Umfrage

Ärzte: Mediennutzung macht Kinder krank – Scheuklappen bei den Eltern

Wenn Kinder zu häufig zu Smartphone und Co. greifen, hat das Ärzten zufolge negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Eltern sollen die Probleme aber oftmals nicht einmal bewusst sein.

18.12.2019, 15:50 Uhr
ElternÜbergewicht, soziale Auffälligkeiten und motorische Defizite sind Medizinern zufolge Krankheitssymptome, die mit einer verstärkten Mediennutzung zusammenhängen.© Monkey Business / Fotolia.com

Eltern übersehen häufig die negativen Folgen ausgeprägter Mediennutzung bei ihrem Nachwuchs, so das Ergebnis der Studie "Smart Aufwachsen 2019?" der Krankenkasse pronova BKK. Für die Untersuchung wurden 100 niedergelassene Kinderärzte im Oktober 2019 befragt. Lernentwicklungsstörungen und motorische Defizite sind den Medizinern zufolge Krankheitsbilder, die sich mitunter auf einen übermäßigen Medienkonsum zurückführen lassen.

Ärzte: Nur wenige Eltern sprechen die Mediennutzung an

Knapp drei Viertel der Kinderärzte sind laut Umfrage der Meinung, dass Eltern den Umgang ihrer Kinder mit Computern, Spielekonsolen oder Smartphones völlig verharmlosen. In ihren Sprechstunden erleben die Mediziner, dass es weit häufiger die Ärzte als die Eltern sind, die den Gebrauch solcher Geräte überhaupt thematisieren. Nur acht Prozent der Kinderärzte berichten, dass sie von Vätern oder Müttern häufig darauf angesprochen werden, 38 Prozent sagen, dass dies manchmal passiere.

Krankheiten durch vermehrten Medienkonsum

Gleich eine ganze Reihe von Krankheitssymptomen führen Kinderärztinnen und -ärzte auf übermäßigen Medienkonsum zurück. Dazu gehören laut Befragung Übergewicht, soziale Auffälligkeiten, motorische Defizite und Lernentwicklungsstörungen. Zugleich sehen die Experten diese Probleme auf dem Vormarsch. So berichten 79 Prozent der befragten Ärzte, dass sie in den vergangenen fünf Jahren verstärkt soziale Auffälligkeiten bei ihren jungen Patienten feststellen. 75 Prozent registrieren, dass immer mehr Kinder zu viel wiegen. 82 Prozent stellen schon heute eine soziale Isolation des Nachwuchses fest, für die sie die Mediennutzung mitverantwortlich machen.

Mediziner: Viele Eltern nehmen die Probleme nicht war

Lediglich knapp 20 Prozent der Kinderärzte sind sich sicher, dass Eltern die Probleme ihrer Kinder überhaupt wahrnehmen, die Smartphones und Tablets verursachen. Weitere 40 Prozent glauben, dass Mütter und Väter zumindest eine Ahnung von den Auswirkungen haben. Die übrigen 40 Prozent halten die elterliche Wahrnehmung bei diesem Thema für eher eingeschränkt.

Nach Meinung der befragten Mediziner werden Eltern ihrer Vorbildfunktion nicht gerecht. Nahezu alle Mediziner beobachten übereinstimmend, dass Eltern bei der Nutzung digitaler Geräte "nicht gerade gute Vorbilder" sind.

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