Hackerangriff

Gmail-Konten von US-Regierungsvertretern geknackt

Private E-Mail-Konten von US-Regierungsvertretern und chinesischen Aktivisten beim E-Mail-Dienst Gmail sind Ziel eines Hackerangriffs aus China geworden. Es sind auch Konten von Militärs und Journalisten betroffen.

06.06.2011, 08:58 Uhr
Breitband© Jakob Radlgruber / Fotolia.com

San Francisco/Singapur (afp/red) - Die Hackerattacke sei "kürzlich" entdeckt und inzwischen gestoppt worden, teilte der Internetriese Google mit, der Gmail anbietet. Die chinesische Regierung wies jegliche Beteiligung an dem Angriff von sich.

Konten von Militärs und Aktivisten betroffen

Der für Sicherheit zuständige Google-Manager Eric Grosse schrieb am Mittwoch in einem Internet-Blog, es seien hunderte private E-Mail-Konten betroffen gewesen, unter anderem von US-Regierungsvertretern, Aktivisten aus China, US-Militärs, Journalisten sowie Regierungsvertretern aus mehreren asiatischen Ländern, in erster Linie Südkorea. Die Betroffenen seien informiert und ihre Konten gesichert worden. Außerdem habe Google die Behörden informiert. Die Firmensysteme und Server des im US-Bundesstaat Kalifornien ansässigen Unternehmens waren den Angaben zufolge nicht betroffen, auch offizielle Konten der Regierung scheinen nicht geknackt worden zu sein.

Wahrscheinlich Phishing-Angriff

Ziel der Attacke sei es vermutlich gewesen, über das sogenannte Phishing an Passwörter heranzukommen, um den E-Mail-Verkehr der Betroffenen zu überwachen, schrieb Grosse. Mit Hilfe der gestohlenen Passwörter seien etwa Einstellungen zum Weiterleiten von E-Mails verändert worden. Der Angriff sei anscheinend von Jinan aus geführt worden, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Shandong im Osten des Landes. Beim Phishing werden Nutzer etwa mit gefälschten E-Mails zur Preisgabe geheimer Daten gebracht.

Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte zum neuesten Hackerangriff auf Gmail, es sei "inakzeptabel", China für die Attacke verantwortlich zu machen. Vorwürfe, die chinesische Regierung unterstütze Hackerangriffe, seien falsch. Google hat bislang in diesem Fall keine Vorwürfe gegen die chinesischen Behörden erhoben. "Die chinesische Regierung lehnt kriminelle Aktivitäten immer ab, das umfasst auch Hackerangriffe und andere Aktivitäten, die das Internet schädigen", sagte der Sprecher des Außenministeriums. Entsprechende Taten würden bestraft.

Gesetzliche Maßnahmen sollen diskutiert werden

Die USA und Großbritannien haben einen internationalen Kampf gegen Hackerangriffe gefordert. Großbritanniens Verteidigungsminister Liam Fox kündigte am Samstag bei dem Treffen in Singapur eine internationale Konferenz in London an, die sich mit der Problematik befassen solle. Bei dem Treffen, das noch in diesem Jahr stattfinden solle, müssten gesetzliche Maßnahmen diskutiert werden, sagte Fox. US-Verteidigungsminister Robert Gates forderte, mittels internationaler Regeln festzulegen, welche Bedrohungen hinnehmbar, strafbar oder sogar als "kriegerische Handlung" zu werten seien.

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