Bitkom-Umfrage

Fast die Hälfte der Deutschen hat Angst vor Mobilfunkmasten

Ein Mobilfunkmast vor Ort kommt für viele Bundesbürger laut einer Bitkom-Studie wegen einer befürchteten Strahlungsbelastung nicht in Frage. Wird eine Mobilfunkantenne am Haus errichtet, würden etliche Deutsche aus dem Gebäude ausziehen.

Jörg Schamberg, 20.04.2020, 11:30 Uhr
SendeantenneEine Mobilfunkantenne auf dem eigenen Haus befürworten nur wenige Bundesbürger.© Kara / Fotolia.com

Eine schnelle und gute Mobilfunkverbindung wünschen sich viele Bundesbürger. 86 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren nutzen ein Handy oder ein Smartphone. In Deutschland sind 143 Millionen SIM-Karten aktiviert. Doch vor einem Mobilfunkmast in der Nähe des eigenen Wohnorts fürchtet sich wegen der elektromagnetischen Strahlung fast jeder Zweite. Das geht aus einer repräsentativen Befragung von mehr als 1.000 Bundesbürgern ab 16 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom hervor. Dabei zeigte sich das Bild einer gespaltenen Bevölkerung.

Bundesbürger gespalten: Mobilfunkausbau ja, aber nicht vor der eigenen Haustür

48 Prozent der Befragten sprach sich für die Errichtung von Funkmasten aus, auf der anderen Seite sind ebenfalls 48 Prozent dagegen. Die Skeptiker machen sich Sorgen um die Gesundheit. 45 Prozent fürchten elektromagnetische Felder von Funkmasten. Allerdings gibt es solche Sorgen nicht nur beim Mobilfunk. 27 Prozent der befragten Bundesbürger fürchten sich vor einer Mikrowelle, 24 Prozent vor Elektroinstallationen im Haushalt. Lediglich 18 Prozent erklärten, generell keine Furcht vor elektromagnetischer Strahlung zu haben.

Das Thema habe für viele Bürger durchaus Bedeutung. 46 Prozent der Befragten haben sich mit elektromagnetischer Strahlung bereits beschäftigt, 22 Prozent nach eigenen Angaben sogar intensiv. Lediglich 28 Prozent hätten sich bislang noch nicht damit auseinandergesetzt. "Die Diskussion über vermeintliche Gesundheitsschäden ist so alt wie die ersten Handys. In Deutschland werden seit 35 Jahren Mobilfunknetze betrieben", sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. "Die diffusen Ängste vor Gesundheitsschäden kommen mit jeder neuen Mobilfunkgeneration wieder auf. Dabei haben weltweit Tausende wissenschaftliche Studien gezeigt, dass unterhalb der gültigen Grenzwerte keinerlei Gesundheitsgefahr besteht."

Verschwörungstheoretikern mit Informationskampagnen den Wind aus den Segeln nehmen

Um Bürgern die Ängste zu nehmen, spricht sich der Bitkom-Verband für eine Intensivierung der Informationskampagne für den Ausbau des Mobilfunknetzes aus. "Die Menschen müssen in die Lage versetzt werden, sich ein eigenes Bild über die Wirkungen von Mobilfunk zu machen. Nicht nur in Deutschland gehen zu viele Verbraucher den Verschwörungstheoretikern auf den Leim.“

Widerstandslos hinnehmen wollen viele Bürger die Errichtung eines neuen Funkmastes nicht. 43 Prozent wollen einen Bürgerprotest starten, wenn in ihrer Nähe ein Funkmast gebaut werden soll. 42 Prozent würden sogar aus ihrer Wohnung ausziehen wollen, wenn der Vermieter einer Funkantenne am Haus anbringen lässt. 22 Prozent sind zwar für den Mobilfunkausbau, möchten aber keinen Funkmasten in der Nähe ihrer Wohnung oder ihres Grundstückes haben. Immerhin 33 Prozent wären bereit ihr Haus oder Grundstück für den Mobilfunkausbau zur Verfügung zu stellen. "Die Menschen wollen die besten, schnellsten und sichersten Netze. Aber wenn es darum geht, Funkmasten aufzustellen, machen viele die Luken dicht“, sagt Berg. Für die Mobilfunknetzbetreiber wird der Mobilfunkausbau damit nicht eben leichter.

Derzeit steht in Deutschland der Ausbau der 5G-Netze an. "Der neue 5G-Mobilfunkstandard ist ein Paradigmenwechsel in der Mobilfunk- und Netztechnologie und bildet die Grundlage der vernetzten Wirtschaft und Gesellschaft. Es geht jetzt darum, beim Internet of Things zu den internationalen Vorreitern zu gehören. Dafür brauchen wir mehr Verständnis für den Mobilfunkausbau. Unwissen erzeugt Angst, Wissen schafft Vertrauen."

Bitkom schlägt Maßnahmen zur Steigerung der Akzeptanz des Mobilfunkausbaus vor

Um die Akzeptanz des Mobilfunkausbaus in der Bevölkerung zu erhöhen, schlägt der Bitkom mehrere Maßnahmen vor. So sollte die Faktenlage klar verständlich und breit getragen dargestellt werden. Dazu seien öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen und gemeinsame Faktenklärungsprozesse sowie eine wissenschaftliche Begleitung erforderlich. Sinnvoll wäre die Bündelung von solchen Informationen etwa auf einer gemeinsamen Online-Plattform von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden. Die Bundesregierung solle eine breite Kommunikationskampagne starten, um die Menschen bundesweit zu erreichen. Eine entsprechende Initiative, die der Bund angestoßen habe, begrüßt der Bitkom. Wichtig sei aber auch, vor Ort kooperative Lösungen rund um neue Maststandorte zu finden.

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