Marktstudie

Mobilfunk kann Festnetz nicht komplett ersetzen

Obwohl Marktbeobachter schon vor Jahren das Ende der Festnetz-Telefonie vorausgesagt haben, gibt es noch immer fast 37 Millionen feste Telefonanschlüsse in Deutschland. Das Festnetz lebt - und kann noch nicht komplett vom Mobilfunk ersetzt werden.

Telefon© Peter Atkins / Fotolia.com

Heidelberg (red) - Vor rund zehn Jahren waren sich die meisten Marktbeobachter einig: Das Festnetz wird aussterben. Wenn im Durchschnitt jeder Einwohner ein Handy hat, wozu braucht es dann noch die klassische Telefonie? Doch diese Prognose war verfrüht: Das Festnetz lebt mehr als je zuvor. Das zeigt eine Marktstudie des unabhängigen Verbraucherportals Verivox.

Festnetztarife sind viel günstiger geworden

Im Jahr 2005 wurde die erste Telefon-Flatrate der Telekom vorgestellt. Der reine Telefontarif kostete 39,95 Euro im Monat; zusätzlich wurde in andere deutsche Telefonnetze noch ein Aufschlag für jede Minute fällig. Heute erhalten Kunden zum gleichen Preis neben der Telefon-Pauschale eine sehr schnelle Internet-Flatrate mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde.

"Die deutlich verbesserten Konditionen sind ein Grund für die Renaissance des Festnetzes", sagt Telekommunikationsexperte Sven Ehrmann, Mitglied der Geschäftsleitung bei Verivox. "Verbraucher können heute über das klassische Festnetz sehr günstig telefonieren – inzwischen gibt es Flatrates fürs In- und Ausland. Pauschalen für Kerneuropa kosten weniger als vier Euro im Monat."

Investitionen in Festnetz und Mobilfunk

Die Zahl der stationären Telefonanschlüsse liegt seit Jahren recht stabil und beträgt derzeit knapp 37 Millionen. Die Bedeutung des Festnetzes lässt sich auch an der Höhe der Investitionen ablesen: Von 2005 bis 2013 haben die Betreiber über 36,8 Milliarden Euro in den Ausbau stationärer Netze investiert, in Mobilfunkanlagen jedoch nur 20,8 Milliarden (Zahlen: Bundesnetzagentur, VATM und WIK).

Das Internet hat sich von Grund auf verändert

Der zweite wesentliche Grund für die gestiegene Bedeutung des Festnetzes, so Ehrmann, sei jedoch die Entwicklung zuvor unbekannter Internet-Anwendungen: "Seit dem Start von YouTube vor zehn Jahren hat sich die Nutzung des Internets komplett verändert. Die heutigen Dienste erfordern schnelle und vor allem stabile Verbindungen. Vor zehn Jahren surften die meisten Deutschen mit ein oder zwei Megabit – diese Geschwindigkeit reicht lediglich zum gelegentlichen Surfen oder zum Abruf von E-Mails aus. Das ist für heutige Erfordernisse viel zu wenig."

Das Festnetz hat seine Vorteile

Zwar können Internetnutzer heute auch mit mobilen Geräten vielfach hohe Bandbreiten nutzen. Doch anders als im Festnetz werden Tarife im Mobilfunk stets ab einer bestimmten Grenze gedrosselt. Deshalb bleiben feste Internetanschlüsse weiterhin wichtig, sagt Ehrmann: "Die Nutzung des mobilen Internets ist für die meisten Verbraucher nicht mehr wegzudenken. Gleichwohl ist der gestiegene Bedarf nach höheren Geschwindigkeiten mit mobilen Anschlüssen alleine nicht zu bewältigen."

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