P2P

Netzwerke ohne Server: Jeder Nutzer hilft mit

Die Idee entstammt der Peer-to-Peer-Technik, wie man sie von Musiktauschbörsen kennt: Bandbreite, Speicherplatz und Rechenleistung werden auf die Nutzer verteilt. Das spart viel Geld - so wären zum Beispiel weniger Werbebanner nötig.

VoIP Tarife© goodluz / Fotolia.com

Darmstadt (ddp/red) - Für Nutzer sind sie meist gebührenfrei, und doch verursachen sie Kosten in Millionenhöhe: Soziale Netzwerke im Internet sprießen wie Pilze aus dem Boden. Facebook, StudiVZ, Wer-kennt-wen, Xing und Co. haben unterschiedliche Zielgruppen - doch sie haben auch alle eines gemeinsam: Ihre Server kosten Geld. Bei LifeSocial ist das anders, denn die Entwicklung der Technischen Universität (TU) Darmstadt kommt ohne Server aus, indem sie die Rechenlast auf ihre Nutzer verteilt.

P2P für Server

Kalman Graffi vom Fachbereich Multimedia Kommunikation (KOM) an der TU hat die neue Netzwerk-Architektur maßgeblich mit entwickelt. Auf der Suche nach Alternativen zu den serverabhängigen Netzwerk-Architekturen wurden die Forscher in der Peer-to-Peer-Technik (P2P) fündig, die bislang vor allem im Bereich der Internet-Tauschbörsen oder beim Internettelefonieren verwendet wurde.

"Bandbreite, Speicherplatz und Rechenleistung werden auf die Nutzer verteilt", sagt Kalman Graffi. "Die vielen kleinen Beiträge jedes Teilnehmers ersetzen dann die Server." Die Abkehr von der "Client-Server-Technik", bei der alle Nutzer (Clients) über den Server miteinander verbunden sind, bietet Betreibern wie Nutzern Vorteile, meint Graffi. Die Betreiber sparen bares Geld. "Facebook hat mal ausgerechnet, dass jeder Nutzer pro Jahr im Schnitt einen Dollar kostet", erzählt der Diplom-Informatiker. Bei 100 Millionen Nutzern komme da "ganz schön was zusammen".

Weniger Werbung nötig

Der Server-Wegfall habe aber noch einen weiteren Aspekt für die Nutzer. Weil die Betreiber nun weniger Geld für Technik und Strom ausgeben müssen, müssten sie theoretisch nicht mehr so viele Werbebanner schalten. Auch die Auswertung oder gar der Verkauf von Nutzerdaten, um einzelne Teilnehmer mit gezielter Werbung anzusprechen, fielen weg. "Unsere Idee gäbe den Nutzern ein Stück Kontrolle zurück", betont Graffi. Der "gläserne Nutzer" wäre passé. In etwa einem halben Jahr will die TU-Gruppe eine Test-Version von LifeSocial freischalten.

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