Kabelchaos

Einheitliches Ladegerät lässt auf sich warten (Upd.)

Ein einheitliches Ladegerät für Handys und Smartphones lässt weiter auf sich warten. 2009 unterzeichneten etliche Hersteller eine Vereinbarung, die sie jedoch nicht verlängern wollen. Die EU-Kommission will jetzt die Möglichkeit einer Verpflichtung überprüfen.

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Osnabrück (AFP/red) - EU-Industriekommissar Antonio Tajani sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Donnerstag, die meisten ursprünglichen Unterzeichner einer Vereinbarung zur Vereinheitlichung der Ladegeräte lehnten eine Verlängerung ab. "Ich bedauere diese Haltung zutiefst."

Das Problem ist nach Brüsseler Angaben, dass die Firmen weiter nach technischen Lösungen etwa für kabelloses Aufladen suchen - und daher noch keinen neuen gemeinsamen Standard fixieren können oder wollen. Die Standards der früheren Selbstverpflichtung seien überholt.

Ausweitung auf weitere Geräte geplant

Tajani kündigte an, die Kommission werde nun die Möglichkeit prüfen, "eine Verpflichtung von genormten Schnittstellen für Aufladegeräte einzuführen". Außerdem plane die EU, ihre Initiative für eine Harmonisierung auf kleine tragbare Elektrogeräte wie Digitalkameras, Tablets und Musik-Player auszuweiten.

Die Kommission bekommt dafür Rückenwind aus dem Europaparlament. "Bei Geräten des täglichen Gebrauchs macht es Sinn, europaweit einheitliche Regelungen zu haben", machte die CSU-Abgeordnete Angelika Niebler klar. Zur Not müssten auch gesetzliche Vorgaben geprüft werden, sagte Niebler, die Mitglied des Industrieausschusses ist.

Ziel: Überflüssigen Müll vermeiden

In Europa gibt es derzeit eine Vielzahl unterschiedlicher Ladegeräte für Handys. In manchen Fällen werden sogar für verschiedene Handys derselben Marke unterschiedliche Geräte zum Aufladen des Akkus benötigt. Dies führt dazu, dass die Verbraucher für ein neues Handy häufig auch ein neues Ladegerät benötigen und Unmengen überflüssig gewordener Ladegeräte im Müll landen. Die EU-Kommission bemüht sich deshalb seit langem darum, ein einheitliches Ladegerät einzuführen.

Die wichtigsten Hersteller dieser Geräte, darunter Nokia, Sony Ericsson und Samsung, hatten 2009 eine Vereinbarung unterzeichnet, um die Standards ihrer Geräte zu vereinheitlichen.

90 Prozent der neuen Ladegeräte seien austauschbar

Das hatte nach Einschätzung der Brüsseler Behörde Erfolg. Die Ladegeräte von 90 Prozent der neuen Telefone, die Ende 2012 in den Handel kamen, seien nach einer Schätzung untereinander austauschbar. Allerdings beruft sich die Kommission auf von der Branche selbst gemeldete Zahlen, und sie nennt Ende 2012 als Vergleichspunkt. Viele Bürger dürften ihr Gerät jedoch schon länger besitzen.

Der Branchenverband Bitkom teilte am Donnerstag mit: "Spätestens seit Ende 2011 werden von den Unterzeichnern der Vereinbarung einheitliche Ladegeräte ausgeliefert. Diese können für rund 90 Prozent der aktuellen Smartphones verwendet werden."

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