entlegene Höfe ins Internet

    Um abgelegene Höfe in ländlichen Regionen mit schnellem Internet zu versorgen, sind ungewöhnliche Lösungen gefragt. Im Schwarzwald steht mitten auf einer Wiese eine knallblaue Telefonzelle - sie ist das Tor zum Highspeed-Netz.

    weiter
Top