Günstiger

Netzagentur will Entgelte für Telekom-Wettbewerber senken

Die Bundesnetzagentur hat vorgeschlagen, die TAL-Entgelte für Telekom-Wettbewerber leicht zu senken. Diese Entgelte müssen für die Nutzung der Telekom-Infrastruktur gezahlt werden. Die Telekom selbst würde die Gebühren lieber erhöhen.

Bundesnetzagentur Die Bundesnetzagentur hat eine leichte Absenkung der TAL-Entgelte vorgeschlagen.© Bundesnetzagentur

Bonn – Die aktuellen TAL-Entgelte, also die monatlichen Mietgebühren, die die Wettbewerber für die Nutzung der Teilnehmeranschlussleitung an die Deutsche Telekom (www.telekom.de/dsl) zahlen müssen, gelten noch bis Ende Juni 2016. Für den Zeitraum ab dem 1. Juli 2016 hat die zuständige Bundesnetzagentur am Mittwoch einen TAL-Entgeltvorschlag vorgelegt. Demnach würden die TAL-Entgelte leicht abgesenkt. Die Telekom hatte Mitte Februar dagegen eine Erhöhung von derzeit 10,19 Euro auf 11,20 Euro für die TAL am Hauptverteiler beantragt. Die TAL am Kabelverzweiger, die grauen Verteilerkästen am Straßenrand, sollte aus Sicht der Telekom auf 7,51 Euro steigen.

Bundesnetzagentur für leichte Absenkung der TAL-Entgelte

Die Bonner Regulierungsbehörde schlägt nun aber eine moderate Absenkung um 17 Cent auf 10,02 Euro für die TAL am Hauptverteiler vor. Die TAL am Kabelverzweiger würde nahezu stabil bleiben. Die Bundesnetzagentur sieht hier ein künftiges monatliches Entgelt von 6,77 Euro vor. Dies wäre eine Absenkung um 2 Cent gegenüber dem bisherigen Betrag von 6,79 Euro.

Auch weitere Entgelte sollen sinken

Die Bundesnetzagentur hat zudem neue Entgelte für den Zugang der Wettbewerber zur Anschlussinfrastruktur der Telekom vorgeschlagen. Ab Juli soll etwa bei Zurückgreifen auf ein Kabelleerrohr der Telekom monatlich 4 Cent pro Meter eines Viertelrohres gezahlt werden, bislang lang das Entgelt bei 9 Cent. Die Anbindung eines Kabelverzweigers mit unbeschalteter Glasfaser soll künftig rund 20 Euro günstiger werden: Der Vorschlag der Behörde sieht 47,76 Euro statt bislang 66,75 Euro vor. Auch der Einbauplatz in einem Multifunktionsgehäuse soll künftig mit 90,14 Euro günstiger nutzbar sein – bislang zahlten Wettbewerber dafür 107,23 Euro im Monat.

Die Bundesnetzagentur begründet die moderate Absenkung der TAL-Entgelte mit einem "geringeren kalkulatorischen Zinssatz und niedrigeren Kupferpreisen". Berücksichtigt worden sei auch eine Empfehlung der Europäischen Kommission zur Kalkulation der Entgelte für die "letzte Meile". Kostensteigernde Effekte wie eine Erhöhung der Tiefbaupreise und der Rückgang der Anzahl beschalteteter Kupferdoppeladern und die kostensenkenden Effekte hätten sich weitgehend kompensiert. Unter dem Strich schlägt die Netzagentur daher die leichte TAL-Entgeltabsenkung für eine Laufzeit von drei Jahren vor.

Start der nationalen Konsultation

Die Entscheidungsentwürfe werden auf der Webseite der Bundesnetzagentur zur nationalen Konsultation veröffentlicht. Bis zum 4. Mai 2016 können nun schriftliche Stellungnahmen eingereicht werden. Danach werden die TAL-Entgeltvorschläge noch der EU-Kommission und den nationalen Regulierungsbehörden der übrigen EU-Mitgliedsstaaten zur Beratung und Stellungnahme innerhalb eines Monats übermittelt. Sollte es keine Bedenken der EU-Kommission geben, könnten die neuen TAL-Entgelte ab dem 1. Juli 2016 in Kraft treten.

BREKO begrüßt geplante Absenkung der TAL-Entgelte

Eine erste Reaktion aus der Branche auf die vorgeschlagene Absenkung der TAL-Entgelte ließ nicht lange auf sich warten. So begrüßte der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) ausdrücklich das von der Bundesnetzagentur gesetzte "Signal zur Absenkung der TAL-Entgelte". Laut BREKO würden die vorgeschlagenen Entgelte um 1,7 beziehungsweise 0,3 Prozent niedriger liegen als die derzeit gültigen Monatsentgelte. Der BREKO weist darauf hin, dass die Bundesnetzagentur zwar die EU-Empfehlung für die Berechnung der Entgelte zwar berücksichtigt, aber "noch nicht vollständig umgesetzt" habe.

"Auch wenn wir uns eine konsequentere Umsetzung der EU-Empfehlung – und damit eine deutlichere Reduzierung der TAL-Entgelte – gewünscht hätten: Jeder Euro, den die alternativen Netzbetreiber für den Zugang zu einer weitgehend abgeschriebenen Kupferinfrastruktur einsparen können, kommt dem Ausbau mit zukunftssicheren und nachhaltigen Glasfaser-Infrastrukturen zu Gute. Es kommt nun mehr denn je darauf an, alle notwendigen Stellschrauben darauf auszurichten, dass Bürger und Unternehmen nicht abgehängt werden", kommentierte BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers den Beschluss der Bundesnetzagentur.

Weiterführende Links
Top