Breitbandstudie 2018

BREKO: Datentraffic und Bandbreiten im Festnetz steigen rasant

Dank der Nutzung von TV- und Streamingdiensten legt der durchschnittliche Datenverbrauch von Festnetzanschlüssen deutlich zu. Immer mehr gefragt sind zudem Highspeed-Internetanschlüsse. Das sind einige Ergebnisse der nun vorgelegten "BREKO Breitbandstudie 2018".

Glasfaser-Anschluss© Silvano Rebai / Fotolia.com

BREKO© BREKO Bundesverband Breitbandkommunikation e. V.Berlin – Wie entwickelt sich der Telekommunikationsmarkt in Deutschland? Der Branchenverband BREKO hat für die neue "BREKO Breitbandstudie 2018" unter anderem die 180 im Verband zusammengeschlossenen Netzbetreiber befragt. Der BREKO vereint nach eigenen Angaben über 80 Prozent der hierzulande tätigen Breitbandnetzbetreiber. Im vergangenen Jahr haben die BREKO-Carrier rund 8 Millionen Breitbandanschlüsse angeboten, darunter 931.000 per FTTH/B. Die aktuellen Marktdaten für das Jahr 2017 und Prognosen für die Zukunft wurden am Mittwoch von dem Telekommunikationsexperten und Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Jens Böcker im Rahmen einer BREKO-Presseveranstaltung vorgestellt.

Datenverbrauch im Festnetz nimmt stark zu

Das im Festnetz verbrauchte Datenvolumen steige von Jahr zu Jahr. 2017 lag das Datenvolumen eines Festnetzanschlusses im Durchschnitt bei 80 GB pro Monat – ein Plus von 33,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die BREKO-Prognose sieht zukünftig deutlich höhere Steigerungen vor. So wird für 2020 ein Datenverbrauch von 291 GB pro Monat sowie für 2025 gar von 825 GB monatlich erwartet. Der höhere Datentraffic sei unter anderem auf die stärkere Nutzung von TV- und Streamingdiensten zurückzuführen.

Upload-Speed wird wichtiger

Die Nachfrage nach schnellen Internetanschlüssen nehme zu. Die BREKO-Mitgliedsunternehmen prognostizieren für 2020 Download-Bandbreiten von 400 Mbit/s und Upload-Geschwindigkeiten von 200 Mbit/s. Für das Jahr 2025 geht die Prognose von 1 Gbit/s im Download sowie 700 Mbit/s im Upload aus. Deutlich wird: Der Upload gewinnt an Bedeutung.

Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Telekom 4,3 Milliarden Euro in den TK-Markt in Deutschland investiert, die Investitionen der Wettbewerber lagen mit 4,2 Milliarden Euro fast gleichauf. Die Telekom habe 2017 19 Prozent ihres Umsatzes investiert, die BREKO-Netzbetreiber dagegen sogar 25 Prozent des Umsatzes. Insgesamt würden beide Seiten mehr in den Telekommunikationsmarkt investieren.

BREKO kritisiert Doppelausbau

Der BREKO kritisierte einen Doppelausbau von Netzinfrastrukturen. 2017 gab es 32,72 Millionen Haushalte mit Anschlussbandbreiten von mindestens 50 Mbit/s. Doch für 21,25 Millionen Haushalte und somit fast 65 Prozent sei ein Doppelausbau erfolgt. Dort wo beispielsweise bereits ein schneller Kabelanschluss vorhanden war, sei etwa noch ein Glasfaserkabel verlegt worden. Professor Böcker verwies darauf, ob es nicht besser sei, dort zu bauen, wo noch keine entsprechende Netzinfrastruktur verfügbar sei wie in der Lüneburger Heide, im Harz oder in der Eifel.

Schnellere Internetanschlüsse gefragt

Daten-AutobahnHighspeed-Internetanschlüsse werden stärker nachgefragt.© kalou1927 / Fotolia.com

Die Verbraucher fragen verstärkt schnellere Internetanschlüsse nach. 2017 boten nur noch 16 Prozent der Anschlüsse aller Netzbetreiber eine Bandbreite von weniger als 10 Mbit/s. 39 Prozent der Anschlüsse erlaubten das Surfen mit Download-Geschwindigkeiten von 10 bis 30 Mbit/s. 30 Prozent der Anschlüsse, und damit 2,1 Millionen mehr als im Vorjahr, stellten Bandbreiten von 30 bis 100 Mbit/s bereit. Ein Plus von 1,3 Millionen gab es zudem bei Anschlüssen mit Surfspeed von mehr als 100 Mbit/s, diese stellten 2017 15 Prozent der Anschlüsse. Bei den BREKO-Netzbetreibern machten diese sogar 29 Prozent aller Anschlüsse aus.

