Saftige Roaming-Preise

Grenzüberschreitendes Telefonieren wird zur Kostenfalle

Für grenzüberschreitendes Telefonieren fallen immer noch saftige Preise an - vor allem dann, wenn man einen Handyanschluss anruft. Da wird zum Beispiel Österreichs innovativer Mobilfunkmarkt für deutsche Anrufer zu einer richtigen Kostenfalle.

Handy Telefonieren© Mihai Simonia / Fotolia.com

Brengenz/Lindau (dapd/red) - Claudia und Patrizia telefonieren gern miteinander. Sie sind Arbeitskolleginnen und im selben Unternehmen in Bregenz in Österreich beschäftigt. Doch nach Feierabend trennen sich die Wege der beiden Freundinnen. Denn Claudia wohnt hinter der Grenze im benachbarten Lindau, Patrizia im Örtchen Hard nahe Bregenz. "Ich habe mich lange Zeit gewundert, warum unsere Telefonrechnung teilweise stark erhöht war", sagt Claudia. Denn eigentlich besitzt sie eine Flatrate fürs deutschte Festnetz von der Telekom. Und gewöhnliche Anrufe ins österreichische Festnetz kosten 2,9 Cent pro Minute.

Doch Festnetzanschlüsse gibt es in Österreich immer weniger. Denn die Zahl jener Menschen steigt, die aufgrund der günstigen Mobilfunk-Konditionen im Alpenstaat ausschließlich ein Handy besitzen. In Österreich sind Mobilfunk-Verträge mittlerweile so günstig, dass immer mehr Menschen komplett auf einen Festnetzanschluss verzichten. Mit kostspieligen Folgen für Freunde und Verwandte auf deutscher Seite entlang der Grenze: Denn wer von Deutschland aus ins Mobilfunknetz nach Österreich telefoniert, zahlt für diese Auslandstelefonate saftige Preise - bis zu 28 Cent pro Minute.

Hoher Wettbewerbsdruck in Österreich

Die Konditionen sind verlockend: Der Mobilfunkanbieter BOB zum Beispiel, eine Tochter des Netzbetreibers A1, lässt die Österreicher für 8,80 Euro 1.000 Minuten lang in sämtliche Netze telefonieren - Handy wie Festnetz. Das ergibt umgerechnet einen Minutenpreis von weniger als einem Cent. Diese Minutenanzahl ergibt fast 17 Stunden reine Gesprächszeit und entspricht somit faktisch einer Flatrate. Zum Vergleich: In Deutschland kostet eine Handy-Flatrate in alle Netze im derzeit günstigsten Fall 34,90 Euro, wobei auch das Surfen mit dem Handy im Internet enthalten ist.

Woher kommen die günstigen Preise in Österreich? Gregor Wagner, Pressesprecher des Forums Mobilkommunikation Österreich (FMK), kennt die Unterschiede zwischen den beiden Ländern: "Der Grund für die Preisunterschiede ist der deutlich intensivere Wettbewerb in Österreich. Während sich in Österreich vier Mobilfunkbetreiber einen Acht-Millionen-Kundenmarkt teilen, bedienen in Deutschland ebenso viele Betreiber 80 Millionen Kunden." Mit anderen Worten: In Deutschland sind genug Kunden für alle da. Daher stehen die einzelnen Mobilfunkanbieter nicht unter so hohem Wettbewerbsdruck wie in Österreich.

Auf deutscher Seite, beim Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), sieht man den Grund für die unterschiedlichen Preise im Nutzerverhalten in Österreich. "Den Österreichern ist der Breitbandzugang ins Internet übers Festnetz nicht so wichtig wie den Deutschen", erklärt Geschäftsführer Jürgen Grützner. Im Augenblick profitiere man in Österreich also vom günstigen Mobilfunk.

Nur noch 57 Prozent der österreichischen Haushalte mit Festnetz

Bei den österreichischen Nachbarn hat der intensive Wettbewerb im Mobilfunksektor das Festnetz stark verdrängt: Nach Angaben des FMK liegt die Festnetzquote bei nur noch 57 Prozent aller Haushalte. In Deutschland hingegen verfügen laut Statistischem Bundesamt 90 Prozent der Haushalte über einen Festnetzanschluss. Ein Trend zum Festnetzverzicht ist aber auch in Deutschland in der Gruppe der unter 25-Jährigen und bei Einkommensschwachen zu verzeichnen.

Patrizia ist weder einkommensschwach noch unter 25. Sie hat einfach Freude am Sparen und an der Flexibilität. "Warum soll ich auch fast 20 Euro für einen Festnetzanschluss zahlen, den ich gar nicht mehr brauche?", sagt die Österreicherin. Die Festnetz-Grundgebühr bei der Telekom Austria beträgt 17,44 Euro - ohne Verbindungsentgelte.

Claudia und Patrizia haben bislang noch keinen Weg gefunden, das ungleiche Preisniveau beim Telefonieren zu umgehen. Denn wenn Patrizia von Österreich aus Claudia auf dem Festnetz anruft, wird alles nur noch teurer - im konkreten Fall 43 Cent pro Minute. "Da machen wir es lieber wie bisher", sagt Claudia. Patrizia verspricht dafür, ihrer Kollegin zum Ausgleich den Kaffee auf der Arbeit zu spendieren.

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