Kein Kostenfaktor mehr

Verivox: Telefonie verliert trotz günstigen Preisen an Bedeutung

Festnetz- und Mobilfunktarife enthalten heute meist eine Festnetz-Flat. Das sah vor 20 Jahren noch erheblich anders aus. Die Tarifexperten von Verivox erläutern den Preisverfall bei der Telefonie.

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Heidelberg – Innerhalb der letzten 20 Jahre hat sich das Telefonieverhalten der Bundesbürger grundlegend verändert. Seit 2007 ging die Zahl der Verbindungsminuten im Festnetz laut Zahlen des VATM um 37 Prozent zurück – trotz stetig sinkender Verbindungspreise. Stattdessen wird immer häufiger auf datenbasierte Dienste wie WhatsApp und Skype gesetzt. Laut den Tarifexperten von Verivox hat der Minutenpreis als Kostenfaktor bei der Festlegung von Tarifpreisen ausgedient. Das spiegele den Bedeutungsverlust der Telefonie hierzulande wieder.

Öffnung des Telekommunikationsmarktes 1998 bringt sinkende Preise und Konkurrenz

Doch was gab den Ausschlag für den Preisverfall bei der Telefonie? Im Jahr 1998 fiel der Startschuss für die Öffnung des deutschen Telekommunikationsmarktes. Ein Schritt, der in den darauf folgenden Jahren für große Umwälzungen sorgen sollte. Nicht mehr nur die Deutsche Telekom konnte Telefonie über das Festnetz anbieten, Wettbewerber wie Tele2 und mobilcom-debitel preschten mit Discount-Angeboten auf den Markt, die teils um 50 Prozent unter den Telekompreisen lagen.

Auch die komplizierten Tarifmodelle der Telekom hatten ein Ende: Statt verschiedener Minutenpreise für innerstädtische, regionale und deutschlandweite Telefongespräche, die zudem auch je nach Zeitpunkt noch unterschiedlich abgerechnet wurden, setzten sich stattdessen Tarife durch, die bundesweit und rund um die Uhr gelten. "Zum ersten Mal hatten Kunden die Möglichkeit, zu wählen und Preise zu vergleichen", sagt Christian Schiele, Bereichsleiter Telekommunikation bei Verivox.

Erste Festnetz-Flat startete 2004

Die Telekom senkte unter dem Druck der wachsenden Konkurrenz ihre eigenen Preise. Wurden 1998 noch 52 Pfennig pro Gesprächsminute berechnet, so lag der Minutenpreis im Jahr 2000 bereits tagsüber bei nur noch 18 Pfennig. Die erste Telefon-Flat der Telekom ging 2005 an den Start, der Einstieg war ab 35,95 Euro möglich. Bereits ein Jahr zuvor hatte der Anbieter Arcor, der später in Vodafone aufging, eine erste Festnetz-Flat für 19,95 Euro monatlich angeboten.

Mobilfunk-Telefonie wird ebenfalls günstiger

Im Mobilfunk zeigte sich eine ähnliche Entwicklung wie im Festnetz. Durch den 2004 erfolgten Markteintritt der Discounter sanken die Minutenpreise drastisch. Kaum einer kann sich heute noch Minutenpreise von über 1,80 Mark vorstellen, wie sie noch Ende der 90er Jahre bei den Mobilfunkanbietern üblich waren.

Datenübertragung als Kostentreiber

Eine Telefon-Flatrate ist bei den meisten Tarifen heute standardmäßig inklusive oder ist für wenige Euro pro Monat hinzubuchbar. Selbst im EU-Ausland lassen sich solche Telefon-Flatrates ohne Zusatzkosten nutzen. Heutzutage sei dagegen laut Verivox die Übertragung von Daten der Kostentreiber. Sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk bestimmen Datenvolumen und Internetgeschwindigkeit die Tarifpreise.

Verivox fordert grundlegende Überarbeitung der Tarifstruktur in Deutschland

Doch hier sei laut Verivox-Manager Christian Schiele auf dem deutschen Markt noch viel zu tun: "Dass heute zunehmend über Datendienste kommuniziert wird, bildet sich im Tarifgefüge nur unzureichend ab." Er kritisiert, das deutsche Verbraucher weiterhin ausgebremst werden. "Echte Datenflats ohne Drosselung sind die absolute Ausnahme, ebenso wie die Übertragung von Daten- und Telefonbudgets innerhalb einer Nutzergruppe. Die Tarifstruktur sollte von Grund auf überarbeitet werden, sie hinkt der gesellschaftlichen Realität längst hinterher", Verivox-Experte Schiele.

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