M2M

Plausch unter Maschinen: Wie Geräte miteinander sprechen

Bald sollen bis zu 50 Milliarden Geräte weltweit miteinander vernetzt sein, was den einen oder anderen Arbeitsplatz kosten dürfte. Die Mobilfunker hingegen erhoffen sich einen lukrativen Wachstumsmarkt.

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Hannover (dapd/red) - Ein Mann steht vor einem Automaten, der eine bunte Auswahl an Schokoriegeln bietet. Anstatt Kleingeld hineinzuwerfen und zu hoffen, dass die Maschine die Münzen akzeptiert, muss der Schokoladenliebhaber hier eine 0800er-Nummer wählen. Kostenlos soll das sein. "Das glaube ich nicht", sagt der Messebesucher und zögert. Dann probiert er es doch. Sekunden später hat er die Wahl: Twix, Snickers oder M&Ms. "Ich bin fassungslos", sagt er und greift nach der Schokolade im Ausgabefach.

Nicht alle Entwicklungen der IT-Branche heben die Menschheit auf ein höheres Entwicklungsniveau. Aber manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Weg in ein neues Zeitalter andeuten. Erst sprachen Menschen mit Menschen, dann kommunizierten Menschen mit Maschinen - etwa mit einem Süßigkeitenautomaten. Viel mehr noch erhoffen sich die Pioniere der Computerbranche aber von dem neuesten Trend: Maschinen kommunizieren mit Maschinen.

Menschen werden kaum noch gebraucht

So könnte der Automat ständig an die Zentrale funken, wie viel Schokolade noch da ist und ob die Kühlung funktioniert. Ein Techniker muss nur dann noch kommen, wenn dem Gerät die Vorräte ausgehen oder es eine Panne gibt. Routine-Kontrollen entfallen. Egal ob Navigationsgeräte im Auto, die Steuerung der Hauselektronik oder das intelligente Stromnetz - die Zahl möglicher Einsatzfelder ist groß.

Zahlreiche Aussteller auf der Cebit in Hannover berauschen sich an dem Gedanken, ein neues Geschäftsfeld gefunden zu haben. Experten sagen voraus, dass schon 2020 bis zu 50 Milliarden Maschinen miteinander im Austausch stehen könnten. Der Mensch spielt dabei nur noch ab und zu eine Rolle, meist sind die Apparate allein mit ihrem Plausch.

Besonders interessant ist die sogenannte Machine-to-Machine (M2M) Kommunikation für die Mobilfunkgesellschaften. Denn deren klassisches Geschäft mit Telefonaten und SMS stößt in den Industriestaaten an Grenzen. Jeder Bundesbürger hat bereits statistisch gesehen mehr als ein Handy, und das Telefonieren wird immer billiger. Aber auch die Mobilfunktechnik wird günstiger und die Kapazität der Netze steigt.

Taxis tauschen permanent Daten aus

In Berlin etwa stehen manche Taxis bereits in ständigem Kontakt zueinander: Die Fahrer können sich anzeigen lassen, welcher Stand am meisten Umsatz macht. Die Kunden werden von dem Auto angesteuert, das den kürzesten Weg zu ihnen hat. Außerdem verhindert das System, das zu viele Taxis in einer Gegend unterwegs sind, während es woanders zu wenige gibt. Die Taxigesellschaft arbeitet dabei mit Software, Satellitenkommunikation und Datenverkehr via Mobilfunk. Der Anbieter Vodafone ist im Boot. Innerhalb der nächsten fünf Jahre solle das Volumen mit M2M vervierfacht werden, sagt Jan Geldmacher, Vodafone-Geschäftsführer für das Firmenkundengeschäft. Aber auch O2, Telekom und E-Plus haben sich auf das Zukunftsthema gestürzt.

Ein großes Thema ist dabei das sogenannte intelligente Stromnetz, das die unplanbare Stromproduktion von Solar- und Windkraftanlagen mit dem Verbrauch der Haushalte unter einen Hut bringen soll. Wenn das Windrad und die Waschmaschine miteinander reden könnten, dann könnte die Wäsche immer dann gewaschen werden, wenn der Wind weht und es ausreichend Strom gibt.

Ob es wirklich bald schon 50 Milliarden Maschinen gibt, die sich untereinander austauschen, bezweifeln aber selbst Vertreter der Branche. Es handele sich wohl eher um eine theoretische Größe, sagt Marco Fiene von MC Technologies, der auf der Cebit mögliche Anwendungen von M2M demonstriert. Sein Unternehmen setzt trotzdem auf die neue Technik, denn um einen Wachstumsmarkt handele es sich allemal.

Technik könnte manche Techniker überflüssig machen

Das Datenvolumen sei bei vielen Geräten aber gering, weshalb sich die Mobilfunkanbieter auch nicht zu viel Hoffnung auf riesige Umsätze machen sollten, sagt Fiene. Ein Datenvolumen von 5 Kilobyte pro Monat sei für die regelmäßigen Meldungen eines Kopierers an die Zentrale ausreichend. Dafür könne das notwendige Sendemodul, das über eine SIM-Karte verfügt, mit ganz wenig Energie betrieben werden, zum Beispiel mit einer kleinen Solarzelle.

Schlecht ausgehen könnte das M2M-Wachstum allerdings für viele Techniker. Wenn die Maschine selbstständig ihre Betriebsdauer und ihren Füllstand meldet, muss niemand mehr für Routinekontrollen oder zum Ablesen des Zählers kommen.

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