Marktstudie

Deutsche surfen mehr und telefonieren weniger

Der aktuellen Marktstudie des VATM zufolge telefonieren die Deutschen immer weniger. Dafür steigt der Datenverbrauch weiter an. Bei den Glasfaser-Anschlüssen geht es langsam voran, der VATM fordert jedoch eine Mindestversorgung von einem GB als politisches Ziel.

Breitband© Jakob Radlgruber / Fotolia.com

Berlin – Der Gesamtumsatz mit Telekommunikationsdiensten in Deutschland wird 2016 voraussichtlich mit 60,5 Milliarden Euro leicht steigen (+ 0,5 Milliarden Euro). Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 0,8 Prozent. Prof. Dr. Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen, Gesellschafter von Dialog Consult, stellte die Ergebnisse der 18. gemeinsamen TK-Marktstudie der Unternehmensberatung und des Wettbewerber-Verbands VATM in Berlin vor.

Telekom wächst, Wettbewerber haben es schwer

Während die Telekom ihre Festnetzumsätze von 2013 bis 2016 um eine Milliarde Euro steigern kann, verlieren die TK-Wettbewerber im gleichen Zeitraum 1,3 Milliarden Euro Umsatz. Der Zuwachs bei der Telekom beträgt in diesem Jahr 0,6 Milliarden Euro. Das könnte unter anderem an der Einführung von Vectoring liegen, meint Gerpott. Die TK-Wettbewerber müssen zudem für den Zugang zur letzten Meile zum Kunden zahlen, bei Zugängen auf Basis eines virtuellen Bitstrom-Zugangs, wie ihn derzeit die Bundesnetzagentur (BNetzA) vorsieht, könnten die Mietpreise auf bis zu 83 Prozent des Umsatzes steigen.

Leichter Umsatz-Rückgang im Mobilfunk

Einen Anstieg der Festnetzumsätze von 5,2 auf 5,4 Milliarden Euro (+ 3,8 Prozent) verzeichnen die Kabelnetzbetreiber, während die TK-Wettbewerber 0,2 Milliarden Euro Umsatz weniger verbuchen als im Vorjahr (- 1,4 Prozent). Der Umsatz im Mobilfunkbereich wird leicht um rund 0,1 Milliarden Euro auf 26,4 Milliarden Euro zurückgehen (-0,4 Prozent). Der leichte Rückgang habe mehrere Ursachen, erläuterte Gerpott: Preissenkungen, Tarifoptimierungen der Kunden, Roaming-Umsatzrückgänge und Rückgänge bei den Terminierungsentgelten.

Mehr Glasfaser-Anschlüsse

Die Zahl der Festnetz-Breitbandanschlüsse steigt in diesem Jahr erneut: Sie nimmt um rund 0,5 Millionen auf 31,2 Millionen zu (+ 1,6 Prozent). Etwa 2,7 Millionen Haushalte (+ 590.000) werden in Deutschland Ende 2016 an Glasfasernetze mindestens bis zum Gebäudekeller (FTTB/FTTH) angeschlossen sein – ein Viertel mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Haushalte, die diesen Anschluss auch buchen, legt im Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent auf 791.000 zu. Neun von zehn Haushalten, die Ende 2016 einem FTTB/H-Anschluss nutzen, beziehen diese nicht von der Telekom, sondern von einem alternativen Carrier.

Weniger Telefonie, mehr Daten

Das Gesamtdatenvolumen des Breitband-Internetverkehrs im Festnetz wird um ein Fünftel auf 13,8 Milliarden Gigabyte steigen. In den Mobilfunknetzen steigt das Volumen laut Schätzung um 31 Prozent auf 774 Millionen Gigabyte. 2016 werden die Datendienste 44,7 Prozent (+ 4,7 Prozent) der Mobilfunk-Umsätze ausmachen.

Seit 2012 telefonieren die Nutzer in Deutschland weniger – 2016 sind es insgesamt 940 Millionen Minuten täglich (- 7 Millionen Minuten pro Tag). Erstmals wird in diesem Jahr weniger via Mobilfunk gesprochen als im Vorjahr (- 9 Millionen Minuten täglich). Software-basierte Anwendungen wie Skype gewinnen weiter an Bedeutung, können aber diesen Verlust nicht kompensieren.

Forderungen des VATM

Prognosen zufolge würden bis 2025 75 Prozent aller Haushalte Bedarf für eine Breitbandanbindung haben, die nicht auf Basis von Kupferleitungen bedient werden könne. Neben Kabel mit Docsis 3.1 und der nächsten Mobilfunk-Generation 5G benötigten Gesellschaft und Wirtschaft daher flächendeckend leistungsfähige Glasfasernetze bis ins Gebäude.

"Der Anschluss aller Privathaushalte und Unternehmen – unter Einbeziehung des ländlichen Raums – an Höchstgeschwindigkeitsnetze mit einer Mindestversorgung von 1 Gbit/s bis 2025 muss als politisches Ziel definiert werden", fordert VATM-Präsident Martin Witt. Die Förder- und Regulierungspolitik müsse aus Sicht des VATM schnellstmöglich klar darauf ausgerichtet werden, ohne das Breitbandziel 2018 aus dem Auge zu verlieren. "Einen weiteren großen Effekt auf dem Weg zur Gigabit-Gesellschaft brächte die Veräußerung der staatlichen Telekom-Aktienanteile", so Witt.

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