Mehr Glasfaseranschlüsse verfügbar - vor allem Wettbewerber bieten FTTH/B

Die Zahl der verfügbaren Glasfaseranschlüsse auf Basis von FTTH/B legt zwar zu, ist aber im internationalen Vergleich noch bescheiden. Für 2017 wiesen die Wettbewerber 3,2 Millionen FTTH/B-Anschlüsse aus, die Telekom kam auf 0,7 Millionen solcher Glasfaseranschlüsse. Für 2020 prognostiziert der BREKO-Verband rund 7 Millionen verfügbare FTTH/B-Anschlüsse der Wettbewerber sowie 2 Millionen Glasfaseranschlüsse der Telekom. Im europäischen Vergleich lag der Anteil der Haushalte mit FTTH/B-Anschlüssen in Deutschland nur bei 3 Prozent, Spitzenreiter Lettland kommt dagegen auf einen Anteil von 50,1 Prozent.

Breitbandverfügbarkeit in östlichen Bundesländern hinkt hinterher

Die Breitbandverfügbarkeit, also von Anschlüssen mit mindestens 50 Mbit/s, lag in den Bundesländern im Schnitt bei 78,4 Prozent der Haushalte. Deutlich unter dem Schnitt lagen Brandenburg, Thüringen, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und als Schlusslicht Sachsen-Anhalt (55,1 Prozent). Nach Mecklenburg-Vorpommern fließen fast 818 Millionen Euro Breitbandausbau-Fördermittel des Bundes, Nordrhein-Westfalen konnte sich über 562 Millionen Euro Fördergelder sichern. Berlin erhält dagegen nur rund 380.000 Euro aus dem Fördertopf des Bundes. Besorgniserregend sei laut Professor Böcker, dass bislang nur ein kleiner Teil der verfügbaren Fördermittel abgerufen worden seien. Das zeige, dass der ganze Prozess zur Abrufung solcher Mittel noch zu kompliziert sei. 63,9 Prozent der Kabel-TV-Haushalte könnten Internet-Bandbreiten von mindestens 50 Mbit/s nutzen, bei Haushalten mit VDSL/DSL lag der Anteil bei 59,7 Prozent. Für 9 Prozent der Haushalte waren FTTH/B-Anschlüsse verfügbar.

BREKO sieht Trend zu stärkeren Investitionen in Netzausbau

Telekom GlasfaserDie Politik legt beim Ausbau jetzt auch den Fokus auf Glasfaserkabel.© zentilia / Fotolia.com

Die Entscheidung zum Vectoring-Ausbau im Jahr 2016 hatte laut Breko-Präsident Norbert Westfal zunächst für Unruhe und Investitionszurückhaltung bei den Unternehmen geführt. Auch das ursprünglich von der Bundesregierung anvisierte Breitbandziel von mindestens 50 Mbit/s für alle Haushalte bis Ende 2018 wird nicht realisiert. Eine erfreuliche Botschaft der Studie sei jedoch, dass die Investitionen 2017 wieder angezogen hätten. 56 Prozent der Glasfaseranschlüsse bis in Haus würden von BREKO-Mitgliedsunternehmen realisiert.

BREKO warnt vor "Förder-Tsunami"

Die Politik habe inzwischen die Bedeutung von Glasfaser verstanden. Dies sehe man auch an den bereitgestellten Förderprogrammen. Zugleich warnte Westfal vor einem "Förder-Tsunami", ein Zuviel an Fördermitteln auf einmal. Dadurch komme man schnell an die Grenzen der vorhandenen Tiefbaukapazitäten, zudem verteuere sich der Tiefbau durch die hohe Nachfrage. Die Fördermittel sollten daher besser über einen längeren Zeitraum verteilt werden.

Nachbesserungsbedarf sieht Westfal bei dem DigiNetz-Gesetz. Wo jemand einen Graben aufmache, um ein Glasfaserkabel zu verlegen, dürfe sich kein zweiter Anbieter anschließen. Selbst dann nicht, wenn er sich an den Tiefbaukosten beteilige. Denn hinter dem Ausbau stehe ein Businessmodell, das sich nur rentiere, wenn nachher auch das entsprechende Geschäft getätigt werden könnte. Andere Anbieter könnten gerne Vorleistungsprodukte des ausbauenden Unternehmens nutzen. Es müsse sichergestellt sein, dass der Ausbau ein lohnendes Modell bleibe.

Günstige Internet-Tarife finden
Top