Datenschutz

Google Street View sammelte private WLAN-Daten

Google hat nun doch eingeräumt, für den Street View Dienst persönliche Daten aus drahtlosen WLAN-Netzen aufgezeichnet zu haben. Betreffen könnten das beispielsweise Inhalte aus privaten E-Mails. Schuld sei ein Programmierfehler gewesen.

17.05.2010, 10:01 Uhr
VPN© Alisa Tsoy / Fotolia.com

New York/Berlin (afp/red) – Google hatte bisher erklärt, für seinen Straßenfoto-Dienst Street View lediglich den Namen und die Adresse von Drahtlosnetzwerken (WLAN) zu speichern. Eustace, der stellvertretender Leiter der Google-Forschungsabteilung ist, räumte nun jedoch ein, dass die speziell ausgerüsteten Fahrzeuge, die in mehr als 30 Ländern Fotos von Straßenzügen und Häusern gemacht haben, aus ungesicherten Netzwerken auch private Daten der Internetnutzer gesammelt haben.

Softwarefehler sei Schuld an Panne

Nach Google-Angaben wurden persönliche Daten im Umfang von insgesamt 600 Gigabyte gespeichert. Eustace machte keine Angaben dazu, um welche Art von Daten es sich dabei handelt. Dies könnten beispielsweise E-Mails und andere Informationen sein, die über Netzwerke ohne Passwort verschickt wurden. Die Speicherung sei wegen eines Programmierfehlers "versehentlich" geschehen, erklärte Eustace. "Das Vertrauen der Menschen zu erhalten, ist für alles, was wir tun, entscheidend, und in diesem Fall haben wir das verfehlt." Sein Konzern habe die Panne entdeckt, nachdem die Hamburger Datenschutzbehörde eine entsprechende Anfrage gestellt habe.

Daten sollen gelöscht werden

Google werde die Daten "so schnell wie möglich" vernichten und werde dazu Kontakt zu den Behörden der betroffenen Länder aufnehmen, schrieb der Google-Manager weiter. Die Street-View-Fahrzeuge seien einstweilen gestoppt worden. Sie waren neben Deutschland unter anderem auch in den USA, in Australien, Südafrika, Mexiko und etlichen europäischen Staaten unterwegs.

Datenschützer sind alarmiert

Es sei "alarmierend", dass Google offenbar über Jahre hinweg in private Datennetze "eingedrungen" sei, erklärte ein Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums am Samstag in Berlin. Der Vorgang sei "ein weiterer Beleg dafür, dass Datenschutz für Google noch immer ein Fremdwort ist". Der Konzern müsse endlich offenlegen, welche Daten bei Street View erfasst, gespeichert, vernetzt und vermarktet werden - und wie die unzulässig erhobenen Angaben gelöscht werden. Der Fall mache erneut deutlich, wie wichtig die Verschlüsselung privater Funknetze sei, erklärte der Sprecher.

Die Aufnahmen sind umstritten

In Deutschland gibt es zahlreiche Widerstände gegen den Straßenfoto-Dienst. Deswegen hatte sich Google mit Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) darauf geeinigt, dass Street View in Deutschland erst gestartet wird, wenn die von Bürgern eingereichten Widersprüche vollständig umgesetzt sind. Zuvor müssen die betroffenen Wohnungen, Häuser und Gärten vollständig unkenntlich gemacht werden. Datenschützer kritisieren, dass die Fotos Dieben oder Einbrechern in die Hände spielen könnten.

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