Prognose

Daten-Diät für Smartphones: Die Hintergründe

Sie sind der Verkaufsschlager der Mobilfunk-Branche und könnten Opfer ihres eigenen Erfolges werden: Smartphones mit ihren immer raffinierteren Apps. Warum, das erläutert ein Experte für Netzwerkoptimierung.

17.02.2011, 16:33 Uhr
Telefonieren© Luis Camargo / Fotolia.com

Barcelona (afp/red) - Die rasant steigende mobile Internetnutzung durch Internethandys und ihre Miniprogramme nämlich könnte die Handynetze bald verstopfen. Das könnte dazu führen, dass gerade die Apps, die die Smartphones zum Erfolgsmodell machten, auf den Geräten nicht mehr vernünftig laufen. Experten warnen vor zunehmenden Staus auf der Datenautobahn. Einige Netzbetreiber denken deshalb bereits darüber nach, die Preise zu erhöhen. Andere begrenzen oder verlangsamen den Datenfluss.

Die Überlastung der Datenautobahnen war auch eines der wichtigsten Themen auf dem am Montag in Barcelona eröffneten Mobile World Congress. Denn in den vergangenen Jahren schnellten die Absatzzahlen der intelligenten Handys nach oben: Der Branchenverband Bitkom prognostiziert für 2011 eine Absatzsteigerung von 36 Prozent auf 10,1 Milliarden Geräte. Die Entwicklung der Apps wurde dabei zu einer eigenen Erfolgsbranche.

24 Mal so viel Traffic wie ein normales Handy

Die Kehrseite der Medaille: Jedes Smartphone erzeugt 24 Mal soviel Datenverkehr wie ein normales Handy, was das Volumen geradezu explodieren ließ. Die US-Netzwerkfirma Cisco sagte für das Jahr 2015 eine Steigerung der Datenmenge auf das 26-fache voraus. Laut Bitkom hat sich 2010 die in deutschen Netzen übertragene Datenmenge im Vergleich zu 2009 auf 70 Millionen Gigabyte mehr als verdoppelt - und entsprach damit dem Inhalt von rund 15 Millionen DVDs.

Den Mobilfunk-Anbietern macht dies schon jetzt Sorgen. "Die Explosion beim Datenverkehr und die Beanspruchung der Netzwerke zeigt sich bereits in einer schlechteren Servicequalität", warnt Torbjoern Sandberg von der Firma Birdstep, die Lösungen zur Verbindungsoptimierung anbietet.

Für viele Handynutzer sind schon jetzt abgebrochene Gespräche oder langsamere Verbindungen während der Stoßzeiten Realität. "Verstopfte Bandbreiten sind ein ernsthaftes Problem für die Betreiber, vor allem in den bevölkerungsreichsten Gebieten während Spitzenzeiten", sagt Merav Bahat von der Firma Flash Networks, die sich auf die Netzwerkoptimierung spezialisiert hat. "Es wird zwar die Smartphones nicht dumm machen, aber es wird die Kunden frustrieren, die auf ihrem mobilen Gerät eine Verbindung wie mit Festnetz-Anbindung erwarten."

Die Verbindungen sind schlechter geworden

Verantwortlich für die verstopften Netze sind zu allererst Videos im Internet. Dem jüngsten Mobile Trends Report von Allot Communication zufolge macht deren Datenübertragung bereits 37 Prozent des mobilen Datenverkehrs aus. Cisco rechnet damit, dass bis zum Jahr 2015 Videos für zwei Drittel des Datenverkehrs verantwortlich sind. Das könne dazu führen, dass das Ansehen von Videos zu den Stoßzeiten fast unmöglich wird.

Auch die Videotelefonie auf dem Handy, die dieses Jahr dank neuer Geräte endlich ihren Durchbruch erleben könnte, würde darunter leiden. Das gleiche gilt für Internettelefonate etwa über Skype. E-Mails und das normale Surfen wären demnach zwar immer noch möglich - jedoch mit geringerer Geschwindigkeit.

Wann eine Daten-Diät angesagt ist

Einige Betreiber haben ihre Smartphone-Kunden daher bereits auf Daten-Diät gesetzt. Sie begrenzen entweder grundsätzlich die Datenmenge, oder sie drosseln die Geschwindigkeit nach Überschreiten einer bestimmten Schwelle deutlich. Unbegrenzte Datenmengen sind Geschichte, weil die meisten Betreiber erkennen, dass die Kapazität in den Netzen nicht ausreichend ist", sagt Stefan Zehle, Geschäftsführer von Coleago Consulting.

Eine düstere Prognose kommt von der Beratungsfirma A.T. Kearney. Sie urteilt: Das wirtschaftliche Modell des stationären und mobilen Internets habe "klare strukturelle Probleme". Mit steigendem Datenverkehr werde es "zunehmend ineffizient und letztlich unhaltbar".

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