Sparvorwahlen

Neue Kommunikationswege verdrängen Call-by-Call

Die einst sehr beliebten Gespräche über Call-by-Call sind auf dem Rückzug. Zwar werden immer noch jährlich vier Milliarden Minuten generiert, doch WhatsApp, Flatrates & Co. sind auf dem Vormarsch und verdrängen die Sparvorwahlen.

Telefontarife© Inga F / Fotolia.com

Köln/Bonn – Achselzucken in der Konzernzentrale der Deutschen Telekom: "Keine Ahnung", heißt es auf Nachfrage. Dabei müsste es der Branchenriese eigentlich genauer wissen, wie es um das sogenannte Call-by-Call steht. Diese Billigvorwahlen, die mit den Ziffern 010 beginnen und jedes Mal der eigentlichen Rufnummer vorangestellt werden, haben es einst geschafft, die Telekom vom hohen Ross des Monopols in den Wettbewerb zu stoßen. Das war vor fast 20 Jahren. Doch wer braucht diese Sparvorwahlen heute eigentlich noch?

Telekom muss Call-by-Call ermöglichen

Die Telekom selbst hatte eine eigene Billigvorwahl schon vor 15 Jahren mangels Interesse eingemottet. Und bei Telefónica wird das Call-by-Call als "historisches Relikt" nur noch müde belächelt. Doch die Telekom ist als ehemaliger Monopolist nach wie vor verpflichtet, Call-by-Call zu ermöglichen.

Noch immer buhlen viele kleine Anbieter um die Gunst der Kundschaft. Hansestar, Freenet, Fon4u oder Ventelo, Prompt, Callax oder einfach nur Telefondienste.de nennen sich die Firmen, die in diesem rückläufigen Geschäft immer noch Umsatz machen. Es gibt über 60 verschiedene Vorwahlen, die zum Teil mehrfach bei einem Anbieter liegen.

Call-by-Call lohnt sich für Auslandsgespräche

Kunden nutzten Call-by-Call entweder als preiswerte Alternative für alle Gespräche oder für spezielle Auslandsvorwahlen, die in den aktuellen Flatrates nicht eingeschlossen seien, heißt es beim Anbieter Freenet. "Hier ist und bleibt Call-by-Call technisch und von der Abrechnung her die einfachste Lösung". Doch auch Freenet räumt ein: "Das Geschäft ist rückläufig und kein strategisches Produkt mehr".

Beim Düsseldorfer Telekommunikationskonzern Vodafone ist Call-by-Call keineswegs tot. Es ist vermutlich das einzige Produkt des Unternehmens, das im Internet noch unter dem alten Namen Arcor als Marke gepflegt und von Kunden genutzt wird. Doch mehr als ein kleines Zusatzgeschäft ist dieser Bereich kaum.

Auslandsoptionen und Chats auf dem Vormarsch

Bedrängt wird die Vorwahl für Sparfüchse vor allem durch das schnelle Internet und das verändertes Kommunikationsverhalten der Verbraucher. Texte via Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook & Co laufen der Sprache den Rang ab. Zum Telefonieren, Surfen und Fernsehen buchen die Kunden Doppel- oder Dreifachpakete (Telefonieren, Surfen, TV) und abonnieren Auslandsoptionen dazu. Der Datenverkehr wird mehr und mehr zur Haupteinnahmequelle.

Vier Milliarden Gesprächsminuten im Jahr

Auch die Bundesnetzagentur stellt fest, dass die Gesprächsminuten über Call-by-Call seit Jahren rückläufig sind. Trotzdem: Ganz verschwunden sind die Sparvorwahlen nicht: So registrierte die Netzagentur 2015 noch vier Milliarden Gesprächsminuten mit Sparvorwahlen, wobei rund 700.000 Kunden die Billigvorwahl fest eingestellt hatten. Das war ein Anteil von immerhin sechs Prozent am gesamten Gesprächsvolumen, das auf die Wettbewerber der Telekom entfiel. 2010 hatte das Gesprächsvolumen aber dreimal so hoch und bei einem Anteil von 13 Prozent gelegen.

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Quelle: DPA

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