Verivox-Umfrage

Jeder Dritte hat schon mal per Handy den Notruf gewählt

Die meisten Notrufe erfolgen in Deutschland per Handy. Inzwischen kann die genaue Positionsbestimmung des Anrufers dank der AML-Technik auch ohne GPS bestimmt werden.

Jörg Schamberg, 09.02.2021, 11:32 Uhr
Schadenmeldung© Dan Race / Fotolia.com

Zwei Drittel aller Notrufe in Deutschland kommen vom Handy, nur ein Drittel über das Festnetz. Fast ein Drittel aller Deutschen hat schon einmal per Handy die Notrufnummer 112 gewählt. Besonders junge Menschen unter 30 Jahren wählen den Notruf. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Innofact AG von 1.003 Personen im Auftrag des Vergleichsportals Verivox.

Jüngere Anrufer meist schlechter über eigenen Standort orientiert

Die Notrufmeldungen würden sich laut der integrierten Rettungsleitstelle Freibug (ILS), die bundesweit die Positionsdaten der Anrufer an die anderen Rettungsleitstellen übermittelt, gleichmäßig auf die drei Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica verteilen.

Doch es nutzen vor allem jüngere Leute den Handy-Notruf. 41 Prozent aller jungen Deutschen unter 30 Jahren hätten schon einmal einen Handy-Notruf gewählt, dagegen aber nur 20 Prozent der älteren Menschen ab 50 Jahren. In Sachen Orientierung haben die jüngeren Anrufer Nachholbedarf. 28 Prozent der Anrufer konnten den Anrufort nicht konkret benennen, bei den Älteren war dies nur bei 8 Prozent der Befragten der Fall. Unter dem Strich konnte jeder sechste Anrufer nur ungefähre Angaben zu seiner Position machen - etwa bei einem Aufenthalt in der Natur.

Aktivierung von GPS nicht erforderlich: Genaue Positionsbestimmung per AML

Damit sie im Notfall auffindbar sind, hätten 19 Prozent der Umfrageteilnehmer die GPS-Funktion am Smartphone eingeschaltet. Das sei allerdings für eine genaue Positionsbestimmung eines Anrufers durch die Rettungskräfte nicht unbedingt erforderlich. Auch ohne aktivierte Ortungsdienste könne die Position des Anrufers gefunden werden. Mit Hilfe der "Advanced Mobile Location" (AML) lassen sich die Standortdaten auf wenige Meter genau an die zuständige Rettungsleitstelle übermitteln.

Die AML-Technik hat sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Als das AML-Projekt im Herbst 2019 gestartet wurde, sei lediglich die Funkzelle des Standortes abfragbar gewesen. Eine solche könne gerade in ländlichen Gebieten jedoch mehrere Quadratkilometer groß sein. AML, das sich immer noch in der Pilotphase befindet, funktioniert nach Angaben von Verivox automatisch auf jedem Smartphone ab Android 4 bzw. iOS 11.3. 95 Prozent der deutschen Rettungsleitstellen können AML-Daten nutzen.

Einschränkungen der AML-Technik

AML werde von allen drei deutschen Netzbetreibern unterstützt, nur bei einigen wenigen Mobilfunk-Discountern wie etwa Lycamobile sei AML nicht nutzbar. Schwierigkeiten bei der Positionsbestimmung könne es mit alten Geräten oder bei Anrufen über ausländische Netze (Roaming) geben. Auch Anrufe im Limited-Service-Mode, wenn kein Netz des eigenen Anbieters verfügbar ist, würden AML in der Praxis ausbremsen. AML werde zudem nur aktiviert, wenn der Akkustand des Mobiltelefons mindestens fünf Prozent beträgt. Von solchen Einschränkungen betroffen wären derzeit rund 30 Prozent der Anrufe.

AML überträgt Daten automatisch per SMS und Internet

Vorteil für die die Handynutzer: Sie müssen zur Nutzung der AML-Technik keine Einstellungen aktivieren und auch keine gesonderte App installieren. Die AML-Daten würden per SMS übertragen, bei Android-Smartphones zudem zusätzlich noch per Internet. Die Datenübertragung erfolge verschlüsselt, die Daten würden eine Stunde nach dem Notruf gelöscht.

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