Versuch

So gefährlich ist die SMS am Steuer

Wer beim Fahren SMS schreibt, lebt gefährlich. Ein Test von Auto Bild zeigte, dass simsende Testpersonen teilweise mit größerer Verzögerung reagierten als unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen. Teilweise war der Blick über vier Sekunden von der Straße abgewendet.

beim Autofahren telefonieren© Martinan / Fotolia.com

Hamburg (red) - Welcher Faktor - Alkohol, Drogen oder SMS schreiben - hat eigentlich den größten ablenkenden Einfluss auf den Fahrer? Um das herauszufinden, unterzog Auto Bild zwei Redakteure einem kontrollierten Selbstversuch unter realen Bedingungen inklusive Aufsicht durch Wissenschaftler der Universität Salzburg. Ausgerüstet mit spezieller Elektronik wurden auf der Teststrecke auf einem abgesperrten Firmengelände bei 20 km/h die Reaktionszeiten beim Bremsen und Im-Kreis-Fahren gemessen.

Sekundenlang kein Blick auf die Straße

Das Ergebnis, das in der Ausgabe 19/2015 veröffentlicht wurde, überrascht: Mehr als ein Drittel aller Blicke sind während des SMS-Schreibens länger als zwei Sekunden von der Fahrbahn abgewendet. Damit liegen die gemessenen Werte höher als die erhobenen Vergleichswerte beim Testdurchlauf unter Drogeneinfluss und Alkoholkonsum.

Mehrere Blicke fixierten sogar mehr als vier Sekunden den Bildschirm des Handys - hier kann es in der Realität schnell zu Auffahrunfällen kommen. Diese Werte entsprechen unter realen Bedingungen im Stadtverkehr einer Strecke von gut 20 Metern ohne Blick auf den Verkehr - eine Distanz, die vier bis fünf parkenden Autos Platz bietet. Insgesamt haben die Versuchspersonen das Verkehrsgeschehen 63 Prozent der Zeit nicht aufmerksam verfolgt.

SMS tippen erhöht Reaktionszeit deutlich

Den Redakteuren wurde während des Fahrens ein Text für die SMS diktiert und sie mussten stets die Straße und eine LED-Leuchte im Blick behalten. Im ersten Versuch ohne SMS benötigte Redakteur Volkens eine Reaktionszeit von 590 Millisekunden, im zweiten Versuch mit Ablenkung durch die Textnachricht gut eine Sekunde länger. Kollege Voswinkel brauchte gar 730 Millisekunden, um zu reagieren.

Einfluss von Drogen und Alkohol

Zum Vergleich: Volkens benötigte beim kontrollierten Selbstversuch unter Drogeneinfluss zwar 80 Millisekunden länger bei der Reaktionsgeschwindigkeit am Lenkrad als nüchtern, agierte allerdings deutlich schneller, als beim Tippen der SMS. Dennoch sind auch hier die Auswirkungen schwerwiegend und keineswegs zu verharmlosen, folgern die Autoren: "Ruckartige Lenkbewegungen und die stark schwankende Geschwindigkeit zeigen, dass der Fahrer unter Drogeneinfluss im Straßenverkehr eine echte Gefahr gewesen wäre", so Volkens.

Aber auch bei Alkohol am Steuer sind Unfälle fast schon vorprogrammiert. Die Reaktionszeit steigt bei den Probanden um 140 auf 680 Millisekunden, die Lenkbewegungen sind stark ruckhaft und der Blick wandert immer wieder weg von der Straße.

Große Gefahr im Straßenverkehr

"Die gefährlichste Droge am Steuer ist ohne Frage das Handy", resümiert Volkens. "Unser Test hat vor allem eines klargemacht: Wer SMS tippt, reagiert noch verzögerter als im alkoholisierten Zustand oder unter Drogeneinfluss." Nach aktuellen Schätzungen der Versicherungsbranche seien 20 Prozent der Unfälle auf das Tippen am Steuer zurückführen, auch wenn es keine bestätigten Zahlen zur Gefahr von Handys im Straßenverkehr gebe.

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