Streit um Basistelefone

Telefonzellenabbau: Kommunen setzen sich zur Wehr

In den nächsten Jahren plant die Deutsche Telekom erneut den Abbau mehrerer zehntausend Telefonzellen. Doch nun muss sich der Telefonanbieter vermehrt mit Kritik und Gegenwehr von Seiten der Gemeinden auseinandersetzen.

Telefontarife© M.Jenkins / Fotolia.com

Bonn (red) - Immer weniger Menschen gehen ohne Handy durchs Leben. Das ist mit ein Grund, weshalb die Deutsche Telekom immer mehr Telefonzellen demontiert. An ihre Stelle sollen wesentlich günstigere Basistelefone gesetzt werden. Doch immer weniger Kommunen wollen sich dieses Vorgehen gefallen lassen und wehren sich.

Kommunen könnten Telekom-Pläne kippen

Die Pflicht seitens der Telekom, die gesetzliche Grundversorgung aufrecht zu erhalten, war bisher der Hauptgrund für den hohen Bestand an Telefonzellen. Im mobilen Zeitalter halten das viele für überholt. Das hätten, schreibt die FAZ, auch die Kommunen erkannt. Zwar täten sich Spitzenverbände nicht ganz leicht mit der Entscheidung, wollten dem Telefonanbieter beim Abbau aber auch nicht im Wege stehen. Als einziges Hindernis könnten sich Bürgermeister und Gemeinderäte erweisen. Seien diese nicht einverstanden, müsse die Telekom "immerhin ein Basistelefon installieren, um die Grundversorgung aufrechtzuerhalten".

Gemeinden wehren sich

Doch, wohl sehr zum Ärger des Telekommunikationsriesen, treten seit geraumer Zeit genau solche Fälle ein. So hat beispielsweise die Gemeinde Bad Heilbrunn im Mai 2011 sich selbst einer Telefonzelle angenommen, um ihren Abbau zu verhindern. Viele weitere Kommunen folgen dem Beispiel in ähnlicher Art und Weise und legen Einspruch gegen die Deinstallationen ein. Und zwar zu Recht, hatte sich die Telekom doch selbstverpflichtet, keine Demontagen ohne Zustimmung vorzunehmen. Dabei geht es den Bürgermeistern und Stadtparlamentariern nicht darum, dem Konzern zu schaden. Sie denken vielmehr auch an ältere Menschen, die eben kein Handy haben und sich auch keins mehr anschaffen werden.

Basistelefon kein Kompromiss

Den Kompromissvorschlag der Telekom, die Ortschaften mit den so genannten Basistelefon auszustatten, wollen viele nicht eingehen. Und zwar aus gutem Grund, erweisen diese sich doch als Mogelpackung. Eine solche freistehende Telefonsäule ist weder vor Wind und Wetter geschützt noch ist sie beleuchtet. Der viel größere Nachteil erweist sich aber in der Nutzung, denn Telefonieren ist weder mit Kleingeld noch mit Telefonkarte möglich. Stattdessen werden eine Kreditkarte oder ein Zahlencode einer so genannten Calling-Card benötigt. Alternativ können auch R-Gespräche geführt werden, die aber sehr teuer werden können. Ausschließlich Notrufe und Telefonate zu 0800-Nummern sind kostenfrei.

Mehr als die Hälfte der Telefonzellen ist unrentabel

Wie die FAZ meldet, sollen bis zum Jahr 2013 rund 10.500 der noch etwa 50.000 existierenden Apparate abgebaut werden. Details wolle der Konzern zwar noch nicht nennen, die Gründe allerdings liegen auf der Hand. Denn die sinkende Nutzerzahl der öffentlichen Münz- beziehungsweise Kartentelefone macht diese unrentabel. Einerseits bringen sie keinen Umsatz, andererseits müssen sie aber gewartet und sauber gehalten werden. Laut FAZ könnten schon über die Hälfte der Telefonzellen nicht mehr wirtschaflich betrieben werden.

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