Bundesnetzagentur

O2-Netz: LTE-Ausbau geht nicht schnell genug

Telefónica Deutschland hat die Ausbauvorgaben der Bundesnetzagentur für 2019 verfehlt. Statt 98 Prozent steht LTE im O2-Netz nur für 84 Prozent der deutschen Haushalte zur Verfügung.

Jörg Schamberg, 10.01.2020, 14:40 Uhr (Quelle: DPA)
o2 SendemastTelefónica Deutschland versorgt erst 84 Prozent der deutschen Haushalte mit LTE.© o2

Beim Ausbau des Mobilfunknetzes 4G (LTE) kommen die Betreiber unterschiedlich gut voran - und erfüllen dabei nicht alle vom Bund festgelegten Vorgaben. Vor allem bei Telefónica gibt es nach eigenen Angaben noch große Lücken, wie aus Zahlen der Bundesnetzagentur hervorgeht, die diese am Freitag veröffentlicht hat. Die drei großen Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica mussten der für die Aufsicht zuständigen Behörde zu Jahresbeginn melden, wie viel Prozent der deutschen Haushalte sie mit dem schnellen LTE-Standard versorgen können. Bundesweit melden die Telekom und Vodafone jeweils mehr als 98 Prozent, Telefónica (O2) hingegen nur gut 84 Prozent.

Bis Ende 2019 waren 50 Mbit/s für 98 Prozent der Haushalte gefordert

Letzteres liegt weit unter den Vorgaben für das LTE-Netz, die die Netzbetreiber zum Jahreswechsel zu erfüllen hatten: Der Bund hatte die Unternehmen verpflichtet, bis dahin 98 Prozent der deutschen Haushalte mit einer Download-Geschwindigkeit von mindestens 50 MBit pro Sekunde zu versorgen. Pro Bundesland liegt die verpflichtende Quote bei 97 Prozent, damit gut abgedeckte Stadtstaaten nicht gegen Bundesländer mit großen Funklöchern aufgerechnet werden können.

An dieser Vorgabe haperte es besonders: Nicht einmal Telekom und Vodafone schafften es vollständig, diese zu erfüllen - Vodafone lag wie auch die Telekom in Rheinland-Pfalz leicht darunter, der Bonner Konzern zudem in Baden-Württemberg und dem Saarland. Die Unternehmen begründen dies mit Hindernissen wie fehlenden Baugenehmigungen oder Beschränkungen durch Umwelt- oder Denkmalschutz.

Bundesnetzagentur schließt Bußgelder nicht aus

"Wir setzen alles daran, dass die Unternehmen von uns ermittelte Defizite bei der Erfüllung unserer Auflagen zügig beheben", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. Man werde in den nächsten Wochen mit eigenen Messwagen durch alle Bundesländer fahren, um die Angaben der Betreiber zu überprüfen. Sanktionen - wie etwa Bußgelder - seien nicht ausgeschlossen.

Update vom 10. Januar, 15.59 Uhr: Stellungnahme von Telefónica Deutschland

Telefónica Deutschland hat sich am Freitag in einer Stellungnahme zu den von der Bundesnetzagentur veröffentlichten Zahlen geäußert. Der Mobilfunknetzbetreiber arbeite massiv am LTE-Ausbau. "Wir bauen derzeit das Netz so schnell aus wie kein anderer Anbieter in Deutschland. Im Schnitt nehmen wir alle 50 Minuten einen neuen LTE-Sender in Betrieb. So holen wir rasant auf und versorgen immer mehr Menschen auch in ländlichen Regionen mit schnellem Internet", heißt es von dem Münchener Anbieter.

"Natürlich bedauern wir, dass wir die Versorgungsauflagen zum Jahresende unter Zugrundelegung der von der BNetzA für richtig erachteten Messpegel noch nicht voll erfüllen. Wir werden aber mit unserem hohen Tempo weiterarbeiten und die ehrgeizigen Ziele so schnell wie möglich vollumfänglich in 2020 erfüllen. Wir intensivieren 2020 weiter den LTE-Ausbau und haben dafür u.a. im Dezember ein mehrere 100 Millionen Euro schweres zusätzliches Investitionspaket für den beschleunigten Netzausbau geschnürt", so Telefónica Deutschland weiter. Die aktuelle Netzabdeckung sei nach Ansicht des Mobilfunknetzbetreiber wesentlich besser als von der Bundesnetzagentur jetzt veröffentlicht. Man sei in der Diskussion mit der Bonner Regulierungsbehörde. Telefónica Deutschland verweist auch auf die Zusammenführung zweiter Mobilfunknetze nach dem Zusammenschluss mit E-Plus.

Das Unternehmen erklärt weiter: "Mit der hohen Schlagzahl beim LTE-Ausbau werden wir unsere Netzversorgung kontinuierlich weiter verbessern. Dabei steht die Versorgungsauflage von 2015 nicht für sich allein – parallel berücksichtigen wir in unserer Netzplanung die Auflagen aus dem Mobilfunkpakt mit Bundesminister Scheuer sowie die Auflagen aus der Frequenzauktion 2019. Wir versorgen deshalb beispielsweise bereits heute rund 60 Prozent der Bevölkerung mit 100 Mbit/s."

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