Smart City Index

Bitkom: Welche deutsche Großstadt ist am smartesten?

Wie viele deutsche Großstädte bieten kostenloses WLAN? In welchem Bürgeramt kann man kontaktlos zahlen? Wo gibt es intelligente Mülltonnen? Der Bitkom zeigt in seinem "Smart City Index", wie digital 81 deutsche Städte sind.

Melanie Zecher, 22.04.2020, 13:21 Uhr
Hamburg© The Photos / Fotolia.com

Intelligente Mülltonnen, kostenfreie WLAN-Hotspots und kontaktloses Bezahlen im Bürgeramt: Digitale Technologien werden in Deutschlands Großstädten sehr unterschiedlich eingesetzt. Das zeigt eine Auswertung des Smart City Index des Digitalverbands Bitkom.

Die meisten bieten freies WLAN im Zentrum

Demnach bieten neun von zehn Städten ab 100.000 Einwohnern (89 Prozent) für Einwohner und Besucher ein kostenloses öffentliches WLAN. Jede sechste Stadt (17 Prozent) bieten das Netz dabei auch außerhalb des Zentrums an. Vier von zehn (38 Prozent) erlauben es den Nutzern, unbegrenzt im öffentlichen WLAN zu surfen – ohne Daten- und Zeitbegrenzung.

Im Bürgeramt machen es die meisten Städte möglich, Gebühren auch bargeldlos zu bezahlen. Während EC-Karten (79 Prozent) Standard sind, werden Kreditkarten (7 Prozent) bislang kaum akzeptiert. Auch mobiles Bezahlen ist noch die absolute Ausnahme: Lediglich drei der 81 Städte (4 Prozent) bieten dies an oder planen es.

Bei der Abfallentsorgung testen drei von zehn Städten (30 Prozent) intelligente Mülleimer oder -tonnen, die mit Füllstandssensoren ausgestattet sind. In jeder vierten Stadt (26 Prozent) gibt es Logistiklösungen wie so genannte Micro Hubs oder City Logistik Hubs, die wie die intelligenten Mülltonnen zu einer Verkehrsreduzierung in der Innenstadt beitragen können.

Baden-Württemberg und Hessen liegen vorn

Im Studienbericht werden erstmals auch regionale, demografische und weitere Einflussfaktoren für die Digitalisierung deutscher Großstädte untersucht. Kommunen in Baden-Württemberg und Hessen schneiden im Durchschnitt besonders gut ab – das zeigt sich etwa in den vorderen Platzierungen von Karlsruhe (Platz 2), Stuttgart (3), Heidelberg (6), Darmstadt (10) und Frankfurt am Main (12). Städte in Nordrhein-Westfalen sind im Schnitt weniger smart als im Rest Deutschlands. Den Spitzenplatz im gesamten Ranking nimmt übrigens Hamburg ein, das Schlusslicht bildet Salzgitter.

Auch innerhalb der Bundesländer gibt es regionale Unterschiede, wie das Beispiel Nordrhein-Westfalen ebenfalls zeigt. Städte in den nördlichen Regionen Münsterland und Ostwestfalen-Lippe wie Bielefeld (Platz 19) und Münster (27) können vor allem im Bereich Verwaltung punkten. Gute Platzierungen erreichen außerdem Bonn (Platz 7), Köln (8) und Aachen (11) im Rheinland. Lediglich das Ruhrgebiet als Region schneidet in allen Kategorien unterdurchschnittlich ab – mit Ausnahme Dortmunds auf Gesamtrang 9.

Ein Gefälle zwischen West und Ost zeichnet sich nicht ab. In der Gesamtwertung gibt es keine Unterschiede zwischen den Städten aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und dem Rest der deutschen Städte. Allerdings ist die digitale Infrastruktur ostdeutscher Städte weniger gut entwickelt, was diese in anderen Kategorien aber kompensieren können. Besonders viele Punkte in den neuen Bundesländern holen Dresden (Platz 14), Potsdam (15) und Leipzig (17).

Große Städte sind im Vorteil

Zwischen Einwohnerzahl und Platzierung im Gesamtranking gibt es einen signifikanten Zusammenhang. Besonders größere Städte ab 300.000 Einwohnern schneiden überdurchschnittlich gut ab. Am schwersten haben es kleinere Großstädte mit weniger als 150.000 Einwohnern. Die besten unter ihnen sind Ingolstadt (Platz 21) und Ulm (29). Eine hohe Einwohnerzahl allein garantiert allerdings noch keine gute Platzierung: Für Essen reicht es trotz mehr als 580.000 Einwohnern nur für Platz 52. Den größten Vorsprung haben bevölkerungsreiche Städte im Bereich Mobilität, bei den Millionenstädten ist es auch der Bereich IT und Kommunikation. In den Kategorien Energie und Umwelt, Verwaltung und Gesellschaft können dagegen auch viele kleinere Städte punkten.

Infos zur Studie

Der Smart City Index wurde 2019 mit Unterstützung von der Deutschen Telekom und Vodafone erstmals erhoben und soll künftig jährlich wiederholt werden. Die Ergebnisse sind unter www.smart-city-index.de abrufbar.

Untersucht wurden alle 81 deutschen Städte mit mindestens 100.000 Einwohnern. Den Indexwerten liegen öffentlich zugängliche Datenquellen zugrunde. Berücksichtigt wurden die fünf Kategorien Verwaltung, IT und Kommunikation, Energie und Umwelt, Mobilität sowie Gesellschaft. Allen Städten wurde die Gelegenheit gegeben, die erhobenen Informationen zu überprüfen und zu kommentieren.

Wissenswertes zum Thema
Zum Seitenanfang
Der BT-Navigator
Quicklinks