Ankündigung

Google-Nutzer können Datenschutz künftig selbst regeln

Der wegen seiner Datenschutzpolitik zuletzt in die Kritik geratene Internetriese Google will seinen Nutzern künftig eine bessere Kontrolle über ihre ins Internet gestellten Informationen ermöglichen.

05.11.2009, 15:47 Uhr
www© Paulus Rusyanto / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Das am Donnerstag freigeschaltete Google Dashboard bietet einen Überblick über die gespeicherten Daten. Nutzer können damit relativ schnell und unkompliziert Dateneinstellungen für Dienste für Google Mail oder YouTube vornehmen.

Google ist schon längst nicht mehr nur eine Suchmaschine. Nutzer können bei dem Internetkonzern auch Dokumente erstellen und speichern, E-Mails schreiben oder ihren Terminkalender verwalten. In Deutschland wird die Datenschutzpolitik des Konzerns mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Im August war Google zur Änderung seiner Allgemeinen Geschäftsbedingungen verurteilt worden, weil nach Ansicht der Richter mehrere Klauseln dem Konzern einen zu weitreichenden Zugriff auf Kundendaten ermöglichte. Die Entwicklung des Dashboards begann nach Konzernangaben aber schon vor dem Urteilsspruch.

Überblick über alle Einstellungen

Die neue Anwendung kann von allen Inhabern eines Google-Kontos genutzt werden. Das Dashboard listet sämtliche Dienste auf, die der Kunde nutzt, und gibt ihm einen Überblick etwa über geschickte Mails, Chat-Beiträge oder hochgeladene Bilder. Parallel dazu hat der Nutzer über Links einen schnellen Zugriff auf seine Sicherheitseinstellungen in den jeweiligen Diensten.

Bislang werden mehr als 20 Google-Dienste in der Anwendung erfasst, darunter neben Google Mail und dem Kalender auch das Videoportal YouTube und der Bilderdienst Picasa. Noch nicht integriert wurde die Toolbar. Diese soll Internetnutzern das Surfen im Internet erleichtern und ihnen einen besseren Überblick verschaffen. Die Toolbar zeichnet aber auch Suchanfragen und besuchte Internetseiten auf; ihre Nutzer bekommen zudem eine eindeutige Nummer zugeteilt.

Manches bleibt ausgespart

Ebenfalls keinen Zugriff bietet das neue Werkzeug auf von Google gesammelte Informationen über die IP-Adresse, mit der Surfer im Internet eindeutig zu identifizieren sind. Diese Adressen werden außerhalb der personalisierten Bereiche von Google gespeichert, ebenso wie die sogenannten Cookies, die Angaben über das Surfverhalten enthalten und etwa das Anzeigen interessenbasierter Werbung ermöglichen.

Mit dem neuen Produkt wolle Google den Nutzern mehr "Transparenz und Kontrolle über ihre Daten" geben, sagte Wieland Holfelder, Leiter des Google-Entwicklungszentrums in München, wo das Dashboard maßgeblich entstand. Es sei wichtig, "dass sich Nutzer bewusst sind, welche Daten online sind und wie sie diese steuern könnten". Das Münchner Entwicklungszentrum von Google mit seinen mehr als 60 Mitarbeitern will sich laut Holfelder auch künftig verstärkt Datenschutz-Projekten widmen.

Der Nutzer in der Verantwortung

Der Hamburger Datenschutz-Beauftragte Johannes Caspar bewertete die neue Anwendung positiv. Das Dashboard stärke die Eigenverantwortung im Umgang mit den Daten, erklärte er laut Google. Caspar hatte das Unternehmen kürzlich wegen des Straßenfoto-Dienstes Street View gerügt, nachdem Google-Mitarbeiter ohne ausreichende Absprache Straßenzüge fotografiert hatten. Google Street View bietet 360-Grad-Bilder von Straßenzügen größerer Städte, für Deutschland ist der Dienst in Vorbereitung. Datenschützer kritisieren, dass die Fotos nicht nur die Gebäude, sondern auch Menschen und Autos zeigen.

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