Nachgefragt

Vor Corona: Ü30er griffen eher zur Webcam als junge Menschen

Utensilien wie die Webcam und Online-Dienste wie das Videotelefonieren erleben im Zuge der Corona-Pandemie einen Boom. Eine Umfrage zeigt, dass ausgerechnet die Generation Z zuvor weniger Umgang mit bestimmten digitalen Angeboten hatte als Menschen über 30.

Diana Schellhas, 19.05.2020, 10:35 Uhr
VoIP Tarife© goodluz / Fotolia.com

Die Digitalisierung ist im Leben junger Deutscher offenbar weniger ausgeprägt als angenommen. 40 Prozent der sogenannten Generation Z haben beispielsweise erst während der Corona-Krise zum ersten Mal Videotelefonie genutzt. Das zeigt eine repräsentative Innofact-Umfrage im Auftrag von Verivox.

Vergleich: Wer nutzt Webcams zum ersten Mal?

Ebenfalls Neuland war für 20 Prozent der Befragten zwischen 18 und 29 Jahren die Nutzung einer Webcam. Rund 18 Prozent haben während des Corona-Lockdowns zum allerersten Mal einen Podcast angehört. "Die Nutzung digitaler Dienste ist hierzulande in allen Altersgruppen ausbaufähig", sagt Eugen Ensinger, Verivox-Telekommunikationsexperte. "Überraschend ist das vor allem bei der jungen Generation, der eigentlich ein komplett digitalisierter Alltag nachgesagt wird."

In den beiden anderen Altersgruppen ab 30 bzw. ab 50 Jahren liegen die Zahlen der Erstnutzer deutlich niedriger und sinken auf bis zu 7 Prozent (Podcast), 11 Prozent (Webcam) und 21 Prozent (Videotelefonie).

Digitale Angebote werden in der Corona-Krise beliebter

Doch offensichtlich sorgte der Lockdown bei vielen Jüngeren für einen Digitalisierungsschub: 32 Prozent haben jetzt zum ersten Mal an einem virtuellen Fitnesstraining teilgenommen, ein Konzert ohne Zuschauer haben erstmalig 21 Prozent angesehen. 25 Prozent feierten virtuell mit Freunden und Familie oder teilten online ein gemeinsames Hobby. Auch im beruflichen Umfeld betraten einige junge Menschen digitales Neuland: 25 Prozent besuchten zum ersten Mal ein Webinar und 18 Prozent ein Afterwork-Treffen mit Kollegen. Freizeitangebote wie virtuelle Vereinstreffen oder Gottesdienste waren mit 9 bzw. 10 Prozent weniger beliebt – ältere Menschen nahmen daran noch seltener teil.

Viele wollen verstärkt per Videotelefonie Kontakt halten

Seit der Corona-Krise wird in Deutschland rund doppelt so viel telefoniert wie zuvor. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass die gestiegene Nutzung nachhaltig sein könnte", sagt Ensinger. "Über die Hälfte der jungen Menschen will das Handy häufiger zum Telefonieren verwenden als vor der Kontaktsperre. Für die Nutzung von Videotelefonie geben das sogar 59 Prozent an." Über alle Altersgruppen hinweg wollen die Deutschen künftig vor allem Online-Nachrichtenseiten und Videotelefonie mit 39 bzw. 35 Prozent häufiger nutzen als vor der Krise.

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