Smartphone-Sucht

Im Wartezimmer: Griff nach dem Handy dauert nicht mal eine Minute

Wie süchtig sind die Menschen mittlerweile nach ihrem Smartphone? Dieser Frage wollten Forscher der Universitäten Würzburg und Nottingham nachgehen, Dazu setzten sie ahnungslose Probanden in ein Wartezimmer und beobachteten, wann der Griff zum Smartphone erfolgte.

HandyDie männlichen Probanden nahmen im Schnitt bereits nach 21 Sekunden ihr Smartphone in die Hand.© goodluz / Fotolia.com

Würzburg/ Nottingham – Jeder kennt es: Im Wartezimmer beim Arzt oder bei Behördengängen kann es schnell langweilig werden. Waren es früher die Zeitschriften und Magazine, mit denen sich Besucher und Patienten die Zeit vertreiben konnten, lockt heute das Smartphone in der eigenen Tasche. Genau diese Situation wollten Forscher der Universitäten Würzburg und Nottingham nutzen, um zu untersuchen, wie süchtig Menschen nach den technischen Alleskönnern sind.

Studie: Männer greifen nach 21 Sekunden nach dem Handy

Das Ergebnis dürfte den ein oder anderen ins Staunen versetzen: 75 Prozent der teilnehmenden Probanden nutzen ihr Handy in der zehnminütigen Wartezeit, wobei die meisten nicht mal eine einzige Minute abwarten konnten, bis sie das Gerät in die Hand nahmen. Im Schnitt hatten es die Männer dabei wesentlich eiliger: Sie nutzen ihr Handy bereits nach 21 Sekunden, während Frauen sich rund 57 Sekunden zurückhielten. Die Nutzungsdauer lag im Schnitt bei 5 Minuten und die Teilnehmer wurden zuvor nicht darüber informiert, worum es bei der Studie gehen soll.

"Fomo": Die Angst etwas zu verpassen

Grundlage für das schnell eintretende Bedürfnis soll den Forschern zufolge eine Angst sein, die erstmals im Zusammenhang mit Social-Media-Plattformen benannt wurde: Das Phänomen "Fear of Missing out" (Fomo). Damit wird die Sorge von Internetnutzern beschrieben, etwas Spannendes oder Wichtiges verpassen zu können. Die Angst steigt mit der häufigeren Nutzung des Smartphones, sagt Dr. Astrid Carolus, Akademische Rätin und Projektleiterin der Kooperation "Cyberpsychology".

Übrigens wich die Selbsteinschätzung der Teilnehmer erheblich von der Realität ab: Der größte Teil gab an, erst nach zwei bis drei Minuten nach dem Smartphone gegriffen zu haben. Die Studie, an der 95 Probanden zwischen 19 und 56 Jahren teilnahmen, hatte das Softwareunternehmen Kaspersky in Auftrag gegeben.

Weiterführende Links
Weitere Infos zum Thema
Top