Vorstoß

DSL-Anbieter wegen lahmer Anschlüsse zum Rapport bestellt

Angeblich hat Wirtschaftsminister Rösler die Anbieter für Anfang Juni zum Rapport bestellt, weil nur die wenigsten Nutzer den beworbenen Speed bei ihren Internetanschlüssen erreichen. Sogar eine Kontrolle der Anbieter sei im Gespräch.

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Hamburg/Linden (red) - Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge, der sich auf eine interne Notiz des Wirtschaftsministeriums beruft, soll es den häufig leeren Versprechungen vieler DSL-Anbieter (endlich, werden viele Verbraucher sagen) an den Kragen gehen. Bislang retten sich die Internetanbieter erfolgreich mit "bis zu"-Angaben, was die zu erreichende Geschwindigkeit betrifft, so dass auch diejenigen Kunden, die nur einen Bruchteil des Maximalspeeds erreichen, eigentlich nichts in der Hand haben.

Zwar eröffnen einige wenige Anbieter solch extrem ausgebremsten Anwendern die Möglichkeit einer außerordentlichen Kündigung, doch bisweilen ist der Weg bis dahin hart und steinig. Deshalb dürfte es vielen Usern zupass kommen, dass sich Wirtschaftsminister Rösler jetzt offenbar mit den DSL- und LTE-Anbietern anzulegen gedenkt. Der Minister hat laut dem Magazinbericht für den 4. Juni zu einem Treffen bei der Bundesnetzagentur eingeladen. Dann soll der Dauerverdruss der Kunden zur Sprache kommen.

Die Anbieter sollen offenbar kontrolliert werden

Die Unternehmen stünden "in der Pflicht, die Versorgung ihrer Kunden ihren vertraglichen Zusagen entsprechend zu verbessern", zitiert das Magazin aus dem internen Papier. Dort allerdings dürfte auch die Crux liegen: Durch den Zusatz von "bis zu xx GB im Down- oder Upstream" glauben sich die Provider auf der sicheren Seite. Offenbar will Röslers Ministerium den Anbietern mit Kontrollen drohen, sollten weiterhin so wenige Kunden wie bisher den versprochenen Maximalspeed erreichen.

Die Kabelkunden kommen im Schnitt besser weg

Verschiedenen Messungen zufolge erreicht nur ein Bruchteil aller Kunden den Maximalspeed, mit dem die Anbieter werben. Laut der jüngsten Untersuchung der Netzagentur erreichen diesen nur 19,5 Prozent aller Endnutzer. Bei fast 70 Prozent werde nicht mal die Hälfte der beworbenen Geschwindigkeit erreicht. Besonders eklatant sei der Unterschied zwischen Werbeversprechen und Realität bei den funkbasierten LTE-Anschlüssen: Dem Bericht zufolge surften nur 1,6 Prozent der LTE-Kunden, die eigentlich in diese Anschlussklasse fallen, auch tatsächlich mit 25 bzw. 50 Mbit/s. Bei den Kabelkunden seien laut Netzagentur weniger häufig solch eklatante Missverhältnisse festzustellen.

Und was sagen die Anbieter dazu? Sie berufen sie sich auf methodische Schwächen der Netzagentur-Studie - und sie weisen (zu Recht) darauf hin, dass manchmal auch die verwendete Hardware den Anschluss ausbremst. Dass jedoch derart viele Anschlüsse vom Start weg lahm sind, ohne dass sich der Anwender etwas hat zuschulden kommen lassen, haben auch andere ähnlich gelagerte Untersuchungen festgestellt - und das dürfte für einen FDP-Minister, der sich kurz vor der Bundestagswahl als Anwalt der kleinen Leute zu positionieren versucht, ein gefundenes Fressen sein.

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