Frequenzversteigerung

5G-Auktion: Mobilfunker beschweren sich über Bundesnetzagentur

Seit fast drei Monaten läuft die 5G-Auktion und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Jetzt bekommt die Bundesnetzagentur kräftigen Gegenwind zu spüren. Die Mobilfunkanbieter beschweren sich und möchten die Kompetenzen umverteilt haben.

5G© Natalia Merzlyakova / Fotolia.com

Düsseldorf – Die seit fast drei Monaten laufende Versteigerung von 5G-Frequenzen durch die Bundesnetzagentur sorgt bei den drei Mobilfunknetzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland sowie beim Herausforderer 1&1 Drillisch für viel Frust. Denn die Auktion läuft erheblich länger als gedacht. In das Pfingstwochenende hatte sich die Versteigerung am Donnerstag nach Runde 481 mit Höchstgeboten von insgesamt über 6,370 Milliarden Euro für die 41 zu vergebenden Frequenzblöcke verabschiedet. Am Dienstag, 11. Juni, wurde die 5G-Frequenzversteigerung ab 13 Uhr fortgesetzt. Offenbar sind die Unternehmen aber höchst unzufrieden mit dem Handling der Auktion durch die Bundesnetzagentur. Das "Handelsblatt" berichtet aktuell, dass die Netzbetreiber versuchen, die Unabhängigkeit der Bonner Regulierungsbehörde zu schwächen.

Streit um Kompetenzen und Vergabeverfahren für Frequenzen

Stattdessen hoffen die Auktionsteilnehmer, dass das Bundesverkehrsministerium mehr Kompetenzen erhalte. Selbst die Vergabe von Frequenzen ohne die Bundesnetzagentur und ohne Auktion sei für die Netzbetreiber offenbar denkbar. Im vergangenen Jahr hatten die drei etablierten Mobilfunknetzbetreiber vorgeschlagen, Frequenzspektrum direkt zu vergeben. Je mehr Ausbauversprechen ein Anbieter mache, um so mehr Spektrum solle er erhalten.

Beschwerde über Bundesnetzagentur

Laut "Handelsblatt" haben sich die Netzbetreiber sowohl beim Bundesverkehrsministerium als auch beim Bundeswirtschaftsministerium über die Bundesnetzagentur beschwert, der sie handwerkliche Fehler bei der 5G-Auktion vorwerfen. Die Bundesnetzagentur befürchte intern angeblich einen Verlust von Kompetenzen oder gar eine Zerschlagung.

Umstrittene Regeländerung treibt Gebote für 5G-Frequenzen in die Höhe

Um die laufende Auktion zu einem schnelleren Ende zu bringen, hatte die Bundesnetzagentur am vergangenen Mittwoch in einem umstrittenen Schritt die Mindesthöhe für einzelne Gebote von 2,5 Millionen Euro auf 13 Millionen Euro angehoben. Vodafone Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter hatte dies auf der Breitband-Messe ANGA COM in der vergangenen Woche kritisiert: "Man verändert in einer laufenden Auktion das Auktionsdesign. Das ist ein Zeichen, dass es nicht so ideal läuft." Telekom Deutschland-Chef Dirk Wössner hatte die Höhe der für die 5G-Frequenzen zu zahlenden Beträge auf der gleichen Messe als "katastrophal für Deutschland" bezeichnet.

Trotz Regeländerung ist ein Ende der Versteigerung aber nicht in Sicht. Denn um die 29 Frequenzblöcke im 3,6-GHz-Bereich wird weiter heftig gefochten, während die Vergabe der zwölf Frequenzblöcke im 2-GHz-Bereich dagegen geklärt scheint. In Runde 482 überbot Telefónica Deutschland 1&1 Drillisch und sicherte sich dadurch vorerst einen weiteren 3,6-GHz-Frequenzblock. Die anderen Teilnehmer boten in dieser ersten Runde am Dienstag nicht mit. Die Summe der Höchstgebote kletterte auf 6,383 Milliarden Euro. Im Verlaufe des Tages wird diese sicher die Marke von 6,4 Milliarden Euro übersteigen.

Auktionsleiter geht während der 5G-Auktion in den Ruhestand

Ein Stein des Anstoßes bei den Netzbetreibern war auch eine Personalie: Rüdiger Hahn, zuständiger Abteilungsleiter bei der Bundesnetzagentur und der bisherige Steuermann der 5G-Auktion, ist von Bord gegangen. Er habe sich aus Altersgründen in den Ruhestand verabschiedet. Die 5G-Auktion werde nun von einem Auktionatorenteam geleitet. Die Suche eines Nachfolgers von Hahn sei schwierig. Da die bislang längste Frequenzauktion in Deutschland sechs Wochen gedauert hatte, war Hahn wohl davon ausgegangen, dass er die 5G-Auktion noch während seiner Amtszeit zu einem Ende bringen konnte.

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