Telefónica Deutschland

1&1 Drillisch soll höhere Preise für Nutzung des O2-Netzes zahlen

1&1 Drillisch realisiert sein Mobilfunkangebot im O2-Netz von Telefónica Deutschland. Der Mobilfunknetzbetreiber will jetzt mehr Geld von der United Internet-Tochter.

Jörg Schamberg, 21.09.2020, 09:56 Uhr (Quelle: DPA)
SendeantenneFür die Nutzung des O2-Mobilfunknetzes soll 1&1 Drillisch künftig mehr an Telefónica Deutschland zahlen.© Kara / Fotolia.com

Der Internet- und Telekomkonzern United Internet hat wegen unerwartet hoher Preisforderungen des Konkurrenten Telefonica Deutschland für die Nutzung dessen Mobilfunknetzes die Prognose für den operativen Gewinn gesenkt. Statt eines Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von ungefähr 1,266 Milliarden Euro und damit auf Vorjahreshöhe wird jetzt ein Rückgang auf 1,18 Milliarden Euro erwartet, wie das im MDax notierte Unternehmen am Samstag in Montabaur mitteilte "Außerdem wird es auch in den Folgejahren zu hohen Ergebnisrückgängen kommen, sollten die von Telefonica geforderten Preise dauerhaft anwendbar sein." United Internet hält die die am Freitag in Rechnung gestellten Vorleistungspreise für Juli und August für nicht angemessen und will dagegen vorgehen.

Verhandlungen wirken sich auf geplantes 5G-Netz von 1&1 Drillisch aus

Telefonica Deutschland (O2) und die United-Internet-Tochter 1&1 Drillisch verhandeln derzeit über die Preise für die Bereitstellung von Mobilfunkkapazitäten. Diese muss Telefonica Deutschland unter anderem als eine Auflage der Fusion mit E-Plus bereitstellen.

Von 1&1 Drillisch heißt es: "Während die Telefonie- und Datenpreise pro GByte in den letzten 5 Jahren aufgrund der Vereinbarungen des MBA MVNO-Vertrags stets gesunken sind, geht Telefónica nunmehr ab Juli 2020 und für die kommenden Jahre von gleichbleibend hohen Telefoniepreisen pro Minute und Datenpreisen pro GByte aus. Sie sollen den Durchschnittspreisen im Zeitraum 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2020 entsprechen und zukünftig nicht mehr sinken. Außerdem soll es bestimmte, bislang kostenlose Kapazitäten für Telefonie und SMS nicht mehr geben. Die so ab Juli 2020 gegenüber den Vormonaten einsetzende Preiserhöhung und der zukünftige Wegfall der jährlichen Preisdegression führen insbesondere aufgrund des weiterhin erwarteten erheblichen jährlichen Datenwachstums zu jährlich stark steigenden Mehrkosten."

"1&1 Drillisch hält die von Telefonica ab 1. Juli 2020 geforderten Vorleistungspreise für nicht in Übereinstimmung mit den Selbstverpflichtungen von Telefonica unter der Freigabeentscheidung der EU-Kommission zum Zusammenschluss mit E-Plus", hieß es in der Mitteilung. Zudem seien die Preise nicht im Rahmen des bisher bestehenden Vertrags mit Telefonica. Hier laufe seit Juli die erste fünfjährige Verlängerungsphase, auch wenn es noch keine Einigung über die Preise gab. Der Ausgang der laufenden Verhandlungen habe auch Auswirkungen auf den von 1&1 Drillisch geplanten Aufbau eines 5G-Netzes.

1&1 Drillisch muss bis 2022 1.000 eigene Sendemasten errichten

Seit 2019 hat sich die Situation für United Internet etwas verändert: Die Firma ersteigerte damals Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G - bis spätestens 2022 muss die Firma 1.000 eigene Sendemasten aufstellen und bis Ende 2025 ein Viertel der Haushalte mit schnellem Internet versorgen. Damit Kunden auch anderswo Handyempfang haben, soll United Internet/Drillisch in Gebieten ohne eigene Anlagen das Netz der Konkurrenz nutzen dürfen - dies wird "Nationales Roaming" genannt.

Um dieses Roaming zu bekommen, verhandelte United Internet mit den drei Netzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica. Die Gespräche mit der Telekom und Vodafone waren bisher Rohrkrepierer, die Gespräche mit Telefónica liefen besser - mit dieser Firma arbeitet United Internet ja ohnehin schon intensiv zusammen.

Die derzeitigen Netzkapazitätspreise sind eine Art Ausgangsbasis für ein mögliches Nationales Roaming - sollte zum Roaming ein Vertrag abgeschlossen werden, könnten sich dessen Kosten aus den aktuellen Preisen ableiten. Es geht also keineswegs nur um Zahlungen für ein paar Monate, sondern womöglich um eine Preisbasis für die nächsten Jahre - das erklärt die Heftigkeit des aktuellen Streits.

Telefónica betonte als Reaktion auf die Empörung aus Montabaur, die Rechnungen seien korrekt erstellt, die Vertragsdetails seien seit langem bekannt. United Internet prüft nun rechtliche Schritte.

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