Kampagne "NoNotruf"

Hunderte überflüssige Notrufe am Tag

Eine zugelaufene Katze, Ärger mit der Rückgabe von Pfandflaschen oder gar die Frage nach dem Weg: Viele rufen aus Unwissenheit oder Spaß den Notruf an und blockieren damit die Leitungen. Die Berliner Polizei will jetzt mit einer Kampagne aufklären.

SchadenmeldungDie Notruf-Leitungen sollen für echte Notfälle frei bleiben.© Dan Race / Fotolia.com

Berlin – Die Berliner Polizei hat am Montag eine einwöchige Kampagne gegen überflüssige 110-Notrufe gestartet. Über Twitter und Facebook wurden skurrile und nervige Beispiele veröffentlicht, bei denen jemand die Telefonnummer 110 ohne tatsächlichen Grund gewählt hat. Das Motto der Aktion lautet: "NoNotruf".

Kein Fall für den Notruf

Beim ersten Beispiel im Twitter-Einsatzkanal der Polizei beschwerte sich ein Anrufer: "Der Ladenbetreiber will meine Pfandflaschen nicht annehmen, der muss die doch zurücknehmen." Es ging dann weiter mit: "Können Sie mir sagen, wo das Amtsgericht Tiergarten ist?", "Meine Schwiegertochter will an mein Erbe" und "Mir ist eine Katze zugelaufen. Wollte fragen, ob die jemand vermisst."

Überflüssige Anrufe blockieren die Leitungen

Die Polizei beklagt schon länger, dass viele Anrufer aus Spaß, Unwissenheit oder um zu ärgern die Notruf-Nummer wählen. Von rund 1,3 Millionen Notrufen im Jahr gibt es laut Polizei bei 300.000 keinen Grund für einen Polizeieinsatz. Das sind durchschnittlich 820 überflüssige Anrufe pro Tag. Sie blockieren so kurzzeitig eine der Telefonleitungen und sorgen für Wartezeiten bei den echten Notfällen.

De Berliner Polizei musste kürzlich eingestehen, die 110-Anrufer immer länger in der Warteschleife hängen zu lassen. Im ersten Halbjahr 2016 wurden nur 62 Prozent der Notrufe innerhalb der ersten zehn Sekunden angenommen. Alle anderen mussten länger warten, zum Teil mehrere Minuten. 2014 und 2015 kam die Polizei immerhin noch auf eine Quote von 70 Prozent. Erklärtes Ziel ist es aber, 90 Prozent der Anrufe nach spätestens zehn Sekunden anzunehmen.

Gedankenlos, dreist oder naiv?

Yvonne Tamborini vom Internet-Team der Berliner Polizei beschreibt es so: "Ein Großteil der Leute ist nicht mehr sensibel für diese Telefonnummer. Das Bewusstsein, dass die 110 für Notsituationen gedacht ist, ist nicht mehr vorhanden." Das zunehmende Problem liege auch an den Handys, die jeder bei sich trage, sagt sie. Die Versuchung, einfach schnell die Polizei anzurufen, um sie auch bei Banalitäten um Rat zu fragen, ist groß.

Ob die Anrufer vor allem gedankenlos, naiv oder auch dreist sind, ist schwer zu sagen. "Ich krieg mein kaputtes Fahrradschloss nicht auf. Könnt ihr mir helfen?" Ein weiterer Anrufer ist ebenfalls ratlos: "Ich habe aus Versehen meine Telefongebühren an den falschen Anbieter überwiesen."

Polizei kann Missbrauch leicht verfolgen

Vielen Anrufern ist vielleicht nicht klar, dass die Polizei die Telefonnummer auch dann erkennen kann, wenn sie am Gerät unterdrückt wird. Auf einem Bildschirm wird zudem der Standort des Anrufers angezeigt. Gezielter Missbrauch könnte verfolgt werden. Meist beenden die Polizisten aber nur bestimmt das Gespräch. Sie können auch einen Knopf für eine schnelle Bandansage drücken: "Das ist kein Grund für einen Notruf bei der Polizei Berlin."

Alternative Bürgertelefon

Tamborini appelliert: "Niemand sollte einfach aus Bequemlichkeit den Notruf wählen und andere dafür in der Warteschleife hängen lassen. Einfach mal an die Mitmenschen denken, wäre gut." Für normale Fragen gibt es ein extra Bürgertelefon der Polizei (030 4664 4664).

Quelle: DPA

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