Call by Call Abzocke - 01042 Telecom zieht Klage zurück

Dieses Thema im Forum "Telefonieren ins und aus dem Ausland" wurde erstellt von cl2010, 11. August 2012.

  1. cl2010

    cl2010 Neues Mitglied

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    Heute erhielt ich vom Ag Reutlingen die Mitteilung, dass die 01042 Telecom GmbH (via KSP.) die Klage ohne weitere Begründung zurück genommen hat. Vielleicht eine späte Einsicht, dass die Erfolgsaussichten ohnehin gering waren.

    Hintergrund:
    Im letzten Jahr hatte mir die 1042 Telecom Beträge für Call by Call Verbindungen ins Mobilfunknetz berechnet, die mir stark überhöht erschienen. 1,5 €/min statt 3,5 ct/min, weil einige Tage nach der Online-Tarifauskunft der Preis sprunghaft gestiegen ist und im 5-Minuten Takt abgerechnet wurde. Aufgefallen war mir das erst mit der 2. Telekomrechnung im Oktober.

    Meine Vorgehensweise:
    1. Telekomrechnung nach Erhalt sofort prüfen und Lastschrifteinzug
    untersagen (geht telefonisch).

    2. Verbindungsnachweis vom Call by Call Anbieter anfordern.

    3. Gegenrechnung erstellen auf Basis der Online-Tarifauskunft,
    diese dem Call by Call Anbieter mit der Mitteilung zusenden, dass die
    darüber hinaus gehende Forderung vollständig bestritten wird.
    (An dieser Stelle ist der Vorgang aus Sicht des Rechnung stellenden
    Telefonanbieters "Klagereif", weil auch nachfolgende Mahnungen
    wegen Zahlungsverzug normalerweise nicht Erfolg versprechend
    und mit der Schadensminderungspflicht nicht vereinbar sind.)

    4. Betrag lt. Gegenrechnung umgehend überweisen. Damit wird
    vermieden, dass der Gläubiger später Verzugsschäden geltend
    machen kann.

    5. Falls Mahnungen vom Rechnung stellenden Unternehmen,
    Anwaltskanzleien oder Inkasso-Büros kommen: Einmalig mitteilen,
    dass die Forderung bereits bestritten wurde (ist aber nicht zwingend
    notwendig, da die Erklärung bereits gegenüber dem Rechnung
    stellenden Unternehmen abgegeben wurde).
    Weitere Mahnungen können ignoriert werden.

    6. Im Fall von diesbezüglichen Anrufen aus Anwaltskanzleien oder
    Inkasso-Büros: kurz informieren, dass die Forderung bereits bestritten wurde
    und dann auflegen. Keine außergerichtliche Einigung und keine
    Diskussionen !

    7. Beim Eintreffen eines gerichtlichen Mahnbescheides:
    Fristgerecht (14 Tage) und ohne Begründung Widerspruch gegen die
    gesamte Forderung einlegen.

    8. Im Wesentlichen gibt es nun 3 Möglichkeiten:
    Der Call by Call Anbieter klagt seine restliche Forderung ein, zieht
    seine Klage zurück (wie vorliegend) oder verzichtet auf diese.

    9. Vorteil im Verfahren vor dem Amtsgericht: Keine Vertretung durch Anwalt notwendig.

    Ergebnis:
    Statt der ursprünglich geforderten 65,32 EUR ist es bei den von mir berechneten und überwiesenen 7,35 EUR geblieben.

    Obwohl ich KSP bereits nach der ersten Mahnung auf die Unzulässigkeit
    der Geltendmachung von Verzugsschäden und auf die bestrittene Forderung in meinem Fall hingewiesen habe, wurden weiterhin Mahnungen versandt und Verzugsschäden geltend gemacht.
    Essentielles wie anwaltliche Sorgfaltspflichten, zu denen die Prüfung des Einzelfalles gehört, scheinen den Hamburger Massenmahnern nicht ins Konzept zu passen. So wird versucht, vermeintliche Schuldner noch einmal abzuzocken.

    Wer überhöhte Rechnungen erhält sollte nicht in die Rolle des Angsthasen schlüpfen und einfach zahlen oder sich mit billigen Advokatentricks über den Tisch ziehen lassen, sondern sich wie ein Granit verhalten, an dem sich Abzockerfirmen, Inkasso-Büros und Advokaten die Zähne ausbeißen.

    Konsequentes Nutzen der Rechte und nüchternes Abwägen der Risiken sind also angesagt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. August 2012